Albert Guggemos
10.09.2018 Land & Leute

Goldig! Allgäuer (75) schreibt Gedicht für Allgäuer Kuh

AZ
Seit über einer Woche überrascht und begeistert Ihr uns durch Eure Einsendungen bei unserem Gewinnspiel "Starke Heimatsprüche" in Zusammenarbeit mit dem Allgäuer Brauhaus und der Allgäuer Zeitung. Mehrere Hundert kreative Sprüche und originelle Versle haben uns bereits erreicht. Toll sind sie alle und zeigen uns, wie stark sich die Allgäuer mit ihrer Heimat identifizieren. Letztendlich entscheidet eine Jury über die Gewinner (Einsendeschluss ist der 3. Oktober). Einer der rühigen Einsendern ist Albert Guggemos (75). Der Eisenberger reichte gleich drei selbstgeschriebene Mundartgedichte ein. Wir stellen ihn vor.

Wie sind Sie zum Dichten gekommen?

Albert Guggenmos: Zum ersten Mal habe ich eines meiner Gedichte bei der Abschlussfeier einer beruflichen Schulung vorgetragen. Das war meiner Meinung nach aber noch eher „schlecht als recht“. Aber es kam gut an und in der Folge habe ich immer mehr gedichtet.

Ich war in unserer Gemeinde immer sehr aktiv, unter anderem als Ansager. Und ich trat 25 Jahre lang gemeinsam mit meiner Frau als Gesangsduo bei Hochzeiten oder ähnlichen Anlässen auf. Solche Anlässe habe ich immer genutzt, um meine selbst geschriebenen Gedichte in Mundart dort vorzutragen.

Haben Sie auch schon Gedichte veröffentlicht?

1984 brachte ich meinen ersten Gedichtband „Allerhand von Leut und Land“ heraus, in dem ich Gedichte auf Hochdeutsch, aber vor allem in Dialekt veröffentlichte. 1997 folgte der zweite Gedichtband namens „Unterhaltsam und Heiter“. Ich habe auch eine Chronik über meinen Heimatort Eisenberg verfasst: Für „Eisenberg im Wandel der Zeit“ habe ich vier Jahre Bilder und Informationen gesammelt und weitere vier Jahre daran geschrieben.

Warum schreiben Sie im Dialekt und was ist die große Herausforderung dabei?

Ich denke, in meinem Eisenberger Dialekt kann ich mich einfach am besten ausdrücken. Das Gedichteschreiben auf Mundart entwickelt sich irgendwann zu einer Routine. Probleme ergeben sich erst für die Leute, die den Dialekt nicht verstehen. Die Leser in meinem Heimatort oder der  Umgebung haben mit Eisenberger Mundart natürlich kein Problem.

Was ist Ihnen an ihren Gedichten besonders wichtig?

Heute ist mir eine saubere Versform sehr wichtig. Es muss gut gereimt sein, um sich auch gut vertonen zu lassen. Dabei habe ich mir auch von einem Spezialisten, der selbst schon einige Gedichtbände publiziert hat, Tipps geben lassen. Besonders gerne schreibe ich, wenn ich eine gute Idee habe -  oder über etwas, das mir gerade spontan in den Kopf kommt.

Warum haben Sie an unserer Aktion "Starke Heimatsprüche" mitgemacht? 

Ich hatte einfach mehrere Gedichte auf Lager und denke, dass kurze Gedichte sehr gut ankommen. Manchmal sogar besser als Witze, die ich als Komödiant  auch gerne mache. (lacht)

Doch Albert Guggemos schreibt nicht nur Gedichte, sondern auch Lieder!  So probt beispielsweise die Musikkapelle Eisenbach gerade seinen selbstgeschrieben „Allgäuer Marschgruß“. Ob Guggemos zu den Gewinnern unserer Heimatsprüche-Aktion zählt, entscheidet nach dem Ende der Einsendezeit eine Jury...

Hier liest Du sein goldiges Kuh-Gedicht: 

A Kueh, a dumme

Dir liebe Leit, jetz loset zue

i bin a "Allgäu-Braunviehkueh"

mir gohts it schlecht, hau nix zum Klage

des möcht i heit de Leit mol sage.

Im Sommer schtand i brettlesbreit

im Freie in der frische Weid,

hau gnue zum Fresse und zum Trinke

i ka mir garnix scheaners dinke.

Im Winter, do hau i mein Schtaal

bi satt und frier auf gar koin Faal

und o die Euter - Melkmassage

duet richtig guet, des mueß i sage.

Siehch i do d'Leit mit ihrem Stress,

mit Hektik, Schtreit und all dem Käs;

so bin i zur Erkenntnis kumme:

I bi ganz gearn "a Kueh, a dumme"


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