Ausflugstipp in KF
12.03.2018 Land & Leute

Ich glaub mich knutscht ein... Lama?!! Mitten im Allgäu

Täuschen mich meine Augen oder sind das tatsächlich...Lamas? Im Allgäu?! Jawoll, denn seit 28 Jahren schon züchtet Walter Egen auf seinem Hof in Oberbeuren bei Kaufbeuren Lamas und bietet mit ihnen Trekking- Touren an. Wie er auf die außergewöhnlichen Tiere gekommen ist und wieso die Angst vor spuckenden Lamas unbegründet ist, erfährst Du hier. Unten kannst Du außerdem eine lustige Lama-Galerie anschauen.

Von weitem könnte man die verschiedenfarbigen Silhouetten auf der großen Weide vor dem Haus in Oberbeuren für Kühe oder Pferde halten. Die Tiere sind jedoch drahtiger und haben einen ungewöhnlichen Gang. Aus der Nähe wird deutlich - es müssen Lamas sein.

"Das war ein gezielter Zufall", sagt Walter Egen zu seiner Leidenschaft für Lamas. "Ich selber habe Landwirtschaft gelernt, war aber immer auf der Suche nach einem zweiten Standbein." 1990 sah er schließlich eine Dokumentation über Lamas in Südamerika, und war sofort begeistert. "Da habe ich gleich groß gedacht." Damals waren Lamas in Deutschland noch kaum präsent. Das hat sich bis heute geändert. "Die Tiere sind in unserem Kulturkreis angekommen. Sie sind keine Exoten mehr."

Darüber, dass Lamas und Alpakas mittlerweile Trendtiere sind, kann er nur schmunzeln. "Für mich sind Lamas seit 20 Jahren im Trend." 

Aktuell wohnen etwa 60 Tiere auf dem Hof, in der Spitze waren es schon über 120. Egen verkauft seine Tiere an Hobbyhalter, für tiergestützte Therapien oder andere Züchter. Lamas sind sehr genügsam und pflegeleicht, sie fressen nur Heu und Gras. Für Egen besteht der größte Unterschied zur Rinderhaltung in der Arbeitsbelastung. "Kühe machen mehr Arbeit." Natürlich ist die Lama-Zucht trotzdem mit viel Arbeit verbunden. "Aber wenn man Erfahrung hat in der Haltung von großen Tieren hat, dann sind Lamas ziemlich unkompliziert."

Die Lamas gehören zu den ältesten Nutztieren der Welt. Sie werden in der Andenregion in Südamerika schon seit mehr als 7.000 Jahren als Lastenträger eingesetzt. Alpakas hingegen wurden später für die Wollproduktion gezüchtet. Das Allgäu eignet sich gut für die Lamahaltung, auch weil sich die Tiere an die unterschiedlichsten Bedingungen wie etwa an unsere Winterkälte anpassen können. Mit einem verbreiteten Vorurteil räumt der Lamazüchter ebenfalls auf: "Spucken können sie hervorragend, das ist eine natürliche Abwehrreaktion. Aber das machen die Tiere in der Regel innerhalb der Herde." Die Tiere spucken also nicht gezielt auf Menschen.

Ein besonderes Highlight sind Egens geführte Touren, meistens für Kindergeburtstage, Familien, Schulklassen oder andere Gruppen. Bis zu 14 Tiere können derzeit mitgenommen werden, sodass jedes Kind ab sechs Jahren sein eigenes Lama führen darf. Außerdem gibt es kaum eine Unfallgefahr. "Bei Tieren muss man natürlich immer aufpassen. Aber da man auf den Lamas nicht reitet, sondern sie führt, kann man auch nicht runterfallen", sagt Walter Egen. Und falls doch mal ein Lama das Weite sucht, dann bleibt es in der Nähe oder läuft zurück nach Hause.

Es macht Spaß, das ist die Hauptsache. 
Walter Egen

Die Rückmeldungen sind immer sehr positiv. Manche Kinder kommen jedes Jahr wieder. Im Vordergrund steht vor allem eines: "Es macht Spaß, das ist die Hauptsache." 

Die größte Fähigkeit der Lamas zeigt sich aber vor allem bei Begegnungen mit anderen Spaziergängern: "Wenn man mit einem Hund oder Pferden unterwegs ist, sind manche Menschen kritisch eingestellt", meint Egen. Aber nicht so bei Lamas. "Lamas öffnen sofort die Herzen der Menschen."

Dich hat die Lust auf eine Lamatour gepackt? Weitere Infos zu Lamatrekking, Kursen und dem jährlich stattfindenden Wollmarkt, findest Du hier.

Die 19-jährige Schülerin Alina besitzt auf dem Lamahof ein eigenes Tier. Wegen ihres ungewöhnlichen Hobbys wird sie von ihren Freunden auch „Lama-Alina“ genannt. Sie verrät 5 Gründe, warum eine Lamatour im Allgäu ein echtes Highlight ist:

  • Lamas entspannen: die freundlichen Tiere kennen keinen Stress. Bei einer Lamatour nicht abzuschalten ist ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb werden sie auch zu Therapiezwecken eingesetzt.
  • Lamas sind vielseitig: Lamas eignen sich nicht zum Reiten. „Aber wir können spazieren gehen, Parcours laufen oder über Hürden springen.“ Bewegung an der frischen Luft ist bei Lamas garantiert. Im Sommer ist auch mal eine Dusche für die Tiere drin.
  • Lamas sind süß: "Mir gefallen besonders die schönen Ohren, die Glubschaugen und der stolze Gang", sagt Alina. Experten geben dem Kindchenschema die Schuld für die Begeisterung für Lamas. Zugegeben, bei dem Anblick eines Lamas kann man nicht anders, als verzückt zu sein.
  • Lamas sind cool: die meisten Reaktionen auf ihr außergewöhnliches Tier lauten in etwa: "Wow, du hast ein Lama?!" Gesprächsstoff ist so immer garantiert. Außerdem können Lamas mit einer Tragetasche das Gepäck auf einer Tour tragen. Wenn das nicht cool ist…
  • Lamas sind echt: Im Gegensatz zum Einhorn, dem Trendtier des letzten Jahres, kannst du das Lama auch persönlich in „real life“ treffen. „Auf jeden Fall ist es gut, dass die Tiere dadurch den Menschen nähergebracht werden und das Vorurteil, dass sie auf Menschen spucken, aus dem Weg geräumt wird“, meint Alina.

So unterschiedlich können Lamas sein...

Man unterstellt Tieren immer wieder, dass sie kein oder nur geringes Bewusstsein haben. „Aber ich kenne das von Tieren, speziell von Lamas. Die Tiere haben eine Persönlichkeit, und man kann sie danach auch unterscheiden.“, meint Egen. Einige Bespiele seht ihr in der folgenden Fotogalerie. Marlene Marz
Charlie: das „Kinder- Lama“, 3 Jahre. Charlie ist wegen seiner eher kleinen Größe besonders bei Kindern bliebt. Der Spaziergang mit ihm erfordert jedoch manchmal etwas Durchsetzungsvermögen. Marlene Marz
Marlene Marz
Ernesto: das „Genuss-Lama“, 8 Jahre. Ernesto ist eines der größten Lamas. Er ist einer der besten Läufer, wenn er nicht gerade mit seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Fressen, zu tun hat. Marlene Marz
Marlene Marz
Leon: das „Beauty-Lama“, 4 Jahre. Der Name erklärt sich von selbst. Leon ist ein zurückhaltendes, aber freundliches Lama. Sein besonderes Talent ist das Springen, das er mit Halterin Alina regelmäßig trainiert Marlene Marz
Marlene Marz
Licancabur: das „Busch- Lama“, 12 Jahre alt. Das in Chile geborene Lama ist bekannt für seine freundliche und geduldige Art. Allerdings kann es auch en wenig stur sein: wenn es Büsche sieht, schlägt es sich gerne hinein. Marlene Marz
Marlene Marz
Mikey: das „Anführer- Lama“, 15 Jahre. Er ist der Boss unter den Lamas. Besonders zu Kindern ist er aber sehr freundlich auf Touren. Marlene Marz
Marlene Marz
Unsere Praktikantin Marlene hatte viel Spaß auf dem Lamahof. „Wenn ihr mich fragt, dann hat der Trend um das Lama gerade erst angefangen.“ Marlene Marz
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