Total verklemmt
04.06.2018 Hier & Heute

Hier steckt ein LKW mitten im Allgäu fest (was dann passiert, siehst Du im Video)

Da ging gar nichts mehr! Ein über 16 Meter langer LKW steckte gestern in einem Wohngebiet in Kempten fest. Der Sattelzug stand verkantet in der Kurve zwischen Häusern, seitlich hatte er einen Gartenzaun gerammt. Wie es zu der kuriosen Situation kam und wie die Rettung gelang, liest Du hier.

Einen Riesenschreck erlebte am Montagmorgen Anwohner Michael Schäfer. Ein Polizist rief ihn gegen 10 Uhr an seinem Arbeitsplatz an: "Ein LKW ist in Ihr Haus gefahren."  Sofort machte sich Michael Schäfer auf den Weg in die Stadtbadstraße.

Tatsächlich: Das gläserne Vordach seines  Anwesens war weggerissen. Davor stand ein ein 40-Tonner mit litauischem Kennzeichen - eingekeilt in der kleinen Ringstraße. Es gab kein Vor und kein Zurück mehr.

Das erkannte schließlich auch der 48-jährige LKW-Fahrer. Um noch größeren Schaden zu verhindern, stieg er völlig aufgelöst aus der Fahrerkabine. Geladen hatte er tonnenschwere Papierrollen für eine Firma im 30 Kilometer entfernten Biessenhofen (Ostallgäu).

Doch wie kam der Mann auf die Idee, mit seinem XXL-Laster ausgerechnet durch ein Wohngebiet zu kutschieren? "Navi, Navi...", sagt der  verzweifelte Litauer den allgaeu.life-Reportern und deutet auf die beiden Displays in der Fahrerkabine.

Offenbar war er in die kleine Ringstraße eingebogen, weil er sich auf dem falschen Weg wähnte - und wenden wollte. Bei seiner Nadelöhr-Fahrt samt Rangier-Versuchen schrammte er unter anderem die Garage eines weiteren Anwohners. Dementsprechend groß war die Aufregung. "Das muss der doch sehen, dass er hier nicht durchkommt", ärgerten sie sich.

Ganz cool blieben in der Mittagshitze dagegen die drei Mitarbeiter des Abschlepp-Unternehmens Peter Schlichtling. In einer eineinhalbstündigen Aktion hoben sie mit einem Kran und Spezialgerät den LKW wenige Zentimeter an  - und bugsierten ihn unbeschädigt in eine gerade Ausgangsposition. Danach rangierte Peter Schlichtling den Laster noch einmal zentimetergenau am Vorsprung einer Hauswand vorbei.  Der litauische LKW-Fahrer, der weder deutsch noch englisch sprach, bedankte sich mit einer eindeutigen Geste: Daumen hoch!

Zumindest wurden der LKW und seine Fracht gesichert. Die Kosten für das Abschlepp-Manöver in Höhe von 2000 Euro beglich der litauische Fahrer nach Rücksprache mit dem Auftraggeber über die Kreditkarte des Spediteurs. Ob der seinen Job behält, steht nach diesem Malheur wohl in den Sternen. 

"Mein Glas-Vordach hat der Lkw mitgenommen. Die Garage vom Nachbarn sieht auch nicht ganz so gut aus", sagt Michael Schäfer. Trotzdem ist er froh: "Zum Glück wurde niemand verletzt. Den Rest kann man bezahlen." Den Schaden an drei Anwesen bezifferte die Polizei auf mindestens 20.000 Euro. 


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