Julian Berger
15.11.2019 Land & Leute

Hypnose, Coaching, Events: Wie ein 22-jähriger Schulabbrecher aus dem Allgäu für Furore sorgt

Wenn freies Reden olympisch wäre, hätte das Allgäu eine Medaillenhoffnung. Das ist zumindest die Meinung von Teilnehmern am "1. Allgäuer Visionaire Summit" in Kempten. Die Veranstaltung wurde vom 22-jährigen Coach und Hypnotiseur Julian Berger organisiert, der vor knapp 200 Besuchern durchs Programm führte. "Der Junge hat ein unglaubliches Show- und Redetalent. Absolut beeindruckend", schwärmte danach beispielsweise der erfolgreiche Unternehmer Manfred Kurrle (83) aus Bolsterlang. Doch wer ist der so gepriesene Newcomer, der offen damit umgeht, die Schule abgebrochen zu haben? allgaeu.life stellt ihn vor.

Beim Treffen mit Julian Berger wird schnell klar, weshalb selbst erfahrene "Wirtschafts-Hasen" überrascht von seinem Auftreten sind. Der 22-Jährige redet begeistert, in druckreifem Hochdeutsch und in hohem Tempo. "Ich bin eine Rampensau. Mich zieht es auf die Bühne", sagt er schmunzelnd und schiebt nachdenklich hinterher: "Ich will anderen Mut machen, über ihren Schatten zu springen, sich etwas zu trauen und ihr Potenzial zu nutzen. Es lohnt sich, das Glück selbst in die Hand zu nehmen."

Dafür sieht sich der Jung-Unternehmer, der Anfang des Jahres die "Julian Berger Akademie" gründete, selbst als gutes Beispiel. In der elften Klasse brach er das Gymnasium ab, später die FOS. "Was dort gelehrt wird, hat mein Herz kalt gelassen. Ich konnte nicht der sein, der ich wirklich bin."

Den radikalen Bruch (den er nicht jedem empfehlen würde) bezeichnet er für sich "als eine der besten Entscheidungen meines Lebens." Schon mit 16 Jahren hatte er sich zum Hypnotiseur schulen lassen: "Die Fähigkeit hat jeder, das ist kein Hokusposkus." Später folgten "zig Coaching-Ausbildungen". Immer getrieben vom Wunsch, die eigenen Möglichkeiten voll auszuschöpfen - und andere auf diesem Weg zu unterstützen. "Wer einen Berggipfel besteigen will und weder den Weg nach oben noch den Ausgangspunkt kennt, wendet sich an einen Bergführer. So ähnlich ist das bei der Persönlichkeitsentwicklung auch."

Sätze, die leicht etwas altklug daherkommen können. Bei Julian Berger folgt meist ein lockerer Spruch, ein Lachen oder, auf der Bühne, ein Show-Effekt. Beim "Gipfeltreffen der Visionäre" sprang er durch eine Leinwand auf die Bühne  und klatschte gleich zu Beginn bei einer Lauf-Runde mit Zuschauern ab. Das Erstaunliche: die Leute zogen mit. Als er zur Mutprobe aufrief und das Mikrofon auf der Bühne frei gab, wagten zehn Besucher den Schritt ins Rampenlicht und stellten sich dem Publikum vor.

"Ich liebe meine Arbeit. Deswegen kann ich andere anstecken, ihre Energie zu nutzen", lautet sein Erfolgsrezept. Für seine erste eigene Inspirations-Veranstaltung, den "Visionaire Summit", gewann er als Redner Manfred Kurrle (Gründer und Vorstandsvorsitzender der Naturschutzstiftung Allgäuer Hochalpen), Martin Osterberger-Seitz (CEO der Seitz-Unternehmensgruppe), Anton Vetter (BV & P Vermögen AG), (Radio-)Moderator Thomas Häuslinger, die Coaches Nadine Eszterle und Britta Ehrmann sowie die Impro-Theatergruppe "Wendejacken". "Die Resonanz war super, wenngleich alles ein bisschen zu lang wurde", zieht Berger Bilanz und fügt lachend an. "Das mache ich beim nächsten Mal besser."

Sein Eifer ist groß: Neben Coachings und (Show-)Hypnose will er künftig auch Seminare anbieten. Den Auftakt soll der "Tag des Tatendrangs" machen. "Ich will Menschen zur Selbstverantwortung motivieren. Gerade in meiner Generation beschäftigen sich viele mehr mit dem 'Haben-Wollen' statt mit dem 'Tun-Können'." Mit einem eigens entwickelten Schulungsprogramm für jeweils zwei Personen will er Menschen aus ihrer Lethargie reißen und bestärken, ihre eigenen Ziele umzusetzen: "Ich bin überzeugt, dass das richtig einschlagen wird", sagt Julian Berger selbstbewusst. Nicht ausgeschlossen, dass dieser Schulabbrecher selbst einmal als Allgäuer Visionär auf große Bühnen geladen wird.

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