Vor Bürgerentscheid
17.07.2019 Hier & Heute

Hotelbau oder Schließung? Wie geht's jetzt weiter am Festspielhaus?

Festspielhaus Füssen
Spannende Zeiten am Forggensee: Nachdem der Bürgerentscheid zum geplanten Bau eines Luxushotels am Festspielhaus für zulässig erklärt wurde, zeigt sich Investor Manfred Rietzler enttäuscht, aber gesprächsbereit. Er will nun auf die Gegner des Vorhabens zugehen. Aktuell sind alle Entwicklungen denkbar: Rückt Rietzler von seinen Plänen ab, wäre wohl auch ein Ende des Betriebs im Festspielhaus besiegelt. Eine „übereilte Entscheidung“ will der Unternehmer nicht treffen. Hier erfährst Du alle aktuellen Entwicklungen.

Wie geht es weiter mit dem Hotelprojekt am Füssener Festspielhaus und damit mit dem Musicaltheater? Darüber wird intensiv spekuliert, seit feststeht, dass es einen Bürgerentscheid zum Bau des Luxushotels geben wird. Inhaber Manfred Rietzler hat die Zukunft des Festspielhauses klar mit dem Bau des Fünf-Sterne-Hauses verknüpft. Denn nur mit diesem zusätzlichen Angebot sei ein dauerhafter Theaterbetrieb finanzierbar.

Ob er die Hotelpläne nun trotz des Bürgerentscheids am 20. Oktober weiterverfolgt und mit welcher Strategie er in die Zukunft gehen wird, darauf will sich Rietzler noch nicht festlegen. Eine „übereilte Entscheidung“ werde er allein schon aus Rücksicht auf die Theater-Mitarbeiter nicht treffen.

Der Unternehmer, der das insolvente Haus 2016 mit Eigenmitteln erworben und wiedereröffnet hatte, machte aber gestern auf Nachfrage der Allgäuer Zeitung klar: Den Hotelbau werde er „nur im Schulterschluss mit der Stadt und keinesfalls gegen den Willen der Bevölkerung angehen“.

Wie berichtet, soll auf dem Areal des Musicaltheaters ein Luxushotel mit Tagungs- und Kongresszentrum entstehen. Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde hat bereits Zustimmung signalisiert. Doch Bund Naturschutz und Kreisfischereiverein lehnen das Vorhaben mit Verweis auf den aus ihrer Sicht gravierenden Eingriff in den geschützten Uferbereich des Forggensees ab.

Ist das Hotel alternativlos?

Bei einer Klausurtagung des Stadtrates hat sich Manfred Rietzler vor wenigen Tagen zahlreichen Fragen des Gremiums gestellt. Unter anderem ging es um die Wirtschaftlichkeit des geplanten Hotels. Dabei habe er erneut klar gemacht, dass sich die Defizite aus dem Theaterbetrieb nur durch das angeschlossene Hotel decken ließen. Die Wirtschaftlichkeitsstudie eines etablierten Beratungsunternehmens bestätige dies. Einzige Alternative zum Hotel sei eine öffentliche Förderung des Theaterbetriebs. Diese Unterstützung gibt es bislang nicht.

Rietzler machte gestern klar, dass er „über den Gegenwind und die Vorgehensweise mancher Projektgegner sehr enttäuscht ist“. Er habe seit vergangener Woche aus unterschiedlichsten Richtungen „enormen Zuspruch“ erhalten, verbunden mit der Bitte, um das Hotelprojekt und das Festspielhaus zu kämpfen. „Mein Team und ich werden diese Woche weiter versuchen, auf die Einwände der Gegner einzugehen und nach der bestmöglichen Lösung zu suchen.“

Alle geplanten Veranstaltungen im Festspielhaus sollen stattfinden

Sollte er sich in nächster Zeit gegen das Hotelprojekt entscheiden, bedeute dies nicht die umgehende Schließung des Festspielhauses. „Es werden auf jeden Fall alle geplanten Veranstaltungen durchgeführt.“ Die letzte Ludwig-Vorstellung des aktuellen Spielplans ist für 5. Januar 2020 geplant. Und was hält Rietzler von einem Ratsbegehren, das der Stadtrat dem Bürgerbegehren entgegensetzen könnte? „Das wäre ein deutliches Signal, dass der Stadtrat weiter hinter dem Vorhaben steht“. Bürgermeister Paul Iacob (SPD) hält diesen Schritt nur für sinnvoll, wenn er von einer großen Ratsmehrheit getragen wird. Danach sieht es derzeit aber nicht aus.

Ex-Bürgermeister Paul Wengert (SPD) hat derweil seine Pläne für eine Bürgerinitiative „pro Hotel“ konkretisiert. Ab September will er den „unhaltbaren Behauptungen der Hotelgegner Fakten entgegensetzen“. Dies soll über eine Postwurfsendung geschehen. Etliche alteingesessene Bürger stünden hinter ihm. Er ist sicher: „Das Hotel ist eine einmalige Chance für Füssen.“

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