Erstaunliche Entscheidung
07.11.2019 Land & Leute

"Do fühl i mi endlich dahuim!“  Warum eine Hamburgerin ins Allgäu zieht und unseren Dialekt lernt

Wehe, man kommt ihr mit "Guten Tag" oder "Tschüß". Dann kann Gaby schon mal aufbrausend werden. "Bei uns im Allgäu heißt's immer no 'Griaß di' und 'Pfüa Gott'!", sagt sie dann entschieden. Gaby liebt den Dialekt in unserer Region und verteidigt ihn, wo immer sie kann. Dabei kommt sie aus Hamburg! Porträt einer Allgäu-Verliebten.

Das Allgäu verzaubert. Sprüche wie diese kennen wir aus der Tourismus-Werbung. Doch es gibt tatsächlich Menschen, denen das Allgäu buchstäblich den Kopf  verdreht. Gaby zählt sich definitiv dazu: "Wenn ich in der Früh aus meinem Fenster schaue und die Berge sehe, schlägt mein Herz Salto. Ich liebe diese Region. Hier gibt's noch ein Stück heile Welt", schwärmt die gebürtige Hamburgerin. Weil ihre Allgäu-Sehnsucht so groß wurde, dass sie es nicht mehr im hohen Norden aushielt, zog sie mit ihrem Mann vor fünf Jahren 800 Kilometer weiter südlich nach Sonthofen.

Damit erfüllte sie sich einen Kindheitstraum. "Seit meiner Jugend bin ich vernarrt in Bayern. Das begann als 13-Jährige in den 1970er Jahren mit einem Urlaub in Ruhpolding. Später hab ich dann auch das Allgäu besucht und war einfach nur begeistert", erzählt Gaby. Zuhause in Hamburg träumte sie sich in die idyllische Bergwelt zurück. "Wenn ein bayerischer Heimatfilm im Fernsehen lief, habe ich vor Sehnsucht geweint."

Mit Hamburg dagegen konnte sie sich immer weniger identizieren. Im Gegenteil: Manchmal ertappte sie sich selbst dabei, dass sie einen unliebigen Hanseaten im Geiste einen "Saupreiß" oder "Fischkopp" hieß. Auch über das Wetter ärgerte sie sich immer wieder. "In Hamburg gibt es nur zwei Jahreszeiten: Hellgrau und dunkelgrau." Vergeblich endete zudem die Suche nach Lichtblicken im Fußball. St. Pauli oder Hamburger SV? Gaby entschied sich für den FC Bayern! Wenn die Münchner den HSV bezwangen, feierte sie ausgiebig. Die schiefen Blicke der Nachbarn störten sie längst nicht mehr.

Ich bin eine Herzensbayerin. Gaby lebt seit fünf Jahren im Allgäu

Hamburg empfand sie nur noch als Humburg. Bayern im allgemeinen und das Allgäu im Speziellen dagegen als Ort der Hoffnung. "Ich bin eine Herzensbayerin", erklärt Gaby lächelnd.  2010 heiratete sie ihren Ehemann Christian, der ebenfalls aus Hamburg kommt, standesamtlich im Heimatmuseum Oberstdorf. 2014 jubelte das Paar, als Christian überraschend eine Stelle im Allgäu angeboten wurde. Endlich konnte es losgehen. "Das waren unglaubliche Momente, als wir in Sonthofen die Koffer auspackten. Da bekomme ich heute noch Gänsehaut", erinnert sie sich.

Heute, fünf Jahre später, ist die Begeisterung ungebrochen: "In Hamburg waren wir nie mehr. Wir haben hier alles, was uns wichtig ist: Berge, Seen, Tradition, Brauchtum, ein stabiles Wertesystem, ein Stück heile Welt." Auch mit den Eigenheiten der Allgäuer sind sie inzwischen bestens vertraut: "Die Leut' sind manchmal ein bissle muhaglig", sagt Gaby schmunzelnd. "Aber im Grunde sind sie sympathisch und hilfsbereit." Nur eine Sache bedauert sie manchmal an ihren neuen Landsleuten.

"Es  ist so schade, dass viele ihren Dialekt ablegen, weil sie glauben, dass Touristen sie nicht verstehen oder ihn albern finden. Ich finde, die Allgäuer haben allen Grund stolz auf ihre Sprache zu sein", sagt Gaby, die wissbegierig Allgäuer Dialekt-Wörter lernt und an ihrer Aussprache feilt. Denn: "Nur do bin i dahuim."    


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