Memmingen feuert Coaches
05.10.2018 Sport & Action

Die früheste Trainerentlassung im Allgäu: Was steckt dahinter?

Oha! Die Eishockeysaison ist noch frisch - und schon gibt es den ersten großen Aufreger im Allgäu: Oberligist ECDC Memmingen hat sich nach nur drei Spieltagen von seinem Trainergespann Waldemar Dietrich und Jan Benda getrennt. Bitter, sagen die Fans - weil Dietrich die Indians die vergangenen zwei Jahre zu zahlreichen Erfolgen führte und Benda ein großer Name im deutschen Eishockey ist. Warum Memmingens Sportchef Sven Müller die Entscheidung trotzdem so traf, haben wir ihn im allgaeu.life-Interview gefragt.

Frage: Nach drei zum Teil deutlichen Niederlagen (4:6, 3:11 und 1:7) haben Sie die Reißleine gezogen. Ist ein Trainerwechsel nach nur drei Spieltagen nicht dennoch viel zu früh?

Sven Müller: Nein, leider war diese Entscheidung unausweichlich. Wir haben die komplette Vorbereitung und die ersten Spiele als Ganzes betrachtet und mussten sehen, wie es von Woche zu Woche abwärts ging. Vor fünf Wochen hatten wir noch eine Topmannschaft auf dem Eis, die sich sogar gegen Zweitligist ESV Kaufbeuren gut verkauft hat. Zuletzt konnte jeder sehen, dass das Gesamtpaket nicht mehr stimmt: das Auftreten des Teams, der Spielwitz, die Stimmung innerhalb der Mannschaft - all das hat nicht mehr gepasst.

Ich möchte klarstellen, dass dies keine Panikreaktion nach drei sieglosen Spielen ist. Dass wir gegen drei Spitzenmannschaft nicht unbedingt was holen, war uns allen bewusst. Aber jetzt fehlte auch der Glaube, dass es in den nächsten Spielen besser wird.

Die Symptome haben Sie beschrieben - was waren aus Ihrer Sicht die Ursachen für die Entwicklung?

Müller: Ich habe viele Einzelgespräche geführt und alles analysiert. Zum einen hat sich kein Spielsystem herauskristallisiert, das zu der Mannschaft passt. Zum anderen muss man sagen, dass die Chemie zwischen Trainern und Team zuletzt nicht mehr stimmte. Fehlendes Vertrauen ineinander beschreibt es wohl ganz gut: Sowohl vonseiten einiger Spieler, aber auch das Vertrauen der Trainer in manchen Spieler war zuletzt nicht mehr so da, wie es hätte sein müssen, um den Karren gemeinsam flott zu bekommen.

Verwunderlich, weil gerade Waldemar Dietrich mit dem Team in den letzten Jahren viel erreicht hat...

Müller: Definitiv - und sehr schade. Waldi ist ein toller Typ, der sich abslout mit dem Verein identifiziert. Wir haben gemeinsam alle unsere Ziele in den vergangenen zwei Jahren erreicht und ihm viel zu verdanken. Gerade er hatte immer einen guten Draht zu den Spielern. Dieses Jahr hat es leider nicht geklappt - und dann bin ich in der Verantwortung zu handeln. 

In der Verantwortung sehen Sie jetzt sicher auch die Spieler. Was erwarten Sie von ihnen?

Müller: Vom Team erwarte ich eine deutliche Reaktion. Wir spielen heute Abend (Freitag) zuhause gegen Riessersee - das ist der nächste schwere Gegner. Es wäre falsch, einen Sieg zu fordern, da muss alles zusammenkommen. Was ich aber einfordere: Kampf, Zusammenhalt, Zug zum Tor - und dass die Spieler wieder Spaß am Eishockey entwickeln. Der ist ihnen die letzten Spiele abhandengekommen - aber jetzt sind sie gefordert, sich selbst am Schopf zu packen.

Wer wird auf Waldemar Dietrich und Jan Benda folgen?

Müller: Gegen Riessersee und am Sonntag in Weiden wird Kapitän Daniel Huhn das Team interimsmäßig betreuen. Wir sind bereits mit einigen Kandidaten in Kontakt. Ich werde keinen Schnellschuss machen, aber mein Ziel ist es, dass kommenden Freitag beim großen Allgäu-Derby am Hühnerberg gegen Sonthofen ein neuer Trainer an der Bande steht. Versprechen kann ich das aber nicht. 

Wie Waldemar Dietrich und Jan Benda auf ihre Entlassung reagieren und was ECDC-Kapitän Daniel Huhn sagt, liest Du in der Wochenendausgabe der Memminger Zeitung vom 6. Oktober 2018.
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