Konferenz der Rauschebärte
02.12.2018 Land & Leute

Erzähl mal, Nikolaus: Was waren deine schönsten Erlebnisse im Allgäu?

Einmal im Jahr kommen sie zusammen. Laufen bei Fackelschein und Trommelschlägen durch Missen-Wilhams im Oberallgäu, Rauschebart an Rauschebart. Seit sechs Jahren findet dort das Internationale Nikolaus-Treffen statt, mit Darstellern aus Süddeutschland, dem Elsass, der Schweiz, Österreich und Südtirol. Mittendrin sind die Allgäuer Nikoläuse – gekommen, um sich mit ihren Kollegen aus den Nachbarländern auszutauschen. Beste Gelegenheit also, mal nachzufragen: Wie gefällt es dem Mann aus den Legenden bei uns im Allgäu?

Einer der Nikoläuse an diesem Abend ist Alexander Hagspiel. Schon seit 20 Jahren wirft sich der Ellhofener (Westallgäu) den roten Umhang um. Wenn er zu den Familien nach Hause kommt, sei das immer eine ganz besondere Stimmung. „Da wird die Stube extra eingeheizt, miteinander gebastelt und die Kinder haben ein Gedicht oder ein Lied eingeübt“, erzählt Hagspiel. Er will zeigen: Es kommt nicht nur auf das große Geschenk an, sondern vor allem auf das Zusammensein.

Natürlich haben die Kleinen auch ganz viele Fragen an den Nikolaus, beispielsweise wann es endlich schneit. „Manche werden ganz geschwätzig, andere sagen gar nichts mehr.“ So hat das Walter Sirch aus Sulzschneid (Ostallgäu) schon einige Male erlebt. „Die davor noch eine recht große Klappe haben, sind dann oft ganz ruhig, wenn der Nikolaus vor ihnen steht“, fügt sein Kemptener Kollege schmunzelnd hinzu.

Mit dem Schlitten durch Kempten

Helmut Finkel feiert heuer sein 20-jähriges Jubiläum als Stadtnikolaus. Und kann sich noch lebhaft an jenen schneereichen Winter erinnern, als er und sein Gefolge mit dem Schlitten durch Kempten gedüst sind. Was er jedes Jahr sehr schätzt: „Die Kinder wollen den Moment feierlich und schön gestalten.“

Übrigens wissen die meisten ganz genau, was den Nikolaus vom Weihnachtsmann unterscheidet. Während der Heilige Nikolaus dem Bischof von Myra nachempfunden ist und die Kinder am 6. Dezember beschenkt, übernimmt der Weihnachtsmann die Rolle des Christkinds - beispielsweise in Norddeutschland, den USA oder in den Niederlanden.

„Der Nikolaus ist kein Waldwichtel mit Zipfelmütze“, betont auch der Immenstädter Pfarrer Anton Siegel. Seit 14 Jahren schlüpft er in das Gewand des Bischofs. Der Einzug auf dem Marienplatz sei „jedes Mal ein großes Ereignis, das etwas Bedeutendes, Schönes hat“.

Doch etwas ärgere ihn: Einige Erwachsene stacheln die Kinder richtig dazu an, dem Nikolaus möglichst viele Geschenke zu entlocken. Da verschwinden Schoko-Nikoläuse in der Tasche und Omas stupsen ihre Enkel an: „Geh noch mal hin und sag, dass du noch nichts bekommen hast." Siegel schüttelt den Kopf. „Manche rennen dann mit acht Schoko-Nikoläusen heim. Das ist aber nicht das, um was es geht.“ Sondern darum, anderen Menschen zu helfen, ihnen eine Freude zu machen.

Brave Klausen? Das gibt's nur, wenn der Heilige Nikolaus dabei ist

Vor den finsteren Begleitern des Nikolaus, wie den Knecht Ruprecht oder den wilden Klausen, brauchen sich die Kleinen nicht zu fürchten. Denn solange der Bischof dabei ist, sind selbst diese schauderlichen Gestalten ganz brav.  "Wenn ich merke, dass die Kinder Angst haben, dann pfeiff ich den Ruprecht wieder zurück", erzählt Walter Sirch. Und der gehorche aufs Wort, werde von den Kleinen aber trotzdem weiterhin respektvoll beobachtet.

Worin sich alle Allgäuer Nikoläuse einig sind: „Die schönsten Erlebnisse sind immer die mit den Kindern.“ Und Christine Doll – seit 60 (!) Jahren mit Rauschebart in Durach (Oberallgäu) unterwegs – spricht wohl für alle an diesem Abend, wenn sie sagt: „Einmal Nikolaus, immer Nikolaus.“

Aus dem Allgäu, dem Schwarzwald, dem Elsass, der Schweiz, Österreich, und Südtirol kommen die Nikoläuse, um sich jedes Jahr in Missen-Wilhams zu treffen. Sie alle haben den Heiligen Nikolaus von Myra, einen Bischof aus Kleinasien, zum Vorbild. Aber wie feiern eigentlich unsere Nachbarn den Nikolaustag?

Schweiz: Der Samichlaus verteilt Nüsse, Früchte und Ratschläge an die Kinder. Außerdem gibt es an diesem Tag den Grittibänz - ein Gebäck, das dem Lebkuchenmann ähnelt. Begleitet wird der Bischof von den Schmutzlis: einer trägt den Sack, der andere das große Buch.

Österreich: Am Vorabend des Nikolaustages sollen Kinder ihre Schuhe und Stiefel vor die Türe stellen, damit sie der Heilige auf seinem Weg mit Erdnüssen, Schokolade, Mandarinen oder Lebkuchen füllen kann. Auch er ist mit finsteren Begleitern unterwegs: dem Krampus und den Perchten.

Südtirol: Wilde Fratzen, spitze Hörner und schwere Glocken: Rund um den Nikolaustag sind in Südtirol die Krampusse unterwegs. Ohne Nikolaus können sie so manchen einen ganz schönen Schrecken einjagen. Das kommt uns doch bekannt vor ;)
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