Disco in KE
13.01.2019 Sehen & Hören

Erst anpacken, dann abgehen: So feierte das "Parktheater" 15. Geburtstag

15 JAhre Parktheater in Kempten
Das "Parktheater" in Kempten feierte seinen 15. Geburtstag - und Hunderte feierten mit. Zeit für einen Rückblick auf die Anfänge der Discothek.

Als Johannes Palmer hörte, dass das Parktheater frei wird, konnte er es zunächst nicht fassen. Ein Club in dem in den 1930er-Jahren erbauten Kino-Gebäude? Neben Freude schwangen bei dem damals 28-Jährigen auch Bedenken mit: Ist ein derartiges Riesenprojekt überhaupt zu stemmen? Es ist, wie sich 15 Jahre nach der Eröffnung zeigt. Und das trotz anfänglicher Proteste einiger Kemptener. Mittlerweile gilt das „Park“ als Institution und Anziehungspunkt für Nachtschwärmer aus der gesamten Region. Das feierten Geschäftsführer Palmer und sein Team am Wochenende mit ihren Gästen.

Eine Diskothek mitten in der Stadt? Das gefiel nicht allen. Sogar eine Klage stand im Raum. Doch es gab auch zahlreiche Befürworter. Der damalige Oberbürgermeister Ulrich Netzer zum Beispiel unterstützte das Vorhaben. Auch Investor Walter Mauderer sowie Tausende weitere, die ihre Unterschrift auf eine Liste pro Parktheater setzten.

Am Wochenende der Geburtstagsfeier ist das freilich kein Thema. Hunderte Gäste tanzen ausgelassen, es regnet goldenglitzerndes Konfetti von der Decke, grüne, blaue, rote Lichtstrahlen tanzen über den Köpfen der Clubgänger. Einer davon ist Ruben Bitzer. Der 19-Jährige habe bereits als Jugendlicher darauf hingefiebert, endlich volljährig zu werden, damit er ins Park darf, erzählt er. Für ihn ist der Club eine feste Instanz im Kemptener Nachtleben. Als dieser eröffnete, war Bitzer gerade einmal vier Jahre alt. Erinnern kann er sich also nicht mehr daran.

Im Gegensatz zu Markus Würsig – ein Mann der ersten Stunde. „Früher gab es so gut wie nichts“, erinnert sich der 41-Jährige an seine Jugend in Kempten: Zum Beispiel wenn man bestimmte DJs hören wollte, musste man noch nach München fahren. Im Parktheater legt er selbst als „DJ Direkt A.G.U.“ auf. Würsig hat auch beim Umbau des Kinos zum Club mitangepackt, lange Zeit hatte er – wie manch anderer Kemptener – danach alte Kinosessel in seiner Wohnung stehen.

In etwa der Zeit, als der Club eröffnete, wandelte sich das Stadtbild Kemptens insgesamt. Mit dem Forum Allgäu, der Big Box sowie dem Cambomare – und natürlich dem neuen Colosseum-Kino – kamen nach und nach heute nicht mehr wegzudenkende Angebote hinzu.

Auch die Oberallgäuer Freundinnen Anna-Lena Vasil (20) und Bina Harke (22) möchten den Club aus dem Stadtgeschehen nicht missen. Und Sebo Tondera (41) ist extra aus Stuttgart zum 15-Jährigen angereist. Zwischen 2006 und 2009 veranstaltete er im Parktheater die „Feeling sexy“-Parties. Er hatte sich so wohlgefühlt, dass er für einige Zeit sogar nach Kempten gezogen war.

In den 15 Jahren Club-Geschichte hat sich viel getan. Verschmähten anfangs manche Gäste die Elektro-Musik, die samstags lief, als „Bum-Bum-Musik“, ist das heute laut Palmer die beliebteste Musikrichtung. Um ein breites Publikum anzusprechen, biete er aber jeden Abend etwas anderes.
Erinnert er sich an die 15 Jahre zurück, fällt ihm auch manche Anekdote ein. Etwa als er von zahlreichen Frauen kreischend begrüßt wurde, als er aus einem Aufzug stieg. Der Jubel der Fans galt allerdings nicht dem Kemptener, sondern vielmehr seiner Begleitung, mit der er beim Essen war: Musiker Howard Donald. Der Brite stand kurz vor seiner Tour mit seinen Bandkollegen von Take That, die sich wenig zuvor wiedervereinigt hatten.

Langweilig wird es auch künftig nicht: Längst organisiert das Parktheater-Team andere Events wie das Freiluft-Festival am Biomassehof oder die Warehouse-Raves in der Ulmer Straße. Und prägt damit das Stadtgeschehen mit.

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