Konrad Dobler
14.09.2018 Sport & Action

ER ist der schnellste Allgäuer Marathon-Läufer aller Zeiten.  Was Du von ihm lernen kannst...

Sein Rekord ist unangefochten. Und das seit über 25 Jahren! Konrad Dobler (61) vom SVO Germaringen lief  den Marathon in London in sensationellen 2:11,57 Stunden. Bei Sport Reischmann in Kempten gab der heutige Bürgermeister der Gemeinde Langerringen Tipps fürs Training.

Was zeichnet einen guten Marathonläufer aus? Diese Frage stellt Konrad Dobler in den Mittelpunkt, wenn er in Vorträgen sein Wissen und seine Erlebnisse aus über 40 Jahren Marathon-Erfahrung weitergibt. So wie an diesem Abend bei Sport Reischmann in Kempten. Rund 60 Interessierte sind gekommen, um den Worten des 61-jährigen Ex-Profis zu lauschen. „Dass ich heute hier im Allgäu sein darf, freut mich besonders“, sagt Dobler gleich zu Beginn seiner Rede und fügt an: „Hier bin ich aufgewachsen und ich habe in all den Jahren nie vergessen, wo ich herkomme.“

Dobler, der in Läuferkreisen Legendenstatus genießt, hat einiges zu erzählen. Vor 27 Jahren lief der ehemalige Vorzeigeathlet des SVO Germaringen in London eine sensationelle Marathonzeit von 2:11,57 Stunden und hält damit bis heute unangefochten den Allgäuer Rekord. In der Bestenliste des Deutschen Leichtathletikverbandes steht er mit dieser Zeit noch immer auf Rang 14. „Mittlerweile sind meine Runden zwar deutlich kleiner“, sagt Dobler. „Aber zum Laufen gehe ich nach wie vor regelmäßig.“

An seinen London-Marathon kann sich der in Germaringen aufgewachsene Dobler noch bestens erinnern. „Die Witterung war optimal. Es war trocken, leicht bewölkt und nicht zu warm. Ich habe mich von hinten nach vorne gekämpft und zum Schluss alles gegeben, damit ich unter 2:12 ankomme.“ Letztlich wurde er Elfter. Zwei Jahre später, 1993, krönte Dobler seine Laufbahn mit dem sechsten Platz bei der Marathon-Weltmeisterschaft in Stuttgart. „Das war ein besonderer Lauf für mich. Meine ganze Familie war an der Strecke. Im eigenen Land einen solch großen Erfolg zu feiern, ist einzigartig.“ Zweimal nahm er außerdem an Olympischen Spielen teil: 1992 in Barcelona (49. Platz) und 1996 in Atlanta (48.).

Dabei war anfangs gar nicht abzusehen, dass der gebürtige Niederbayer einmal eine derart steile Karriere hinlegen würde. Als junger Bub versuchte er sein Glück zunächst im Fußball. „Weiter als bis zum Auswechselspieler der Schülermannschaft habe ich es aber nicht gebracht“, blickt Dobler schmunzelnd zurück. Und auch mit dem Sprinten konnte er sich als Jugendlicher nur schwer anfreunden. Die 100- und 400-Meter-Strecken seien einfach nicht seine Welt gewesen, erinnert sich Dobler. „Aber auf den Langstrecken war ich schon immer gut. Das war meine Stärke.“

Wichtig für einen Langstrecken-Lauf sei vor allem die ideale Wettkampf-Vorbereitung. Das Training für einen Marathon begann für Dobler während seiner aktiven Zeit schon zehn Wochen vor dem Lauf. Dabei war für den ehemaligen Profi Abwechslung das A und O: Crossläufe, knackige Bahneinheiten und Läufe mit Tempowechseln (beispielsweise zwei Minuten schnell, zwei langsam) gehörten dazu. Zu Spitzenzeiten lief der 1,78 Meter große Dobler, der damals 63 Kilo wog, 200 Kilometer pro Woche. Doch so sehr der Allgäuer auch trainierte, seine Marathonzeit von London knackte er nicht mehr. „In der Form meines Lebens war ich zwar erst später. Aber nie mehr hat alles im Rennen so perfekt gepasst wie in London.“

2002 wechselte der Polizist in die Politik. Seit 16 Jahren ist er nun Bürgermeister der 3800-Einwohner-Gemeinde Langerringen im Landkreis Augsburg. „Der Bürgermeister-Job ist mit Sicherheit nervenaufreibender als ein Marathonlauf“, sagt Dobler lachend. „Aber das war die richtige Entscheidung, es macht mir viel Freude.“

Mit weniger Freude betrachtet der Urbayer hingegen das sportliche Interesse der Jugendlichen heutzutage. „Wenn ich mir anschaue, mit was und wie sich die Kinder heute beschäftigen, dann wird noch ein Riesenproblem auf uns zukommen“, prophezeit Dobler. „Es herrscht großer Bewegungsmangel. In 20 bis 30 Jahren wird eine Lawine an Krankheiten und orthopädischen Problemen die Menschen überschütten“, ist sich der Bürgermeister sicher. Und sollte der 61-Jährige mit seiner Prognose tatsächlich Recht behalten, dann werden gute Marathonläufer, wie er einer war, künftig wohl immer seltener.

Weitere Artikel