Energiesparen auf dem Hof
17.06.2019 Land & Leute

Dieser clevere Allgäuer Landwirt heizt sein Wohnhaus mit Kuhmilch!

Markus Böckler
Wer im Allgäu einen Hof besitzt, leidet nicht selten unter hohen Energiekosten. Große Stromfresser in der Landwirtschaft sind beispielsweise die Melkanlage und die Milchkühlung. Ein cleverer Landwirt aus Kempten hat jetzt den Spieß umgedreht: Mit der warmen, frischgemolkenen Milch heizt er einfach sein Wohnhaus! Klingt verrückt, ist es aber nicht. Wie das funktioniert und wer die Bauern in Sachen Energieeinsparungen berät, erfährst Du hier.

Mit der Milch der eigenen Kühe ein Wohnhaus heizen? Das klingt kurios, funktioniert aber. Und zwar auf dem Hof von Landwirt Markus Böckler in Kempten. Eine Wärmepumpe entzieht der frisch gemolkenen Milch die Wärme und gibt sie an die Heizung ab. Böckler spart dadurch nicht nur Stromkosten, sondern kann auch komplett auf eine Kühlungsanlage verzichten. Auch Alexander Herz aus Ermengerst und Martin Mayer aus Altusried wollen ihren Hof energieeffizienter machen.

Alternative Heizungen

Zwei Anliegen hatte Markus Böckler, der gemeinsam mit seinen Eltern den Betrieb leitet: den Stromverbrauch für die Melkanlage und das Milchkühlen reduzieren und eine neue Heizung anschaffen. „Wir hatten eine alte Ölheizung und wollten keine neue mehr. Da stellte sich dann die Frage, was es für Alternativen gibt“, erzählt der 29-jährige Landwirt. Für eine Hackschnitzel-Heizung falle im Betrieb zu wenig Holz an. Außerdem brauche man dafür Lagerfläche.

Böckler ließ sich vom Kemptener Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten beraten, das ihn an eine Firma aus Hergatz bei Wangen verwies. Das Team von „Arwego“ hat sich auf die effiziente Nutzung von Energie in der Landwirtschaft spezialisiert und das Wärmepumpen-System entwickelt, das Milchkühlung und Hausheizung kombiniert.

30 Watt Strom von einem Liter Kuhmilch

100 Kühe stehen in Böcklers Stall. „Da fällt einiges an Wärme durch die Milchkühlung an, die man dann sinnvoll nuten kann.“ Auf der Arwego-Webseite heißt es: „Ein Liter frische Kuhmilch liefert dir 30 Watt.“ Nach Angaben der Firma spart Böckler mit dem System 15 Tonnen CO2-Emissonen pro Jahr – im Vergleich zur alten Ölheizung.

Doch um die Wohnräume vor allem im Winter warm zu halten, reicht die Milch alleine nicht aus. Deshalb ließ der Landwirt beim Bau einer neuen Maschinenhalle Wärmekollektoren im Boden verlegen. Damit ist der Bedarf dann gedeckt. Durch die Maßnahmen habe er finanzielle Vorteile, sagt Böckler. „Aber es hat auch Vorteile für die Umwelt. Für mich spielt beides eine Rolle.“ Einen fünfstelligen Betrag hat er investiert. Fördermittel zwischen 20 und 30 Prozent gab es von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Solarenergie auf dem Bauernhof

Auch Alexander Herz aus Ermengerst und Martin Mayer aus Altusried haben vor, neue Technik einzusetzen, um Energie zu sparen. Beide haben am „Energieeffizienztisch für Landwirtschaft und Gartenbau“ des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (Eza) teilgenommen. Ziel des Projekts sei es gewesen, Landwirten aus Wiggensbach, Altusried und Buchenberg Möglichkeiten aufzuzeigen, sagt Eza-Mitarbeiter Sebastian Uhlemair. Er ist selbst Landwirt und nutzt Solarenergie für die Heutrocknung.

Der 30-jährige Alexander Herz übernimmt in nächster Zeit den Hof von seinem Vater Edmund. Zwei Photovoltaik-Anlagen (PV) hat er auf dem Dach. Der erzeugte Strom werde derzeit noch ins Netz eingespeist und gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet. In wenigen Jahren laufe diese Förderung aus. Dann will Herz den Strom selbst nutzen, möglicherweise für die Belüftung seines Kuhstalls. „Im Moment haben wir einen großen Lüfter drin“, sagt er. Aber der erzeuge einen etwas zu starken und ungleichmäßigen Luftzug. Ein modernes Schlauchsystem, das weniger Strom verbraucht, könnte die Lösung sein. Und gerade in der Mittagshitze, wenn die Belüftung am stärksten beansprucht wird, erzeugt die PV-Anlage am meisten Strom.

„Wir haben das Problem, dass die Milchkühlung zu viel Strom verbraucht“, sagt dagegen der 36-jährige Martin Mayer. Deshalb plant er, ein Rohrsystem zur Vorkühlung zu installieren. Dabei werden die Milchleitungen mit Wasser umspült, so dass die etwa 35 Grad warme, frische Milch 20 Grad kälter wird. Das Wasser dafür pumpt er aus einer eigenen Zisterne. „Am Ende muss ich dann nur noch von 15 auf sechs Grad Lagertemperatur herunterkühlen.“

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