"Jugend forscht"
29.03.2019 Wissen & Quizzen

Genial! Dieser Jugendliche aus Memmingen verwandelt Plastik zu Öl

Der 18-jährige Elias Hasel hat mit seinem selbstgebauten Reaktor einen Sonderpreis bei „Jugend forscht“ gewonnen. In einem Silo auf dem Bauernhof seiner Großeltern im Unterallgäu verwandelt er damit Plastik in Öl. Für seine Chemieexperimente hat sich der Nachwuchsforscher im Gartenhaus sogar ein eigenes Labor eingerichtet. Hier erfährst Du, wie Elias schon früh zum Chemie-Ass wurde und warum er sich manchmal zwischen seinen Experimenten und seiner Freundin entscheiden muss.

Der Reaktor macht Plastik zu Öl, verwandelt gewissermaßen Müll in schwarzes Gold. Dieses Gerät ist nicht etwa in einem sterilen Labor oder in einer großen Industriehalle aufgebaut, sondern in einem leeren Betonsilo im Memminger Ortsteil Hitzenhofen.

Der Reaktor ist etwa eineinhalb Meter hoch, an den Metallwänden hat sich Rost gebildet. Er steht auf zwei Holzpaletten und wiegt wohl an die 100 Kilogramm, schätzt sein Erbauer Elias Hasel. Der 18-Jährige erreichte mit seinem Projekt „Plastikmüll zu Treibstoff“ den zweiten Platz beim Wettbewerb „Jugend forscht“ in der Kategorie Chemie und gewann einen Sonderpreis.

800 Gramm Müll wird 400 Gramm Ölgemisch

Die Idee dazu kam Hasel, als er las, dass Deutschland jährlich mehrere Hunderttausend Tonnen Plastikmüll nach China lieferte. „Das hat mich gefuchst. Das ist ja ein Rohstoff“, sagt Hasel. Also suchte der begeisterte Chemiker nach einer Lösung – und stieß in Fachzeitschriften auf eine Idee, die er ausarbeitete. „Man könnte sagen, die langen Kohlenwasserstoffketten im Plastik werden in kleinere Teile zerrissen“, beschreibt Hasel. Den Reaktor könne man an und für sich mit dem Gelben Sack füllen. Bisher verzichtet Hasel auf PVC-Plastik, damit unter anderem kein Chlor entsteht, dass das Metall angreift. Hasel erhitzt das Plastik mit einem Gasbrenner. Aus 800 Gramm Müll erhält er etwa 400 Gramm Ölgemisch.

Verfahren, bei denen Plastik zu Öl wird, gibt es bereits seit Jahren. Mit seinem Reaktor habe er jedoch gezeigt, „dass Plastikrecycling auch mit einfachsten Mitteln verwirklicht werden kann“, schreibt Hasel in seinem Protokoll.

Im vergangenen Jahr machte Hasel sein Abitur am Memminger Vöhlin Gymnasium. Dort besuchte er auch die Begabtenförderung Chemie. Seit 2003, damals haben sich sein Vater und seine Mutter getrennt, lebt er bei seinen Großeltern in Kardorf (Kronburg). An der Wand neben der Haustüre steht ein Schuhregal, darin liegt im obersten Fach eine Gasmaske. Hasel nimmt sie in die Hand und lächelt. „Man sieht schon: Mein Zeug liegt wieder überall herum“, sagt er.

Erstes Labor im Kinderzimmer

Sein erstes Labor hat sich Hasel in seinem Kinderzimmer eingerichtet. Dem schob seine Oma irgendwann einen Riegel vor. Also baute Hasel zusammen mit seinem Opa in den Sommerferien ein neues Labor in den Schuppen im Garten. „Meine Oma ist eher die, die sagt: Bub, pass auf, dass du uns nichts in die Luft jagst“, erzählt Hasel schmunzelnd. Sein Opa habe aber früher auch experimentiert. „Und da gab es noch mehr Sachen legal zu kaufen.“

Den Reaktor hat er bei seinen anderen Großeltern aufgestellt, weil er dort mehr Platz hat. Beim Bau half ihm sein Onkel, der als Kunstschmied arbeitet. Unterstützt werde er von seiner ganzen Familie, sagt Hasel: „Bei Verwandtschaftstreffen kommt aber jedes Mal die Frage, ob ich denn inzwischen etwas in die Luft gejagt habe.“ Bisher sei ihm das noch nicht passiert. Hasel orientiert sich bei seinen Versuchen an den Sicherheitsrichtlinien der Universitäten. „Meistens arbeite ich noch etwas vorsichtiger“, sagt er.

In seinem Labor trägt er Latex-Handschuhe und Overall, falls nötig auch die Gasmaske und spezielle ABC-Handschuhe, die vor atomaren, biologischen und chemischen Gefahren schützen. Außerdem informiert er sich, welche gesetzlichen Vorgaben für den Umgang mit den Stoffen gelten und plant seine Versuche dementsprechend – all das mache ihm einfach Spaß, erklärt er.

Von seinen Experimenten dreht Hasel Videos und lädt sie auf seinem Youtube-Kanal „HazelChem“ hoch. In seinem Labor steht immer eine kleine Digitalkamera samt Stativ. Sein erfolgreichstes Video haben inzwischen mehr als 7.000 Menschen angeschaut. „Ich fand es selbst immer schön, wenn man anderen Leuten bei den Experimenten zuschauen und sich ein paar Kniffe abschauen kann“, sagt Hasel.

Wenn er am Wochenende nach Hause kommt – Hasel ist mittlerweile bei der Bundeswehr – führt ihn sein erster Gang ins Labor. „Dann kommt oft der Anruf von meiner Freundin und ich muss mich entscheiden: Labor oder sie“, sagt Hasel: „Und meistens gehe ich dann doch erst samstags ins Labor.“ Dort, in seinem Reich, hängt ein kleiner Feuerlöscher an einer Wand aus Pressspanplatten. Die Regale sind voll mit Glasbehältern, Dosen mit chemischen Bezeichnungen, Spateln und Schläuchen. Mehrere Tausend Euro ist sein Equipment inzwischen wert, schätzt Hasel. Das Herzstück ist ein etwa zwei Meter langer Arbeitstisch mit Glasplatte.

Darauf untersucht Hasel derzeit das Öl aus seinem Generator. Er nimmt zwei Glasbecher in die Hand. In einem schwappt ein dunkles zähflüssiges Gemisch herum, im anderen eine helle gelbliche Flüssigkeit. Beides hat Hazel aus seinem Ölgemisch herausgeholt. Der 18-Jährige schaut die Glasbecher stolz an: „Das kommt Diesel und Benzin schon ganz schön nahe“, sagt er.

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