Viele fielen darauf rein
13.01.2019 Land & Leute

Fake auf WhatsApp: Dieses Lawinenvideo kommt NICHT aus dem Allgäu

Der Winter hält das Allgäu in Atem. Doch nicht jede vermeintliche Nachricht stammt auch tatsächlich aus unserer Region, wie das Beispiel eines Lawinen-Videos zeigt, das am Wochenende auf WhatsApp kursierte.

Es gibt WhatsApp-Nachrichten, die sind offenkundig ein Winter-Scherz. Beispielsweise jenes putzige Foto, das in den vergangenen Tagen die Runde machte. Ein Eisbär schaut inmitten einer Schneelandschaft in ein Auto. Darüber die Überschrift: "Heute morgen in Pfronten an der Ampel." Zwar hat es in der Ostallgäuer Gemeinde zuletzt ordentlich geschneit. Doch dass sich deshalb dort gleich Polarbären ansiedeln, ist so abwegig wie ein Allgäuer Schumpen am Südpol.

Der Gag verbreitete sich rasend schnell - bis weit über die bayerischen Grenzen hinaus. "Mir haben das Bild Leute aus Kassel und Braunschweig geschickt", erzählt beispielsweise AZ-Redaktionsleiter Uli Hagemeier. Pfrontens Eisbär schaffte es also auf viele Handys. Doch wer brachte das Foto in Umlauf? Vielleicht die Profis von Pfronten Tourismus? "Wir finden das Bild zwar sehr nett. Aber wir haben nichts damit zu tun", sagt Marketing-Leiterin Marcella Sauer schmunzelnd. Möglicherweise stammte die Fotomontage ursprünglich auch aus einem anderen Ort. Genau klären lässt sich das bislang nicht.

Ganz anders ist das in unserem zweiten Beispiel. Es geht um ein Lawinen-Video, das in den vergangenen Tagen in unserer Region fleißig auf WhatsApp verschickt wurde.

Wo die spektkuläre Aufnahme entstanden sein soll, darüber gab es unterschiedliche Meinungen. "Hat ein Bekannter von mir an der Krinnenspitze gemacht", hieß es beispielsweise. Oder: "Die Lawine ging vorgestern in Nesselwang runter." Auch vom Füssener Jöchle war die Rede.

In Wahrheit jedoch wurde das Video bereits am 9. Januar veröffentlicht - und zwar auf der Facebook-Seite des Skiortes Ischgl (Österreich), die vom Tourismusverband Paznaun – Ischgl betrieben wird. Über dem Video steht: "Dieses Video zeigt eine kontrollierte Lawinensprengung außerhalb des Ortsgebiets von Ischgl."

Das unterstreicht Tourismus- Obmann Alfons Parth auf Nachfrage von allgaeu.life: "Das Video hat mit dem Allgäu definitiv nichts zu tun. Es zeigt eine kontrollierte Lawinen-Sprengung aus dem Bereich des Großtales." Doch wie wurde daraus eine vermeintliche "Lawine in den Allgäuer Bergen"? Vermutlich weil Witzbolde oder Wichtiguer es mit falscher Ortsangabe an Freunde schickten - und die es wiederum leichtgläubig teilten...

Ähnlich verlief die Kette wohl bei unserem dritten Beispiel. Vor einigen Wochen geisterte ein Wildschwein-Video durch diverse WhatsApp-Gruppen.

Viele glaubten, dass die Schweine-Kolonnne zwischen Ebersbach und Obergünzburg über die nächtliche Straße gehuscht sei, wie die Beschriftung nahe legte. Doch auch hier waren bei der Ortsbezeichnung offenbar Witzbolde oder Wichtigtuer am Werk. Denn aufgenommen worden war das Video von einer Autofahrerin in Kleve/Goch in Nordrhein-Westfalen, wie die Rheinische Post bereits im April berichtete (zum Artikel der Kollegen geht es hier).

Die Beispiele zeigen: Durch den vermeintlich privaten Charakter des Messaging-Dienstes haben viele offenbar großes Vertrauen in den Wahrheitsgehalt der Chat-Inhalte. Klar: Wenn einem die Kumpels oder die Schwiegereltern was schicken, glaubt man dem eher mal, als wenn es sich um anonyme Inhalte im Netz handelt. Doch auch bei WhatsApp-Nachrichten lohnt es sich, genauer hinzusehen und Fakten zu checken, bevor man sie weiter verbreitet. Schaden entstanden ist in den genannten Fällen keiner. Doch wie schnell dies passieren kann, zeigt der Fall eines Unterallgäuers, der unschuldig in den Mittelpunkt eines WhatsApp-Fakes geriet.               

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