Statistik sorgt für Aufsehen
02.09.2019 Hier & Heute

Gruselig: Fast 100 Tote liegen auf dem Grund des Bodensees

Die Bildzeitung spricht von einer „Gruselliste“, andere Medien von einem „Massengrab“: Fast 100 Tote liegen nach einer Statistik der Behörden im Bodensee. Möglicherweise sind es sogar noch deutlich mehr. Denn offiziell gezählt werden im See vermisste Personen erst seit gut 60 Jahren.

Der Bodensee ist für viele Menschen ein nasses Grab. Das ist seit langem bekannt. Wurden im Jahr 2015 nach einer Meldung der Allgäuer Zeitung noch 95 Personen als im Bodensee vermisst geführt, sind es mittlerweile vier mehr. Aktuell geworden ist das Thema über Medienberichte in der Schweiz und Vorarlberg. Nicht zuletzt in den Sozialen Medien schlägt es Wellen.

Fakt ist: seit 1947 führen die Behörden rund um das internationale Gewässer eine Statistik, wie viele Menschen im Bodensee vermisst werden. Derzeit sind auf der Liste 99 Personen geführt. Das hat der Leiter der Wasserschutzpolizei in Friedrichshafen, Michael Behrendt, gegenüber bild.de bestätigt. In der Mehrzahl handelt es sich um Badegäste, die im Wasser untergegangen sind.

Viele der Personen werden seit langem vermisst. Der See gibt seine Toten oft nicht mehr her. Das liegt an der vergleichsweise niedrigen Temperatur des Wassers. „Ab 60 Meter Tiefe ist der See nur noch vier Grad warm. Das ist wie ein Kühlschrank. Bei dieser Temperatur entstehen kaum noch Gase, die den Körper nach oben treiben könnten“, erklärt Marcel Kuhn, Leiter der Seepolizei Thurgau, gegenüber „20 Minuten“ aus der Schweiz.

Eine Rolle spielt auch die große Tiefe des Bodensees. Er reicht bis 250 Meter hinunter. Der hohe Wasserdruck hält die Körper in die Tiefe.

Immer wieder verschwinden deshalb Menschen im See und tauchen nicht mehr auf. Ein Beispiel ist ein in der Schweiz lebender Chinese, der im Jahr 2015 vermutlich im Bodensee ertrank. Er wurde trotz einer aufwändiger Suche, bei der auch Sonden eingesetzt wurden, nie gefunden.

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