Freiwilliger Abstieg
14.03.2020 Sport & Action

Historischer Rückzug: Sonthofer Volleyballerinnen verlassen 2. Bundesliga

Die AllgäuStrom Volleys Sonthofen ziehen sich aus der 2. Bundesliga zurück. Erstmals seit dem Aufstieg 2002 entscheidet sich der Verein für einen freiwilligen Abstieg aus der 2. Liga - in der Spielzeit 2020/2021 wird der zweimalige Meister in Liga drei aufschlagen. Die Hintergründe: 

Das verkündete die Clubführung um Geschäftsführer Christian Feger auf einer Pressekonferenz am Samstag in der Allgäu-Sporthalle - an der Spielstätte, an der die Volleys planmäßig ihr Heimspiel gegen den VC Neuwied hätten austragen sollen.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte auch die VBL (Volleyball-Bundesliga) den Spielbetrieb wie nahezu alle Dachverbände der Mannschaftsportarten wegen der dynamischen Entwicklung in der Corona-Krise für die laufende Saison komplett abgesagt.

Kader nur mit auswärtigen Spielerinnen zweitligatauglich 

"Wir haben in den vergangenen Jahren immer größere Schwierigkeiten bei der Kaderzusammenstellung gehabt", nannte Feger einen der Hauptgründe für den Rückzug. Das Feld in der laufenden Saison der 2. Bundesliga besteht aus fünf Mannschaften aus dem Münchner Umland – ein Ballungszentrum, dem das Oberallgäu als Einzugsgebiet nicht das Wasser reichen kann. "Aufgrund des guten Leistungsniveaus der 2. Bundesliga kann unsere Mannschaft seit dem Abstieg aus der ersten Liga nur mit auswärtigen Spielerinnen schlagkräftig zusammengestellt werden. Eine Mannschaft aus mehrheitlich eigenen Spielerinnen oder aus dem Allgäu ist nicht möglich", sagte Feger.

Hinzu kommen die erschwerte Organisation des Trainings- und Spielbetriebs sowie die Probleme, geeignete Trainingshallen in München zu finden. Die Oberallgäuerinnen hatten in den vergangenen Jahren zweimal wöchentlich in der Landeshauptstadt trainiert, lediglich die Einheiten an Freitagen vor den Heimspielen in Sonthofen absolviert.

Hohe Kosten für "Satelliten-Mannschaft"

"Außerdem entstehen durch dieses Konzept einer "Satelliten-Mannschaft" in Sonthofen und München immer höhere Kosten und Zeitaufwand", ergänzte der 52-jährige Feger und führte aus: "Übernachtung und Verpflegung der Mannschaft in Sonthofen, Fahrtkostenersatz für die Anreise nach Sonthofen oder nach München, Unterhalt eines eigenen Busses für Training und Zusatzbus für Auswärtsspiele – das alles wird schwerer zu stemmen."

Und so entscheidet sich der Zweitliga-Meister von 2007 und 2017 erstmals für den freiwilligen Rückzug aus der 2. Liga. Dieser Schritt sei in erster Linie als eine Chance für den eigenen Nachwuchs zu sehen - "wir wollen mehr junge Leute aus den eigenen Reihen in die erste Mannschaft integrieren, mehr Spielerinnen mit Wurzeln in der Region einbinden", sagte Feger. So sei der tiefgreifende Einschnitt nicht zuletzt auch ein Weg, um das Leistungszentrum stärker zu fordern - und zu fördern.

Eine gute Nachricht aus sportlicher Sicht: Zweitliga-Trainerin Veronika Majova trägt das Konzept mit, wird verstärkt am Nachwuchskonzept mitarbeiten und hat als Coach bereits verlängert. "Sicher, Sonthofen kann es eines Tages wieder in die 2. Liga schaffen", beantwortete die Sportliche Leiterin Veronika Kettenbach die Frage nach der Perspektive des Volleyball-Sports in der Kreisstadt: "Aber es wird Zeit brauchen. Und ein Umdenken in der gesamten Region."

Weitere Artikel