Räuberischer Allesfresser
12.11.2019 Hier & Heute

Förster warnt vor Verniedlichung: Wird der Waschbär zum Problem fürs Allgäu?

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Flauschig und süß. Keine Frage, Waschbären finden viele putzig. Der Oberallgäuer Förster Gerhard Honold widerspricht: Er warnt davor, dass der räuberische Allesfresser sich weiter vermehren und zum Problem fürs Oberallgäu werden könnte. Deshalb fordert er: Man sollte die Tiere möglichst "wegfangen". Denn sonst könnte sie nicht nur für die heimische Tier- und Pflanzenwelt, sondern sogar für die Menschen zur Gefahr werden. Warum das so ist, erfährst Du hier.

Harmlos sieht er aus, der Waschbär. Mit seinen großen dunklen Kulleraugen und der typisch schwarzen Gesichtsmaske, wirkt er fast putzig. Doch der nachtaktive Allesfresser ist gefährlicher, als man denkt. Auch im Oberallgäu wurde er schon mehrmals gesichtet. Zwar hat er sich in der Region noch nicht richtig angesiedelt, dennoch empfiehlt der Oberallgäuer Förster Gerhard Honold, das Problem ernst zu nehmen.

Bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts, gibt es in Deutschland Waschbären, sagt Honold. 1945 sind aus einer Pelztierfarm einige Tiere ausgebrochen, die sich seitdem über ganz Deutschland verbreiten.

Bereits in wenigen Jahren, könnte sich das Populationswachstum auch im Oberallgäu verselbstständigt haben. Deshalb empfiehlt der Förster, jetzt zu handeln. „Wir müssen die Waschbär-Problematik im Keim ersticken.“ Das man den Allesfresser je wieder ganz losbekommt, glaubt Honold allerdings nicht. „Die Population sollte so knapp wie möglich gehalten werden, doch an eine gewisse Zahl von Waschbären werden wir uns gewöhnen müssen“, sagt er.

Wir müssen die Waschbär-Problematik im Keim ersticken.
Förster Gerhard Honold

Doch was macht den Waschbär überhaupt so gefährlich? „Er ist räuberisch und handelt auf Kosten anderer.“ Für den Menschen bedeutet das, er trifft den Allesfresser auf Nahrungssuche im Mülleimer vor dem Haus. Doch das Tier scheut sich auch nicht vor der direkten Konfrontation, geht in Häuser oder nistet sich sogar unter Dächern ein. Dort zerstört er die Dämmung und macht eine ganze Menge Krach, sagt Honold.

Gefahr fürs ökologische Gleichgewicht

Richtig gefährlich werde der Waschbär für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. „Er beeinträchtigt unser ökologisches Gleichgewicht“, warnt der Förster. Der Allesfresser ernährt sich unter anderem von Vogeleiern und den Jungtieren von Singvögeln. Viele dieser Arten seien bereits vom Aussterben bedroht, der Waschbär gefährdet ihre Existenz zusätzlich.

Deshalb warnt Honold vor einer Verniedlichung der Tiere. „Alles sollte in Bewegung gesetzt werden, um möglichst viele Waschbären wegzufangen.“ Gesetzlich sei das erlaubt. Das Tier darf sogar ganzjährig gejagt werden. Wer ein Exemplar sieht, sollte unbedingt den zuständigen Förster informieren, appeliert Honold an die Bürger.

Der Waschbär stammt ursprünglich aus Nordamerika. Mit einer Körperlänge bis zu 70 Zentimetern und einem Gewicht bis neun Kilo zählt er zu den größten Vertretern der Familie der Kleinbären. In Europa hat er sich ausgebreitet, nachdem er aus Pelzfarmen ausbrach oder von Menschen ausgesetzt wurde.

Das nachtaktive Raubtier hat hierzulande keine natürlichen Feinde und kann sich daher beliebig vermehren. Außerdem ist der Waschbär sehr anpassungsfähig und wurde deshalb auch schon in Städten gesehen.

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