Wegen Bandenchecks
14.02.2020 Sport & Action

Eishockey-Fans reagieren mit Spott und Häme auf Deggendorfer Strafanzeige gegen Füssener Spieler

Nach der Strafanzeige gegen einen Spieler des EV Füssen wegen eines Bandenchecks solidarisieren sich Fans aus ganz Deutschland mit Quirin Stocker. Deggendorfer Verantwortliche sind aber uneinsichtig.

Der Wirbel in der Eishockey-Szene ist groß. Der Tenor unter Fans und in den sozialen Netzwerken eindeutig: Harsch und nicht ohne gewisse Häme wird dort das Verhalten des Deggendorfer SC um dessen Vorsitzenden Artur Frank kritisiert.

Dieser hatte Strafanzeige gegen Quirin Stocker, Verteidiger beim EV Füssen, erstattet. Nun meldeten sich Eishockey-Fans aus ganz Deutschland zu Wort und solidarisierten sich mit dem 23-jährigen Füssener Spieler.

„Dann fliegen jetzt ligaübergreifend die Anzeigen hin und her – sinnlos“, schreibt etwa ein Fan aus Halle. Ein weiterer aus Regensburg findet die Aktion „nur peinlich“ und sagt: „Sowas passiert im Eishockey und ich glaube kaum, dass das von eurem Spieler Absicht war.“

Hintergrund für das alles war eine Szene in der 40. Spielminute der Oberliga-Partie am Sonntagabend. Stocker hatte den Deggendorfer Topscorer Kyle Osterberg mit einem Check regelwidrig in die Bande befördert und war dafür mit einer Spieldauerstrafe belegt worden. Offenbar genügte das den Verantwortlichen der Niederbayern nicht und sie leiteten weitere juristische Schritte ein.

Degggendorfer Klub-Boss: "Solche Fouls wollen wir nicht sehen"

Während man beim EV Füssen weiter ungläubig die Stirn runzelt über diesen Entschluss, beharren die Deggendorfer Verantwortlichen noch immer auf ihrem Standpunkt: „Nach Sichtung des Videomaterials haben wir uns gezwungen gefühlt, zu reagieren und Kyle Osterberg, wie auch andere Spieler zu schützen“, teilt Frank der Allgäuer Zeitung mit. Weiter heißt es in seinem Statement: „Solche Fouls möchten wir weder in unserem Stadion, noch in anderen Stadien dieser Welt sehen und möchten noch schwereren Verletzungen einfach vorbeugen.“

Der Deggendorfer Klub-Boss verweist darauf, dass Topscorer Osterberg nun erneut nach einem Foul für längere Zeit ausfallen wird. Eine konkrete Antwort, warum er Stockers Aktion als Körperverletzung wertet, bleibt er aber schuldig.

Sportdirektor Zellhuber: "Wir stehen voll hinter Quirin"

Für den 23-jährigen Akteur der Füssener war es nämlich die erste Fünf-Minuten-Strafe der Saison überhaupt. Der gebürtige Münchner mit Gardemaßen (1,93, 93 Kilo) ist zwar für seine robuste Spielweise bekannt, nicht jedoch dafür ein „Goon“ zu sein (So bezeichnen die Nordamerikaner rabiate Akteure auf und neben der Eisfläche).

Sportdirektor Thomas Zellhuber und Trainer Andreas Becherer stellen sich deshalb schützend vor ihren Spieler. „Wir stehen voll hinter Quirin“, sagt Zellhuber. Er habe bezüglich des Vorfalls bisher keinerlei Kontakt mit dem Deggendorfer SC noch mit dem Deutschen Eishockey Bund (DEB) gehabt. Bei weiteren zivilrechtlichen Schritten sei der Verein ohnehin nicht involviert.

Das sagt die Polizei

Der Ausgang der Sache bleibt also aus juristischer Sicht vorerst offen. „Die bisherigen Unterlagen werden der Staatsanwaltschaft Deggendorf zur Prüfung eines Anfangsverdacht einer Körperverletzung übersandt“, sagt Hauptkommissar Gerhard Geiger von der Polizeiinspektion Deggendorf. Die Beamten hätten auch das Video der Szene bereits in Augenschein genommen.

Einige Fans nehmen das alles inzwischen mit Humor und posten unter dem Motto „Free Qurin Stocker“ fleißig Bilder in den sozialen Netzwerken.

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