Kurioses Treffen in Betzigau
03.12.2019 Land & Leute

Diese 17 Allgäuer haben alle den gleichen Doppel-Vornamen. Rate mal welchen?

Gestatten, Franz Xaver!
Seit mehr als 100 Jahren treffen sich am 3. Dezember Namensvetter in Betzigau (Oberallgäu). Sie heißen allesamt Franz-Xaver mit Vornamen. Nachwuchs ist erwünscht: Die Männer bieten ihre Patenschaft an, sollte ein Kind im Ort „Franz Xaver“ getauft werden. Unsere Reporterin (nein, sie heißt nicht Franziska Xaveria) war vor Ort.    

Ein Mann betritt den Raum. Per Handschlag begrüßt er die 16 Anwesenden. „Alles Gute zum Namenstag“, wünscht er jedem Einzelnen. „Dir auch“, lautet die Antwort. Alle, die an diesem Tisch im Gasthof Hirsch in Betzigau sitzen, heißen Feranz Xaver. Sogar der Pfarrer, der am Vormittag die Heilige Messe hielt. Die Männer feiern gemeinsam ihren Namenstag. Das hat Tradition: Seit mehr als 100 Jahren treffen sich am 3. Dezember die Franz Xavers in Betzigau – die meisten von ihnen leben im Ort, andere in der Umgebung.

Ruhestandspfarrer Franz Xaver Wölfle zum Beispiel wohnt in Dietmannsried. Er ist begeistert von dem Treffen – er ist zum ersten Mal dabei: „Ich habe noch nie mit so vielen Leuten meinen Namenstag gefeiert.“ Während des Gottesdienstes am Vormittag sprach er über den Namenspatron: der heilige Franz Xaver.

Als Francisco de Xavier kam dieser 1506 in Spanien zur Welt. Er war Mitbegründer des Jesuitenordens und einer der Wegbereiter christlicher Mission in Asien.

Nach der Kirche besuchten die Franz Xavers gemeinsam 20 Gräber ihrer verstorbenen Betzigauer Namensvetter. Mit Bedauern hatten sie vor einigen Jahren festgestellt, dass der Name des mutmaßlichen Gründungsvaters des Franz-Xaver-Treffens auf dem neuen Grabstein nicht mehr eingraviert war. „Das war tragisch für uns“, sagt Franz Xaver Fleschhut – nicht ganz ohne ein Schmunzeln. Er organisiert die Treffen mittlerweile und bastelte kurzerhand ein Schild für das Grab des Gründervaters.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts – vermutlich 1908 – soll Franz Xaver Traut das jährliche Treffen ins Leben gerufen haben. Warum? Das wissen die Franz Xavers von heute nicht. Schriftliche Überlieferungen fehlen.

Gerne erzählen sie sich gegenseitig Franz-Xaver-Geschichten. Zum Beispiel von jenem Namensvetter, bei dem am 3. Dezember jedes Mal die Frau anrief, damit er heimkomme. Weil jedes Mal eine Kuh kalbte.

Zwischen 53 und 76 sind die Franz Xavers alt, die in diesem Jahr zusammengekommen sind. Nachwuchs sei willkommen – ja sogar gewünscht. Sie bieten ihre Patenschaft an, wenn in Betzigau ein Baby auf den Namen Franz Xaver getauft wird. Die Anwesenden selbst haben ihre Namen nicht an einen Sohn weitergegeben. Aber immerhin: „Meine Tochter heißt Franziska“, sagt einer. Ein anderer: „Der zweite Vorname meines Enkels ist Xaver.“

Ihren Namen jedenfalls könnten sie weiterempfehlen. Lebt es sich gut damit? Zustimmendes Nicken allerseits. Beim kompletten Vornamen Franz Xaver wird indes keiner der Männer gerufen. Sieben von ihnen hören auf „Franz“, zehn auf „Xaver“.

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