ESVK, ECDC & EVL
15.03.2019 Sport & Action

Eishockey-Play-offs: So stehen die Chancen der Allgäuer Teams

Eishockey - Oberliga Süd - 2018/19 - Spieltag 31 - EV Lindau Is
It's the Most Wonderful Time of the Year ... Was für manche Weihnachten ist, sind für alle Eishockeyfans die Play-offs: die schönste Zeit des Jahres! Für die drei besten Allgäuer Eishockeyclubs geht es ab diesem Wochenende um die Wurscht. Wir sagen Dir alles, was Du jetzt zum ESV Kaufbeuren, ECDC Memmingen und dem EV Lindau wissen musst - und wagen einen Blick in die Glaskugel: Welcher Verein aus der Region kommt eine Runde weiter? - Wie gesagt: Glaskugel - es kann immer ganz anders kommen ;-)

Der ESV Kaufbeuren in der DEL 2:

Die Facts:
> Play-off-Viertelfinale - Modus: Best-of-seven (vier Siege sind zum Einzug ins Halbfinale nötig).
> Der Gegner: Lausitzer Füchse (Tabellenfünfter der Hauptrunde)
> Heimrecht hat der ESVK als Vierter der regulären Saison. Das erste Spiel der Serie findet am Freitag, 15. März, 19.30 Uhr, in Kaufbeuren statt. Auch ein mögliches entscheidendes siebtes Spiel fände im Ostallgäu statt.

Die Ausgangslage: Nach zwei sensationellen Play-off-Runs 2017 und 2018 bis ins Halbfinale träumen viele ESVK-Fans auch heuer von einer sehr langen Saison. Die Vorzeichen sind gut: Am letzten Wochenende der Hauptrunde sicherten sich die Buron Joker mit Platz vier das wichtige Heimrecht. Zusätzlichen Auftrieb sollte Mannschaft und Fans die Vertragsverlängerung von Topscorer Sami Blomqvist geben. Der DEL2-Top-Torjäger (Sieben-Tore-Show gegen Deggendorf) bleibt ein weiteres Jahr an der Wertach. Zusammen mit Sturmpartner Branden Gracel soll er für die nötigen Buden gegen die Füchse sorgen. Hinten kann sich der ESVK wie gewohnt auf Stefan Vajs verlassen, der nach wie vor zu den besten Zweitliga-Goalies zählt. Und Trainerfuchs Andreas Brockmann kann bekanntlich Play-offs. Also alle Ampeln auf Grün? Ja, wäre da nicht ...

Der Gegner: Die Lausitzer Füchse gehen dem eigenen Bekunden nach "erwartungsfroh wie lange nicht mehr in die Runde der letzten Acht." Hinter Weißwasser liegt eine starke Saison. Wurde das Team zuvor von Experten als Abstiegskandidat gehandelt, überzeugten die Sachsen bis zuletzt mit konstanten Leistungen. Kein Wunder, dass Füchse-Coach Corey Neilson zum "Trainer des Jahres" der DEL2 gewählt wurde. In der Serie kann Weißwasser wohl auf die Unterstützung der starken Förderlizenzspieler von DEL-Partner Eisbären Berlin (Franzreb, Adam, Jahnke & Hessler) zählen. Die Kaderbreite könnte für die Ostdeutschen sprechen, die in der Hauptrunde zweimal in Kaufbeuren gewinnen konnten.

Das sagt der ESVK-Trainer: Andreas Brockmann war zuletzt nicht glücklich über das spielfreie Wochenende vor Play-off-Start. Dennoch traut er seinem Team alles zu - lobt, wie die Mannschaft die vielen Verletzten weggesteckt und gelernt habe, mit Druck umzugehen. Im AZ-Interview gibt er die Marschroute vor: "Man meint immer, dass man etwas Besonderes in den Play-offs machen muss. Aber wir können nur unseren besten Job machen. Die Mannschaft soll die Wochen genießen, jetzt kommt die schönste Zeit."

Die allgaeu.life-Prognose: Schwierig - das wird eine knappe Kiste! Die Lausitzer Füchse kommen mit ordentlich Selbstvertrauen ins Allgäu und sind auf allen Positionen gut besetzt. Den Ausschlag könnte die größere Play-off-Erfahrung der Joker geben. Wenn es Spitz auf Knopf steht, könnte sich auszahlen, dass die ESVK-Cracks - anders als die Füchse - das alles im Frühjahr 17 und 18 schon erfolgreich gemeistert haben. Deshalb: Kaufbeuren gewinnt die Serie mit 4 zu 3.

Der ECDC Memmingen in der Oberliga:

Die Facts:
> Play-off-Achtelfinale - Modus: Best-of-five (drei Siege sind zum Einzug ins Viertelfinale nötig).
> Der Gegner: Halle Saale Bulls (Tabellenvierter der Oberliga Nord)
> Heimrecht hat Halle als Vierter der regulären Saison. Das erste Spiel der Serie findet am Freitag, 15. März, 20 Uhr, in Sachsen-Anhalt statt. Das erste Indians-Heimspiel steigt am Sonntag, 17. März, 17.30 Uhr, am Memminger Hühnerberg.

Die Ausgangslage: Die ersten Oberliga-Play-offs der Vereinsgeschichte elektrisieren die Anhänger des ECDC Memmingen. Zum Heimspiel am Sonntag werden über 3.000 Fans im Hexenkessel Hühnerberg erwartet. Hinter den Indians liegt eine überragende Saison, die das Team auf einem tollen fünften Platz der Meisterrunde der Oberliga Süd beendete. Dabei hatte es am Anfang gar nicht danach ausgesehen. Nach drei Pleiten in den ersten drei Spielen wechselte der ECDC schon die Trainer - mit Sergej Waßmiller kam Ende Oktober der "Heilsbringer" nach Memmingen. Der Trainerfuchs krempelte das Team komplett um, fortan schlugen die Indianer am Hühnerberg sogar alle Spitzenteams wie Regensburg, Peiting, Rosenheim und Landshut. "Wir haben null Druck und können in den Play-offs völlig befreit aufspielen", sagt Goalie Joey Vollmer, der zum zweitbesten Torhüter der Oberliga Süd gewählt wurde.

Der Gegner: Die Halle Saale Bulls sind die große Unbekannte für die Allgäuer. Noch nie kreuzten beide Vereine miteinander die Schläger. Auch in Halle wirkte ein Trainerwechsel während der Saison Wunder: Als Ryan Foster für den auch im Allgäu bekannten Dave Rich (früher EV Füssen, ERC Sonthofen) übernahm, setzen die Bulls zu einem starken Schlussspurt an. Die Formkurve der Sachsen-Anhaltiner stimmt pünktlich zu den Play-offs. Mit den Stürmern Tyler Mosienko, Nathan Burns und Chris Francis verfügt Halle über drei brandgefährliche Angreifer. Zudem sprechen auch die Werte der Special-Teams (Über- bzw. Unterzahl) für die Ostdeutschen.

Das sagt der ECDC-Trainer: Seit Wochen bereitet Sergej Waßmiller seine Mannen auf den Start der Play-offs vor. Der 48-Jährige gilt als akribischer Arbeiter, der höchsten Wert auf Fitness und kleinste Details legt. "Wir haben Respekt vor Halle, aber keine Angst", gibt er im Interview mit der MZ vor. "Wir haben in dieser Saison schon alle geschlagen, auch die Spitzenteams. Wenn jetzt jeder Spieler bereit ist, über sein Limit hinauszugehen, werden wir auch in den Play-offs für jeden Gegner unangenehm sein."

Die allgaeu.life-Prognose: Alles ist möglich - von einem klaren 3:0-Sweep für Halle bis zu einem 2:3-Seriensieg der Indians. Wenn die Mannschaft das schwer zu bespielende Defensivkonzept von Coach Waßmiller konsequent durchziehen kann und Joey Vollmer wie so oft über sich hinauswächst, werden die Indians die Bulls mehr als nur ärgern. Unser Tipp: Die Serie geht in Spiel 5 an Memmingen.

Der EV Lindau in der Oberliga:

Die Facts:
> Play-off-Achtelfinale - Modus: Best-of-five (drei Siege sind zum Einzug ins Viertelfinale nötig).
> Der Gegner: Tilburg Trappers (Tabellenerster der Oberliga Nord)
> Heimrecht hat Tilburg als Erster der regulären Saison. Das erste Spiel der Serie findet am Freitag, 15. März, 20 Uhr, in Holland statt. Das erste Islanders-Heimspiel steigt am Sonntag, 17. März, 18 Uhr, am Bodensee.

Die Ausgangslage: Es war keine einfache Saison für die Lindau Islanders. Verletzungspech, Wechsel auf den wichtigen Kontingentstellen und Unruhe im Umfeld machten dem EVL das Leben schwer. Erst im letzten Saisondrittel zog man noch an den Höchstadt Alligators vorbei - als mit den Schweden Viktor Lennartsson und Fredrik Widen und der Rückkehr von Trainer Chris Stanley aufs Eis Stabilität und mehr Torgefahr ins Lindauer Spiel kamen. Anders als der dritte Vertreter aus der Region, der ERC Sonthofen, konnte sich der EVL als Achter immerhin noch für die Oberliga-Play-offs qualifizieren.

Der Gegner: Undankbarer hätte es allerdings kaum kommen können. Mit dem Nord-Ersten treffen die Islanders ausgerechnet auf jenes Team, das wohl alle Süd-Oberligisten am liebsten umgangen hätten. Knappe 750 Kilometer liegen zwischen Lindau und Tilburg in der niederländischen Provinz Nordbrabant. Mindestens zweimal muss der EVL die lange Reise antreten - 3.000 Kilometer wird das Team zwischen Freitag und Mittwoch auf der Straße zurücklegen. Mit dem Deutschen Oberliga-Meister der letzten drei Jahre haben die Lindauer zudem sportlich den dicksten Brocken erwischt. Nur dem Aufstiegsverbot zur DEL2 ist es zu verdanken, dass die Trappers überhaupt noch in der dritten deutschen Liga spielen - übrigens als einziger ausländischer Vertreter...

Das sagt der EVL-Trainer: Chris Stanley hat im Eishockey so ziemlich alles erlebt. Nicht zuletzt deshalb geht der EVL-Coach erhobenen Hauptes in den schweren Fight: "Wir wissen, dass das eine angsteinflößende Aufgabe wird. Aber die Leute lieben die Geschichte vom Aschenputtel", spricht er auf die Rolle des Außenseiters an, der zur Überraschung aller erstrahlt. "Wir wollen zeigen, dass wir es mit jedem aufnehmen können."

Die allgaeu.life-Prognose: In Lindau träumt man zumindest von einem zweiten Heimspiel. Ein Sieg in den ersten drei Spielen wäre dazu nötig. Gelingt es vielleicht, die Trappers nach einer langen Busfahrt im kleinen, schwer zu spielenden Eichwald-Stadion am Bodensee zu überrumpeln? Wir drücken die Daumen - doch zu routiniert scheint der Oberliga-Serienmeister, der zudem weite Reisen gewohnt ist. Leider wird die Serie mit 3 zu 0 an Tilburg gehen.
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