Füssener Polizei hilft
10.09.2018 Hier & Heute

Die kuriose Reise eines Hochzeitsgeschenks

Wenn die Polizei bei Dir anruft, bedeutet das selten etwas Gutes. Außer Du heißt David Fronius und hast gerade geheiratet! Dann... ja dann hat die Polizei vielleicht sogar ein Geschenk für dich.

„Ich dachte, jetzt erwartet dich was wegen deiner Strafzettel“, sagte der 25-jährige David Fronius und lacht. Dabei wollte Polizist Clemens Herz dem frisch verheirateten Fronius nur sagen, dass jemand sein Hochzeitsgeschenk gefunden hat: Eine mit Geld bestückte Efeu-Pflanze. „Er konnte sich gar nicht daran erinnern, ein Geschenk verloren zu haben“, sagte Herz. So etwas habe man bei der Polizei Füssen noch nicht erlebt, fügte Inspektionsleiter Edmund Martin hinzu.

Die Geschichte geht so: Am vergangenen Samstag luden die Studentinnen Michal Burkhardt und Jessica Bittenbinder ihr Auto in der Rudolfstraße in Füssen ein. „Wir waren im Stress und haben die Pflanze auf dem Gehweg abgestellt, um alles einzuladen“, sagte Burkhardt. Die beiden waren auf dem Weg zur Hochzeitsfeier von David und Miriam Fronius in Füssen.

Dort angekommen, halfen sie noch bei der Dekoration. Erst als Burkhardt den Baum auf den Geschenketisch stellen wollte, fiel ihr auf, dass er gar nicht da ist. „Da war uns sofort klar, der muss noch auf dem Gehsteig stehen“, sagte sie. Also fuhren die beiden zurück zur Rudolfstraße, aber die Pflanze war weg. Zurück auf der Feier musste improvisiert werden – eine gemalte Pflanze, ein Gedicht und aufgeklebte Geldscheine waren der Ersatz.

Wo ist unsere Pflanze?!

Die Pflanze war mittlerweile in den Händen von Marija Heidbüchel. Die 30-Jährige, selbst frisch verheiratet, kam mit ihrem Mann vom Eisessen, als sie den verlassenen Baum am Straßenrand entdeckten. „Ich wollte die Pflanze schon mitnehmen“, sagte Heidbüchel. Aber dann waren ihr die Geldscheine und das Schild „Mimi & David“ aufgefallen. Das Paar klingelte bei der Nachbarschaft, niemand konnte etwas mit den beiden Namen anfangen. Also brachten sie die Pflanze zur Polizei.

Dort nahm sich Clemens Herz der Sache an und startete die Ermittlungen. Nachfragen bei Standesamt und Pfarramt in Füssen liefen ins Leere. Also suchte Herz beim sozialen Netzwerk Facebook nach einem David aus Füssen. „Ich habe dann ein paar Davids gefunden“, erklärte Herz und fügte hinzu: „Aber es gab nur einen, der angab, mit einer Miriam verlobt zu sein.“ Also rief der Polizist bei Fronius an.

Parallel schrieb die Polizei bei Facebook: „Brautpaar gesucht!“ Der Post wurde kommentiert und über 80 Mal geteilt. „Freunde haben uns geschrieben, dass unsere Pflanze wieder aufgetaucht ist“, sagte Burkhardt. „Da war richtig was los auf Facebook“, fügte Bittenbinder hinzu. Auch Fronius hat den Post kommentiert, er sei um halb vier im Revier. Montagnachmittag war es dann soweit. Auf dem Hof der Polizeiinspektion Füssen wurde das Hochzeitsgeschenk an das Brautpaar übergeben. Die Eheleute bedankten sich bei der Finderin. Heidbüchel war der Trubel fast zu viel. „Ich habe eine Pflanze gefunden und abgegeben und kein Leben gerettet,“ sagte die 30-Jährige.


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