Zusteller mit Herz
03.07.2019 Land & Leute

Hier sprechen drei Menschen, die für sich den perfekten Job gefunden haben

Jobs gibt es viele. Und sicher hat jeder seine Vor- und Nachteile. Doch nur selten trifft man Menschen, die so aus voller Überzeugung für ihre Arbeit schwärmen, wie Wilhelmine Pfister (84), Franz Rieder (65) und Stefanie Basmann (34). Die drei sind Zeitungszusteller beim Allgäuer Zeitungsverlag. Am frühen Morgen sorgen sie mit ihren Kollegen zuverlässig dafür, dass zigtausende Menschen in der Region pünktlich ihre AZ auf dem Frühstückstisch haben. Rund 50 Jahre machen Pfister und Rieder diesen Job schon – und sagen: Aufhören? Kommt nicht in Frage! Warum sie sich keine bessere Arbeit vorstellen könnten und warum dieser Job für jedes Alter – egal ob Student oder Rentner - in Frage kommt, verraten unsere fleißigen Zusteller hier.

Bis ins hohe Alter: Diese Arbeit hält fit

Da staunen auch die Kollegen. Als Wilhelmine Pfister ihr Alter verrät, können es Franz Rieder und Stefanie Basmann zunächst kaum glauben. 84 Jahre zählt die Kemptenerin. Doch  niemand hätte auch nur mit der Wimper gezuckt, hätte sie sich 15 Jahre jünger gemacht. "Ich stelle seit 1971 die AZ zu. Ich bin jetzt im 49 Jahr in dieser Arbeit", sagt sie im allgaeu.life-Gespräch. Ihr Zustellgebiet ist rund um das Kemptener Krankenhaus in der Robert-Weixler-Straße. Mit ihrer Tasche voller Zeitungen "bewaffnet" macht sie sich Nacht für Nacht auf den Weg. Zu Fuß, versteht sich. "Die Treppe am Reichelsberg zählt 166 Stufen", weiß sie aus dem Stegreif. Mutet sie sich nicht zu viel zu in ihrem Alter? "Ich mach es, damit ich fit bleib'", antwortet sie wie aus der Pistole geschossen. Und schiebt lachend hinterher: "Daheim mach ich aber auch noch ein bissle Yoga!"

Der Job an der klaren Allgäuer Luft hält jung und fit, das kann auch Stefanie Basmann bestätigen. Mit ihren 34 Jahren ist sie die mit Abstand Jüngste in diesem AZ-Zustellertrio. "Wenn ich in meinem Stammgebiet in Kempten Sankt Mang und Betzigau unterwegs bin, zählt mein Schrittzähler 13.000 Schritte jeden Morgen. Ich muss mir abends keine Gedanken mehr machen, ob ich noch joggen gehe", sagt sie.

Für viele ist früh am Morgen die beste Arbeitszeit

"Ich hab' 3 Kinder, 2 Hunde und einen Mann", verrät Stefanie Basmann lachend. "Ach, und zwei Hasen, 1 Katze, einen Garten daheim und so weiter…" Ist das alles nicht ein bisschen viel zu managen für die engagierte Mutter? "Nein, genau deshalb ist der Job so perfekt. Wenn ich frühmorgens unterwegs bin zum Zustellen, nehme ich meine zwei großen Hunde mit. Die sind damit schon mal ausgepowert." Wenn sie nach Hause kommt, ist es an der Zeit, die Kids fertig für die Schule zu machen. "Nach dem Frühstück fahre ich sie zum Unterricht." Bis mittags kann Basmann dann ihren Schlaf nachholen. Bis die Kinder wieder aus der Schule kommen. "Ich habe tagsüber Zeit für meine Familie und das Haus. Für mich ist es die beste Arbeitszeit…"

Kohle, baby!

Franz Rieder ist ein Ostallgäuer Original. Daheim ist er in Seeg. Siebeneinhalb Kilometer lang ist seine Strecke im Ort, die er an sechs Tagen die Woche zu Fuß absolviert. Und das seit – halte Dich fest: 53 Jahren! "Ich habe am 1. Oktober 1966 mit 14 Jahren angefangen. Damals hätte ich nie gedacht, dass das ein Lebensjob wird." 125 Zeitungen plus Briefe stellt er jeden Morgen zu – zuverlässig, routiniert und blitzschnell. Obwohl Seeg "bucklig" ist, wie er sagt, benötigt er in dieser Jahreszeit nur gut eine Stunde dafür. "Inzwischen bin ich ja in Pension. Aber früher habe ich das immer noch vor meinem Hauptjob erledigt." Warum? "Mich plagt das Fernweh! Zeit meines Lebens verreise ich gerne", sagt der bodenständige Ostallgäuer. "Mit dem zusätzlichen Gehalt konnte und kann ich mir was gönnen."

Du bist Dein eigener Chef

Stefanie Basmann stellt in Sankt Mang zusammen mit ihrem Mann Markus (38) zu. Franz Rieder ist in Seeg allein unterwegs. "Ich bin mein eigener Herr. Ich hab niemanden hinter mir, der mir reinschwätzt", sagt er. Unterstützung gibt's vom Allgäuer Zeitungsverlag: Ist er einmal krank oder auf Reisen, organisieren die Kolleginnen und Kollegen der Logistik die Vertretung. "Früher war das noch anders, da musste man sich selbst kümmern", erinnern sich Rieder und Wilhelmine Pfister.

Du hast große Verantwortung

Ja, es ist – zum Glück – auch noch heute so: Kaum etwas ist vielen Allgäuern heiliger, als die gewohnte Tageszeitung am Frühstückstisch. Wehe, auf einmal steckt keine im Briefkasten! Oder sie ist zerfleddert. Oder bei Regen und Schnee durchnässt! Dann gehen in der Zentrale in Kempten die erbosten Anrufe ein. Die Leser beschweren sich zu Recht (auch wenn wie überall im Leben der Ton die Musik macht). "Man braucht Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Vertrauen in sich selbst", zählt Rieder aus seinen Erfahrungen auf.

Für Nachteulen perfekt!

Deshalb ist eines auch klar: Wenn nachts irgendwann zwischen 2.30 Uhr und 3.30 Uhr der Wecker klingelt, gibt's kein: "Noch fünf Minuten. Oder: Heute mal nicht…" Das wissen auch Wilhelmine Pfister und Franz Rieder: "Man muss ein Frühaufsteher sein. Der Biorhythmus kann sich anpassen. Wer das aber partout nicht will, sollte etwas anderes machen." Für Nachteulen wie Basmann, Pfister und Rieder aber ist es die perfekte Arbeit. Womit wir wieder bei Punkt 2 wären: Nicht viele Berufstätige können von sich behaupten, jeden einzelnen schönen Allgäuer Sommertag ganz für sich zu haben…

Für Liebhaber der Allgäuer Tier- und Naturwelt

Franz Rieder kommt ins Schwärmen: "Jede Jahreszeit hat ihren Reiz. Aber eine laue Vollmondnacht derzeit oder der Sonnenaufgang über Seeg sind etwas ganz Besonderes. An schönen Tagen sehe ich das Panorama der Zugspitze und höre die Rehe im Moos schreien", erzählt er mit einem Lächeln. Wer nun glaubt, nur auf dem Land habe das Allgäu seinen Reiz, der irrt. "Ich kenne jedes Tierbaby, jedes Kätzchen und die Igel auf meiner Strecke in Kempten", sagt Wilhelmine Pfister. Und Stefanie Basmann erzählt von der Fuchs-Familie mit vier Jungen, die ihr bei Betzigau in den vergangenen Wochen nahezu jeden Morgen begegneten. Wann erlebt man sonst so was? Noch mal Franz Rieder: "Wer wirklich mal wissen will, wie kristallklare Allgäuer Luft riecht, muss mit mir in Seeg mitkommen. Wenn dort frühmorgens nur ein einzelner Mensch auf dem Balkon sitzt, riecht die Luft schon ganz anders…"

Kenne Deine Nachbarn: Persönliche Kontakte und Freundschaften

Wer oft jahrelang in seinem Ort oder Stammgebiet zustellt, kennt die Anwohner. Mehr noch: Die Allgäuer kennen ihre/n Zusteller/in! Es entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis, das nicht selten auch in persönliche Kontakte und in Freundschaften mündet. "Man kennt die Leut in seinem Gebiet", sagen die drei übereinstimmend. "Man schwätzt miteinand. Und an Weihnachten wird man immer eingeladen", sagt Franz Rieder lächelnd. Und da gibt's dann nicht nur Plätzchen und Kaffee, sondern oft auch noch ein gutes Weihnachtsgeld – oder zur Ferienzeit im Sommer Urlaubsgeld. "Die Menschen im Allgäu sind sehr oft noch großzügig", haben sie die Erfahrung gemacht.

Für die drei ist deshalb klar: Für sie ist AZ-Zusteller der perfekte Job. Vielleicht auch für Dich? Dann melde Dich einfach unter zusteller@azv.de oder telefonisch unter der 0831/206-129 und freue Dich auf so nette Kollegen wie Stefanie Basmann, Franz Rieder und Wilhelmine Pfister. Der gehört das Schlusswort: "Nach zwei Wochen Urlaub bin ich immer richtig froh, wenn ich wieder auf meine Runde gehen kann. Solange Gott will…"

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