Coronavirus
13.03.2020 Kind & Kegel

Geschlossene Schulen, Kitas, Kindergärten: Das müssen Sie jetzt wissen

Ab Montag sind in ganz Bayern Schulen, Kitas und Kindergärten bis zu den Osterferien geschlossen. Es soll flexible Lösungen für Arbeitnehmer geben, Arbeitgeber sollen die Kinderbetreuung zuhause "großzügig erlauben". Für bestimmte Kinder gibt es eine Notfallbetreuung.

Wegen der Coronavirus-Krise schließt Bayern ab Montag alle Schulen, Kindergärten und Kitas - bis zum Beginn der Osterferien am 6. April. Das sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag in München. Damit sind in Bayern faktisch bis zum 20. April die Bildungseinrichtungen geschlossen. "Da es keine Medikamente gibt, sind wir darauf angewiesen, andere Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung zu verlangsamen", sagte Söder. Auch wenn Kinder weniger häufig am neuartigen Coronavirus erkranken, übertragen sie es doch.

Insgesamt gibt es im Freistaat rund 6000 Schulen und rund rund 9800 Kitas mit 570 000 Kindern.

Viele Eltern stehen jetzt vor der Frage: Wer betreut meine Kinder weiter? Muss ich jetzt Urlaub nehmen? Werde ich vom Arbeitgeber freigestellt? Fragen und Antworten.

Welche Kinder werden im Notfall betreut?

"Wir werden eine Betreuung sicherstellen für Eltern, die in systemkritischem Berufen tätig sind", sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler).

Das Allgäu im Zeichen der Corona-Krise

Corona Großeinsatz in Füssen: Rund 80 Personen, die im Verdacht stehen, sich mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert zu haben,
Massentests wie hier im Bild in Füssen, Schulschließungen, Hamsterkäufe: Das Coronavirus hat auch das Allgäu erfasst. Hier Szenen einer Region im Ausnahmezustand. Benedikt Siegert
Bis hierher und nicht weiter: Für Kliniken, Alten- und Pflegeheime, Behinderten- und Reha-Einrichtungen wurde ein Besuchsverbot verhängt. (Unser Bild entstand bei einem Kemptener Seniorenheim. Das Besuchsverbot gilt seit Freitag, 13. März. Nicht, wie auf dem Aushang zu lesen, am Mittwoch). Ralf Lienert
Ziel des Besuchsverbotes ist es, vor allem ältere Menschen vor Infektionen mit dem Coronavirus zu schützen. Ralf Lienert
Leere Nudel-Regale in einem Kemptener Supermarkt am Dienstag: Vor allem haltbare Lebensmittel sind derzeit gefragt.
Leere Nudel-Regale in einem Kemptener Supermarkt schon am Dienstag: Vor allem haltbare Lebensmittel sind derzeit bei den Kunden gefragt. Sascha Borowski
Dass sich Menschen auch im Oberallgäu mit Desinfektionsmitteln und Schutzmasken eindecken, sind in erster Linie nicht hilfreiche Versuche, die Angst und Ungewissheit vor dem Coronavirus zu kompensieren, sagt Dr. Franziska van Hall. David Specht
SARS
Ob man sich mit dem Coronavirus (Bild) infiziert hat, kann ein Test zeigen. Hans R. Gelderblom/RKI (Symbolbild)
Am Donnerstagnachmittag ging in Sonthofen ein Drive-in-Schalter für vom Gesundheitsamt angeordnete Corona-Tests in Betrieb. Betroffene fahren an, lassen sich im auto testen, und fahren wieder. Das Ergebnis kommt per Post. Ulrich Weigel
Hygienemaßnahmen werden überall im Allgäu sehr ernst genommen in diesen Tagen, hier in einer Arztpraxis in Kempten. Eine weitere Ausbreitung des tückischen Coronavirus soll verhindert oder zumindest verlangsamt werden. Ralf Lienert (Symbolfoto)
Viele Ärzte haben Isolationszimmer eingerichtet, um Corona-Patienten und Verdachtsfälle von anderen Patienten trennen zu können. Ralf Lienert
Wegen des grassierenden Coronavirus ist Schloss Neuschwanstein ab sofort bis auf Weiteres geschlossen. Benedikt Siegert (Symbolfoto)
Ryanair hebt ab Memmingen nach Tel Aviv derzeit nur für Reisende ab, die einen dauerhaften Wohnsitz in Israel haben. Auch für andere Flüge gibt es wegen des Coronavirus Einschränkungen. Flughafen Memmingen
Hygiene: Corona-Virus
Ein 49-Jähriger Unternehmer war der erste Corona-Patient Kemptens. Zwei Wochen später waren im Allgäu rund 45 Menschen offiziell als erkrankt registriert. Matthias Becker (Symbolfoto)
Viele Freizeit-Einrichtungen im Allgäu sind geschlossen. So auch das Cambomare-Bad in Kempten. Ralf Lienert
Die Kitas und Schulen in Bayern - im Bild die Haubenschloßschule Kempten bleiben bis 19. April geschlossen - für viele Eltern, Alleinerziehende, aber auch Arbeitgeber eine enorme Herausforderung. Ralf Lienert
Auch im nahen Österreich ist das öffentliche Leben fast zum Erliegen gekommen. Alle Gottesdienste im Kleinwalsertal - hier in Riezlern - sind abgesagt. Auch Bergbahnen, Hotels und Lokale müssen schließen. Dominik Berchtold
Aufgrund des Coronavirus wurde die Gemeindewahl im Kleinwalsertal abgesagt. In Bayern findet die Kommunalwahl am 15. März statt. Dominik Berchtold

Was sind "systemkritische Berufe"?

Zu "systemkritischen Berufen" zählen unter anderem Mediziner, Pflegepersonal, Rettungskräfte oder Polizisten. Das bedeutet: Kinder dieser Eltern werden weiter betreut - in Kindergärten, Kitas und in den Schulen von der 1. bis zur 6. Klasse. Ältere Schüler könnten allein daheim bleiben.

Wichtig dabei: Nur wenn beide Elternteile in einem systemkritischen Beruf arbeiten, greift die Notfallbetreuung. Wenn nur ein Elternteil zur genannten Berufsgruppe gehört, muss das andere Elternteil die Betreuung übernehmen.  "Nutzen Sie diese Notgruppen wirklich nur, wenn die Betreuung Ihrer Kinder wirklich nicht anders sichergestellt werden kann", war der Appell. Das sei auch zum eigenen Schutz.

Schule: Wie sieht es mit den Abschlussprüfungen aus? 

Trotz der Schulschließungen sollen Bayerns Schüler bei Abschlussprüfungen keine Nachteile haben. "Wir werden faire Bedingungen sicherstellen", sagte der Kultusminister. "Wir werden sicherstellen, dass es für die Schülerinnen und Schüler keine Nachteile gibt." Das gilt Piazolo zufolge für alle Arten von Abschlussprüfungen.

Haben Schüler und Lehrer jetzt schon Ferien? 

Nein. Die Staatsregierung betonte: Schüler haben jetzt keine "Ferien". Es gibt lediglich keinen Unterricht in der Schule. Schüler sind angehalten, weiterhin zu lernen - Lehrer sollen Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen. Die Schulen könnten einiges nutzen, unter anderem via E-Mail und virtuelle Klassenräume. Lehrer haben weiter Dienstpflicht.

Dürfen Kinder jetzt von den Großeletern betreut werden?  

Nein, am besten nicht. Söder bat darum, dass die Kinder möglichst nicht bei "Oma und Opa abgegeben werden" - denn gerade die Senioren sollen geschützt werden.

Müssen Eltern Urlaub nehmen? 

Jein. Arbeitgeber sollen "großzügig erlauben, dass Eltern ihre Kinder daheim betreuen können", war der Appell der Staatsregierung. Die Zeit jetzt solle mit flexiblen Arbeitszeiten im Homeoffice überbrückt werden. Arbeitsministerin Carolina Trautner (CSU) sagte, wenn Homeoffice nicht möglich ist, solle zunächst Urlaub in Betracht gezogen werden. Der Bund müsse prüfen, welche Regelungen hierzu möglich sind - beispielsweise war die Rede von Sonderurlaub.

Arbeitnehmer müssten jetzt in Absprache mit dem Arbeitgeber Lösungen finden. Bedeutet: Abwarten, welche Regelungen das einzelne Unternehmen trifft. 

Wer kann die Kinder sonst betreuen? 

Wichtig sei jetzt vor allem die Solidarität untereinander: Eltern sollen unter anderem Hilfe von Nachbarn und Freunden annehmen, um Kinder zu betreuen. Man solle gemeinsam Lösungen finden.

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