Jetzt fährt er auf Bus ab
12.02.2019 Hier & Heute

"Ich gab freiwillig den Führerschein ab!" Allgäuer Senior machte es wie Prinzip Philipp

Royale Reue bei Prinz Philip (97): Drei Wochen nach einem schweren Autounfall verzichtet der Ehemann von Queen Elizabeth auf seinen Führerschein. "Richtig so", findet Herbert Walterfang (83). Der Allgäuer hat vor zwei Jahren ebenfalls freiwillig seinen Führerschein abgegeben. Und das, obwohl er kein einziges Mal in einen Unfall verwickelt war. Warum er sich so entschied und wie ihm die Stadt Kaufbeuren dabei half, erfährst Du hier.

Über die Fahrtauglichkeit von Senioren wird immer wieder diskutiert. So auch nach dem Autounfall, in den Prinz Philip Mitte Januar in der Grafschaft Norfolk verwickelt war, und bei dem eine Frau verletzt wurde.

Wie häufig nach solchen Unfällen fordern Experten verpflichtende Tests für fahrende Senioren. Mit solchen Vorschlägen kann Herbert Walterfang nichts anfangen: "Ich bin dagegen, dass bei uns noch mehr reguliert wird und man pauschal gegen Senioren wettert", sagt der 83-Jährige aus Kaufbeuren. 

Er setzt "auf die Vernunft der Bürger" - und geht selbst mit bestem Beispiel voran. Vor zwei Jahren gab er nach 60 unfallfreien Jahren seinen Führerschein freiwillig ab.  

"Mein Sehvermögen ging leider zurück", sagt der Speditionskaufmann, der in seinem Leben über 800.000 Kilometer zurücklegte und dabei nicht einen Punkt in Flensburg kassierte. Die weiße Weste wollte er wahren. "Bevor ich andere gefährde, ziehe ich lieber Konsequenzen." Er verkaufte seinen Opel Astra und brachte einige Monate später seine Fahr-Lizenz ins Kaufbeurer Rathaus. Dort tauschte er ihn gegen ein kostenloses Jahresticket für alle Busse im Stadtgebiet. Diese Möglichkeit bietet die Stadt Kaufbeuren und die Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal seit Mai 2017.

"Die Stadt Kaufbeuren will älteren Bürgern mit diesem Angebot die Entscheidung, nicht mehr selbst Auto zu fahren, etwas leichter machen", teilt die Stadtverwaltung dazu mit.

Wer als Kaufbeurer das 63. Lebensjahr vollendet hat, kann freiwillig auf seine Fahrerlaubnis verzichten - und bekommt ein Jahr lang in den Genuss eines kostenlosen Umwelt-Abos für Senioren. Im zweiten Jahr wird die Hälfte des Abos gezahlt. "Eine tolle Sache", findet Herbert Walterfang. Bislang haben 166 Senioren Führerschein gegen das Bus-Abo eingetauscht. Herbert Walterfang hofft, dass das Beispiel Schule macht.  "Ich bin mit der Busanbindung zufrieden und komme gut zurecht. Nur am Wochenende ist sie nicht so toll. Aber da nehme ich zur Not auch mal ein Taxi."  

Die Entscheidung, seinen Führerschein abzugeben, hat er jedenfalls keine Sekunde bereut. "Sicherheit geht vor."  

          

 

Weitere Artikel