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28.12.2018 Land & Leute

Diese 12 Allgäuerinnen und Allgäuer haben uns 2018 besonders beeindruckt

Das Beste kommt zum Schluss! allgaeu.life präsentiert 12 Geschichten über Allgäuerinnen und Allgäuer, die uns im Jahr 2018 besonders beeindruckt haben. Sie retteten Leben, machen die Welt lebenswerter, schützen unsere Natur, pflegen die Tradition oder setzen sich für Völkerverständigung ein. Hier liest Du unsere ganz persönliche "Best of"-Liste - ausgewählt aus über 1.600 Artikeln, die in diesem Jahr auf allgaeu.life erschienen.

Der Ur-Hippie: Sein Beispiel macht Mut: "Reise um die Welt. Lebe Deinen Traum. Jetzt! Warte nicht, bis Du in Rente bist", sagt Alt-Hippie Jürgen Schultz (76) aus Memmingen. Vor 40 Jahren kaufte er einen gebrauchten VW-Bus für 1.500 Mark - und fuhr bis ins Hippie-Paradies Goa nach Indien! Was ihn besonders beeindruckte: die Gastfreundschaft, die er überall erlebte. Davon berichtete heuer ein weiterer Allgäuer, der altersmäßig sein Sohn sein könnte: Markus Mayer (42) umrundete mit der Vespa die Welt. Seine Bilanz nach 27.000 Kilometern durch 18 Länder: „Die Menschen haben oft selber nichts – und geben dir alles.“   

Die Dialekt-Musikerinnen: Wenn Bands wie LaBrassBanda oder Django 3000 im bairischen Dialekt singen, finden das alle irgendwie hip. Nur unsere eigene Mundart gilt bei vielen Jüngeren noch immer als altbacken, ländlich und unsexy. "Nicht mit uns", sagen die Mädels von "Lumpamensch". Die sechs Musikerinnen aus dem Ostallgäu (alle unter 20) mischen die unterschiedlichsten Musikstile und singen in Allgäuer Mundart. "Wir wollen unseren Dialekt hip machen", sagen sie. Und das kommt an! Seit vier Jahren touren die Mädels als junge, sympathische Botschafterinnen der Allgäuer Mundart durch die Region.

Der Bergretter: Mit einem offenen Brief an Urlauber im Alpenraum löste der ehrenamtliche Bergwachtler Hannes Bruckdorfer (42) aus Schwangau im Mai ein großes Echo aus. Er warnte darin vor den Gefahren, die eine undurchdachte Bergtour mit sich bringt. Der Beitrag wurde auf FB hunderte Male geteilt - und brachte viele zum Nachdenken. Dennoch hatten Hannes und seine Helfer im Sommer alle Hände voll zu tun. Bei den Bergrettungen gehen sie teils bis an ihre Grenzen. Für das große Engagement wurde Bruckdorfer mit der Silberdistel unserer Zeitung ausgezeichnet.      

Papa Bavaria: "Das ist der Olymp im Kabarett", jubelt Maxi Schafroth, als er ganz oben am Gipfel angekommen ist. Ab kommendem Jahr ist der 33-Jährige der neue Fastenprediger beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg. Der Unterallgäuer Kabarettist tritt in die Fußstapfen von "Mama Bavaria" Luise Kinseher und so berühmter Vor-Vorgänger wie Walter Sedlmayer oder Bruno Jonas. "Für mich ist das eine Wahnsinns-Ehre, dass ich dieses gewichtige Amt als Allgäuer übernehmen darf", sagt Maxi. Termin vormerken: Am 13. März 2019 ist es so weit (BR-Fernsehen). 

Das Hüttenpaar: Was wäre das Allgäu ohne Alphütten und Kuhschellen-Bimmeln? Das Ehepaar Wolfgang und Verena Dallmeier trägt seinen Teil dazu bei, dass es so bleibt. Die beiden 36-Jährigen verbrachten ihren ersten Sommer als Pächter der historischen Petersalp in den Oberstdorfer Bergen. Auch die drei Kinder der Dallmeiers waren speziell in den Ferien mit von der Partie auf 1.300 Metern Höhe. "Wir sind eine Einheit. Anders geht es hier oben nicht", sagt Wolfgang Dallmeier. Der Kraftakt hat sich gelohnt: Die Familie brachte alle 45 Kälber und Rinder gesund durch die "Sommerfrische." 

Das Landei: Wer auf einem Kaff wohnt, wird in der (Groß-)Stadt gerne mal belächelt. Wir Allgäuer kennen dieses Gefühl nur zu gut. Aus Sicht der meisten, sagen wir, Berliner sind selbst Kempten und Memmingen nichts anderes als Käffer. Muss man sich deshalb schämen? Auf keinen Fall! Unsere Praktikantin Svenja Gayer sprach mit ihrer Geschichte 18 Dinge, die Du nur als Allgäuer Dorfkind kennst, vielen aus der Seele. Sie selbst wohnt übrigens in.... äh... sorry, wir haben den Namen des Kaffs doch glatt vergessen.   

Die Kitz-Retterin: "Ich bin einfach tierlieb!" Mit diesem Satz begründete Anja Gäble aus dem Unterallgäu im Juni den wohl rühendsten Einsatz für Rehkitze in unserer Region. Die 29-Jährige hat sich für 3.500 Euro eine Drohne mit Wärmebildkamera gekauft - und bot Landwirten erstmals ehrenamtlich ihre Hilfe beim Aufspüren der süßen Jungtiere im hohen Gras an. Mehrere Kitze konnten vor dem Mähdrescher-Tod gerettet werden. allgaeu.life meint: Lieber aktiv werden, als sich aufzure(h)gen!  

Die Tapfere: Sabine Schmidt will frei sein. Denn der Alltag legt ihr manchmal schon genügend Grenzen auf: Die 43-Jährige leidet an Multipler Sklerose. Vor fünf Jahren hat sie deshalb ihr komplettes Leben umgekrempelt. Sie gab ihren Bürojob auf und kündigte ihre Wohnung. Mit Hündin Jamie lebt sie jetzt in Buchloe in einem Wohnwagen nahe den Bahngleisen. Dort macht sie, was sie wirklich glücklich macht: singen! „Es ist mein Ventil“, sagt sie. Für ihre Retro-Soulpop-Songs, die sie mit gefühliger Stimme unter ihrem Künstlernamen Lee’Oh aufnimmt, wurde sie 2018 in mehreren Kategorien beim 36. Deutschen Rock und Pop-Preis nominiert. Starke Frau!

Der stille Spender: Weil er sich über drei Jahre lang die Haare wachsen ließ, wurde Adrian (12) von manchen Altersgenossen verspottet. Was sie nicht wußten: Der Junge tat es für einen guten Zweck. Im Friseursalon Wunderhaar in Tiefenbach (Oberstdorf) ließ er sich die über 30 Zentimeter langen Haare nun schneiden, um sie zu spenden - für einen Verein, der Perrücken für krebskranke Kinder fertigt.  Nicht nur Friseurmeisterin Julia Schleicher war gerührt. "Sein mutiges Beispiel zeigt, dass man nie urteilen sollte ohne die Hintergründe zu kennen."  

Die Allgäuer Wissensqueen: Wenn Du wissen willst, warum sogar das australische Parlament auf eine Allgäuerin hört, dann hilft nur eins: allgaeu.life lesen! Im Mai haben wir Dir die Memmingerin Dr. Elena Schneider-Futschik vorgestellt. Mit noch nicht einmal 30 Jahren gehört die Pharma-Forscherin weltweit zu den klügsten Köpfen auf ihrem Gebiet. Im fernen Melbourne hat sie nicht nur ihr privates Glück gefunden. Sie forscht dort auch an einem Medikament gegen die Lungenkrankheit Mukoviszidose. 2018 schrieb sie ein Gutachten für eine Gesetzesvorlage im australischen Parlament, das sich mit der Feinstaub-Problematik beschäftigt. "In Australien gibt es bisher keine Richtlinien zum Feinstaub", sagt sie. Wie gut für die Aussies, dass es Dr. Elena aus dem Allgäu gibt!

Die Umweltschützer: 26 Millionen Tonnen Plastikmüll produzieren die Europäer jedes Jahr laut der Europäischen Kommission. F***ing 26 Millionen! Riesige Mengen davon landen in den Ozeanen, Meeresbewohner verenden qualvoll, 85 Prozent der Abfälle an Stränden weltweit sind Kunststoffe. Zum Glück gibt es umsichtige Allgäuerinnen und Allgäuer, die über den eigenen Tellerrand hinausdenken. Ihr Scherflein beitragen wollen auch Kristina Immerz (32) und Sandra Palazzolo (31) aus Kaufbeuren. Mit ihren hundertprozentig natürlichen Bienenwachstüchern haben sie eine umweltfreundliche Alternative zu Frischhaltefolie und Co. auf den Markt gebracht. Die Tücher können mehrfach benutzt werden, sind kompostierbar und Feldsalat, Brot oder Käse bleiben bleiben darin länger frisch. Tolle Idee!

Der umsichtige Soldat: Ein Sturz mit dem Rad, eine verletzte Oberschenkelarterie - und überall Blut. Als der Allgäuer Soldat Tim Stieding (33) bei Schwangau den schwer verletzten Leonard sieht, muss alles ganz schnell gehen. Die Lage ist ernst, der Elfährige droht zu verbluten. Mit einem Druckverband rettet der Hauptfeldwebel dem Jungen das Leben! Zwei Monate nach den dramatischen Ereignissen kommt es in der Füssener Allgäu-Kaserne zum Wiedersehen. Leonhard und seine Familie besuchen ihren Retter und sagen Danke! "Gern geschehen, aber deshalb bin ich doch kein Held", sagt Tim Stieding. Leonards kleiner Bruder Linus (7) sieht das anders und murmelt: "Wenn ich groß bin, werde ich Soldat."

Und diese 3 Geschichten wurden im Allgäu 2018 heiß diskutiert:

1.       Das ist ja wohl der Höhepunkt! Bei zapfigen 5,3 Grad filmte eine Bergpanorama-Webcam auf dem Breitenberg ein junges Paar beim Sex vor der Ostlerhütte. Hinterher landeten die Aufnahmen des 20-minütigen Treibens im Internet. Während manche Allgäuer vor Scham erröteten, nahm's Hüttenwirtin Andrea Heiligensetzer im allgaeu.life-Interview locker: "Mei, des isch halt a schee's Plätzle!"

2.       Zerstört Motorrad-Lärm unser schönes Allgäu, fragten wir zum Saisonstart im Frühjahr – leider mit einigem Grund! Der Balderschwanger Hotelier Karl Traubel berichtete von wilder Raserei am Riedbergpass, an dem es im Supersommer 2018 prompt zu zahlreichen Unfällen kam. Auf unserer Facebookseite diskutierten Biker und Naturschützer heftig…

3.       "Piefke bleib zuhause!" Wochenlang diskutierte das Allgäu in den Sommerferien über diese unfreundlichen Zettel-Botschaften, die ein Unbekannter in Weißenbach (Tirol) an viele Autos mit deutschem Kennzeichen heftete. Das Schreiben richtete sich vor allem gegen "die Allgäuer und andere Grenzgänger", die für Lärm, Staus und Müll verantwortlich gemacht werden. Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt – und einer unserer Befragten bringt es auf den Punkt: "Mit ein bisschen Respekt und Rücksicht kommen wir doch alle miteinander aus!" Ein Motto, das auch für 2019 gelten sollte... In diesem Sinne: Guten Rutsch!
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