"Pistenbock" macht's möglich
08.02.2019 Sport & Action

Heimatlift Thaler Höhe: Hier können auch Rodler Schlepper fahren!

"Der Pistenbock macht richtig Bock!" Das hört man am "Heimatlift Thaler Höhe" in Missen-Wilhams immer häufiger. Neben Skifahrern können auch Rodler mit dem Schlepper bergauf fahren. Möglich machen es spezielle Schlitten, die vor Ort verliehen werden. Nicht die einzige Besonderheit in dem Skigebiet, das heuer für Schlagzeilen weit über das Allgäu hinaus sorgte.

Bequeme Aufwärtsfahrt, rasante Abfahrt: Mit dem so genannten "Pistenbock" eines fränkischen Herstellers können Rodler Schlepplifte benutzen. Mit einer speziellen Vorrichtung lässt sich der Bügel  am gefederten Schlitten befestigen. Die Modelle kosten im Online-Shop des Unternehmens 299 bis 995 Euro. Alternative: Am Heimatlift Thaler Höhe kann man verschiedene Modelle für 10 Euro die Stunde ausleihen und auf der eigens gepflegten Rodelbahn über einen Kilometer nach unten sausen. 

"Wir sind der einzige Lift im Allgäu mit Pistenbock-Verleih. Die Schlitten kommen super an. Sie sind leicht zu lenken, schnell und sicher durch ein eigenes Bremssystem", sagt der neue Betreiber der Liftanlage Aaron Holterman ten Hove (33), der viele neuen Ideen mitbringt.

Der gebürtige Memminger, ehemalige Wettkampf-Snowboarder und studierter Ökonom, ist in diesen Tagen bester Laune. Dafür sorgen nicht nur die schönen Wintertage, sondern auch die Zahlen. Um die 800 Skifahrer und Rodler werden an guten Tagen gezählt. "Wir haben mehr Umsatz wie im bisherigen Rekordjahr", sagt Holterman. Über das die Tradtionsanlage wurde in diesem Winter viel berichtet.  Zunächst stand der Lift vor dem Aus, weil die scheidenden Betreiber keinen Nachfolger fanden. Im November 2018 gab es dann eine viel beachtete Wende in der 1500-Einwohner-Gemeinde. 33 Bürger gründeten die erste Liftgenossenschaft in Bayern: die Thaler Höhe eG.

Das Ziel: der Erhalt und die Modernisierung des Skiliftes und der Gastronomie. Wer einen Anteil für 1000 Euro zeichnet, erhält neben einer Gewinndividende jährlich fünf Lift-Tageskarten. Langfristig werden 444 Genossenschaftsanteile benötigt, so lautet die Rechnung der Initiatoren. "Die bisherige Resonanz hat unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen", sagt Holterman, der Vorstand der Genossenschaft ist. "Wir haben bislang schon 218 Anteile ausgestellt und haben noch einige Interessenten in der Pipeline." Luft verschaffen den neuen Machern auch die Eigentümer: In diesem Winter muss die Genossenschaft keine Pacht zahlen. 

Mit kleinem Budget, aber jeder Menge Optimismus und Gemeinschaftsgefühl sei es gelungen, "Leben reinzubringen". So wurde beispielsweise das "Liftstüble" neu eingerichtet. Oder es wird jeden Freitag Flutlichtfahren angeboten.

Insgesamt arbeiten etwa 75 Menschen im Winter am Lift – vom Parkeinweiser bis zum Skiverleih. "Sie haben wieder eine Perspektive", sagt Holterman, der bereits mit neuen Plänen beschäftigt ist: Ab  Frühjahr will er "Baumchalets" als Unterkünfte für Selbstversorger bauen.

Es geht wieder aufwärts am Skilift an der Thaler Höhe. Nicht nur für Skifahrer und Rodler.

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