Ein Adler als Kamerafrau
07.07.2017 Land & Leute

Dieses Adler-Video begeistert zehntausende Allgäuer

Adler
Was für ein Wahnsinns-Blick! Vergangenen Juli war Adler Fritzi als Kamerafrau an den Kleinwalsertal-Bergbahnen unterwegs. Jetzt gibt's den ersten Clip zu sehen. Und der ist der Hammer! Wir zeigen Dir das Video und erklären in unserer Reportage, wie solche Aufnahmen überhaupt funktionieren.

Er schlägt nicht mit den Flügeln und doch steigt der Adler immer höher und höher. Die Thermik an diesem Tag ist gut am Nebelhorn. Der Adler zieht ruhig seine Kreise – und setzt plötzlich zum Sturzflug an. Spitzengeschwindigkeit: 113 km/h. „Das gibt tolle Bilder“, jubeln die Beteiligten. Warum? Der Adler trägt eine Kamera auf dem Rücken. Er dreht Werbematerial für den Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben.

Steinadler-Weibchen Fritzi ist ein Filmadler. Mal steht sie als Protagonistin vor der Kamera, mal trägt sie die Kamera auf dem Rücken und liefert Bilder aus der Vogelperspektive. Jetzt war sie für den Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben am Nebelhorn im Einsatz.

Den Dreh hat Geschäftsführer Bernhard Joachim beim bayerischen Tourismustag für seinen Verband gewonnen. Dort präsentierte Andreas Gall vom Red Bull Media House Möglichkeiten, wie Emotionen und Technik in Tourismusfilmen eingesetzt werden können. Zum Beispiel eben durch einen Adlerflug, den er als Preis für ein Spiel aussetzte.

Die große Frage nach dem Gewinn: Wo sollte der Flug stattfinden? Im Gespräch waren unter anderem das Donautal und Schloss Neuschwanstein. Letztlich entschieden sich die Verantwortlichen aber für das Nebelhorn. Denn um gute Bilder zu bekommen, sollte der Adler möglichst wenig mit den Flügeln schlagen.

Steinadler Fritzi bei den Filmaufnahmen

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Das Steinadler-Weibchen hat eine Flügelspannweite von 2,1 Metern. Martina Diemand
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Whoooooush! Ein Adler im Flug ist schon richtig beeindruckend! Martina Diemand
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Falkner Paul hat seine Fritzi im Griff - mit einem Leckerli zur richtigen Zeit. Martina Diemand
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Sowohl die Kamera als auch der Adler selbst sind mit GPS-Geräten ausgestatten. Martina Diemand
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Zu Paul kommt Fritzi nach dem Flug immer wieder zurück. Martina Diemand
Fritzi ist sechs Jahre alt und wiegt 4,5 Kilogramm. Das Steinadler-Weibchen hat eine Flügelspannweite von 2,1 Metern, kommt aus einer Naturbrut und lebt auf Klimas Falkenhof in Bad Tölz.

Schon als Küken wurde sie an Kameras, Stative und Menschen gewöhnt. Bei ihrem ersten Kameraflug war sie ein halbes Jahr alt.

Körperlich ausgewachsen sind Steinadler mit drei Monaten. Fritzi war einer der Hauptadler im österreichischen Drama „Wie Brüder im Wind“ mit Tobias Moretti und Jean Reno.

Dabei wurden mit ihr vor allem Jagdszenen nachgestellt, die dann im Film verarbeitet wurden. Pro Monat macht sie durchschnittlich fünf bis sieben Kameraflüge. Wie viele genau, hängt auch von der Saison ab.

Wenn Wildadler Brutzeit haben, fliegt sie nur dort, wo keine Gefahr besteht.

„Wo es für einen Gleitschirmflieger gut ist, ist es auch für einen Adler gut“, erklärt Falkner Paul Klima, der Fritzi trainiert. Und da bot sich das Nebelhorn an, zumal der Adler dort vorab schon viele Höhenmeter in der Gondel zurücklegen konnte.

Direkt vom Gipfel fliegt Fritzi dann auch los. Aber erst, nachdem Klima ihr einen Rucksack samt Kamera umgeschnallt hat. 150 Gramm wiegt das Equipment, das das Tier bei seinen Flügen auf dem Rücken trägt. Mit dabei ist auch Henning Werth, Gebietsbetreuer der Allgäuer Hochalpen. Er stellt sicher, dass Fritzi nicht mit den wilden Adlern in der Gegend ins Gehege kommt.

Fritzi ist ihr eigener Herr - zur Sicherheit ein GPS-Gerät

Wo der Adler genau hinfliegt, kann man vorab aber nicht wissen, sagt Klima: „Der Adler ist sein eigener Herr.“ Flüge mit einer Strecke von bis zu 300 Meter seinen gut planbar, was darüber hinaus geht, nicht mehr.

Klima arbeitet mit positiver Motivation: „Ein Leckerli zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist hilfreich.“ Fritzi ist zwar nicht auf Klima geprägt, kommt aber dennoch immer wieder zu ihm zurück. Und falls sie doch einmal völlig eigene Wege fliegt, bleibt sie trotzdem auffindbar: Sowohl die Kamera als auch der Adler selbst sind mit GPS-Geräten ausgestatten.

Zum Einsatz kommen sie an diesem Tag aber nicht. Nach ihrem ersten Rundflug landet Fritzi direkt auf dem Gipfelkreuz des Nebelhorns. Joachim jedenfalls ist zufrieden. Wenn der Film ein Erfolg wird, könnte er sich vorstellen, noch weitere Adlerflüge im Allgäu aufzunehmen. 


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