Was steckt dahinter?
15.04.2019 Land & Leute

Gifthütte! Dieses Paar betreibt das Lokal mit dem wohl schrägsten Namen im Allgäu

Dieses Lokal ist anders. Da kannst Du Gift drauf nehmen! Die "Gifthütte" in Kaufbeuren hat den wohl schrägsten Restaurant-Namen im Allgäu. Doch woher stammt er? Und was ist dort geboten? allgaeu.life hat mit den Pächtern Eva Rummel (38) und Bernhard Epple (47) gesprochen.

Eines wird schon nach wenigen Minuten klar: Nach ihren Pächtern ist die "Gifthütte" nicht benannt. Eva Rummel und Bernhard Epple sind alles andere als giftig. Freundlich und gut gelaunt empfängt das Ehepaar die Gäste, die allesamt geduzt werden. "Wir machen kein Chichi, sondern bieten ehrliche Küche", sagen die beiden. Vor acht Jahren haben sie das Lokal (100 Sitzplätze im Innenbereich, 100 Plätze im Kastanien-Biergarten) in der Schelmenhofstraße in Kaufbeuren übernommen.

Zuvor hatte es mehrere Pächterwechsel gegeben. "Der Laden war komplett runtergewirtschaftet. Wir mussten alles erneuern", erinnern sich die beiden. "Stammgäste konnten wir keine vertreiben. Es gab schlichtweg keine!", fügen sie augenzwinkernd an.

Auf der Suche nach einem neuen Namen landete das Paar bei einem alten. Gifthütte hieß das Lokal - mit kurzen Unterbrechungen - seit Ende des 19. Jahrhunderts. Vermutlich war hier einmal eine Schwarzbrennerei angesiedelt, die mehr oder weniger bekömmlichen (oder eben giftigen) Schnaps herstellte. Jedenfalls etablierte sich die Bezeichnung "Gifthütte" im Kaufbeurer Volksmund.

Diesen kuriosen Namen übernahm das Paar und entschied sich für ein Logo mit einem Reaktionsgefäß, wie es Chemiker verwenden. In gewisser Hinsicht schließt sich damit auch ein Kreis. Bernhard Epple ist gelernter Chemisch-Technischer Assistent; Eva Rummel hat als gelernte Zahntechnikerin ebenalls Labor-Erfahrung. "Von Anfang haben die Gifthütte und wir zusammengepasst", sagen die beiden lachend.

Der gute Draht zu den Gästen half ihnen, das Lokal stetig zu entwickeln. Das Pächterpaar wollte es ursprünglich "nur" als Bistro mit einfachen Speisen betreiben. Doch als die Gäste begeistert bei Nudeln, Pizza und anderen Kleinigkeiten von Köchin Eva zugriffen, erweiterten die beiden das kulinarische Angebot. Mittlerweile führt die Gifthütte den Slogan "das frische Restaurant & Steakhaus" im Namen.

Neben Steaks und Burgern gibt es auch vegetarische Gerichte, wie Quinoa-Falafel-Burger oder Ofenkartoffeln mit Pfannengemüse. "Außer Pommes und Ketchup machen wir alles selbst", sagt Eva Rummel. Bei der Auswahl ihrer Lieferanten achten die Betreiber auf Regionalität. Die Eier kommen vom Bauern aus Dösingen, das Fleisch von einer Familienmetzgerei in Ronsberg, der Käse von einer Hofkäserei aus Obergünzburg und das Brot von einem Kaufbeurer Bäcker.

Transparenz ist den beiden wichtig. Deshalb findet sich auf der Speisekarte auch ein Zutatenverzeichnis, das insbesondere Allergikern die Wahl erleichtert. Das Konzept kommt an. 80 bis 120 Portionen gehen pro Öffnungstag über den Tisch. Zehn Mal so viel wie zu Beginn vor acht Jahren. Zum Erfolg beigetragen haben die knapp 20 Mitarbeiter und die langen Küchen-Öffnungszeiten. Von Dienstag bis Samstag gibt es bis 23 Uhr warme Mahlzeiten, worüber sich beispielsweise Eishockey-Fans nach den ESVK-Heimspielen freuen. 

Die Gifthütte
Schelmenhofstraße 1, 87600 Kaufbeuren
Telefon: 08341/71 53 53 7
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 17 bis 23 Uhr (Reservierung in der Stoßzeit von 18 Uhr bis 20 Uhr wird empfohlen)

Auf einen Mittagstisch haben Bernhard und Eva dagegen bewusst verzichtet. Lieber geben sie am Abend ausgeruht Vollgas für ihre Gäste. An Ausdauer mangelt es dabei nicht. Im Gegenteil: Bernhard Epple hat schon mehrere 100-Kilometer-Läufe bestritten. Aktuell bereitet er sich auf den Seen-Länder-Ultratrail in Mittelfranken über 146 (!) Kilometer vor. Die Fans der "Gifthütte" drücken ihm die Daumen.   

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