IMPROSTADL in der Kultbox
05.12.2017 Sehen & Hören

Der Spionen-Schorsch und die rappende Rosi

"Sogar Chuck Norris kennt Hollerried", ruft Nadine Schneider und grinst. Klar kennt der fleischgewordene Roundhousekick dieses erfundene Allgäuer Dorf - denn hier ist alles, alles, alles möglich. Hier spielt der ImproStadel: Bauerntheater mit improvisierter Geschichte ist das Konzept. Und am kommenden Samstag, 9. Dezember, entführen die WendeJacken die Kultbox-Zuschauer in dieses beschauliche Hollerried. Warum sie es dort aber auch gleich mit Aliens, Spionen oder eben Chuck Norris zu tun bekommen, und warum Du das dringend gesehen haben musst, erzählen Dir die Schauspieler Nadine Schneider (35) und Max Kinker (25) hier.

Mal von Anfang an: Wie läuft der ImproStadl ab? 

Nadine: Wir machen klassisches 'Bauerntheater' mit Impro-Elementen. Das heißt: wir fragen im Publikum, um welches Thema es gehen soll, und welche Eigenschaften die Charaktere haben sollen. Da ist der Schorschi dann auch schon mal Spion - oder Rosi ist im Herzen Rapperin. Pro Vorstellung spielen wir zwei 'Folgen' unseres Theaters - also zwei unterschiedliche Geschichten. Und die Zuschauer dürfen mitbestimmen.

Max: Das Gemeine ist: Nicht jeder Schauspieler weiß von den improvisierten Hobbys der anderen. Da schaust Du dann doch mal komisch, wenn Mama Rosi anfängt, Hip-Hop zu machen! Im klassischen Theater sind die Wechselwirkungen zwischen den Schauspielern vorgegeben. Bei unseren Impro-Shows nicht. 

Das klingt nach viel Durcheinander? 

Nadine: Einen roten Faden muss es schon geben! Und auch die Figuren sind grob vorgegeben:ist der Schorsch, der Bürgermeister, der Landarzt, der Pfarrer, der Postbote, ein Gast aus der Stadt und Gastgeberin Rosi samt Tochter Lena… viele verschiedene Rollen und unterschiedliche Charaktere: So haben wir eine gewisse Basis für unseren Auftritt. 

Was sind das für Typen?

Max, der noch Sekunden vorher klares Hochdeutsch gesprochen hat, wechselt ins Allgäuerische: Also do isch escht mol d Rosi. Des sich d Dorfmama. Do kasch allad nagau, wennscht Probleme hosch. Und: Max wieder auf Hochdeutsch: In Rosis Stuben spielt sich auch ein Großteil unseres ImproStadls ab. 

A jo. Und i bi dr Schosch! I bi eigentlich scho a ganz nettar Siach... (Rosi springt ein:) Der isch manchmol scho a bissle schwierig. Er hots halt is so gean, wenn sich ebbas ändert. Und Zugsroiste mag er scho gar it. (beide lachen

Wow, ihr kommt so schnell in Eure Rollen? Wie viel Schorsch und Rosi stecken dann in Max und Nadine?! 

Max: Naja, ich bin im echten Leben natürlich kein latenter Rassist (lacht). Aber natürlich bringst Du automatisch Eigenschaften von Dir mit in die Rolle. Wenn Rosi die Dorf-Mama ist, ist Nadine auch die WendeJacken-Mama. 

Nadine, stimmt das? Was meinst Du würde Deine Rosi über Dich erzählen?  

Rosi: Also d Nadine, des isch scho a Pfundsmädle! Wie die auf der Bühne federleicht wirblet, obwohl se ja doch scho a bissi kräftiger isch, des isch toll! Und mei liab isch dia. Und so freindlich! (lacht und sagt: Dazu sollte der Leser vielleicht wissen: Die Rosi sieht fast immer nur das Positive in Menschen!) 

Ihr lacht viel und gerne: Ist der ImproStadl ein Comedy-Stück? 

Nadine: Lustig soll es natürlich werden. Aber nur Klamauk wird auch langweilig. Ich habe mir vorgenommen pro Stück mindestens eine 'gspürige' Szene unterzubringen. Das wirkt auch im Publikum ganz anders, wenn es plötzlich mal ernster wird. 

Für jemanden, der den Begriff Bauerntheater noch nie gehört hat, klingt das schon etwas provinziell. Was ist das Reizvolle daran? 

Max: Das tolle am Bauerntheater ist doch: Jeder kennt die Typen, die dort vorkommen. Jeder kennt einen Dorfgrantler, der am Stammtisch immer meckert. Oder die Dorfmutter, die alle am Ende zusammenbringt. Diesen Spiegel halten wir den Allgäuern vor und paaren das mit den Einfällen unseres Publikums. Je verrückter, desto besser. Alien-Invasion in Holleried? Da simmer dabei! 

Das schöne am Bauerntheater ist auch: Am Schluss ist alles wieder gut. Wir sitzen zusammen, vertragen uns und trinken einen Schnaps gemeinsam. Ganz im Sinne von: Ende Enzian gut, alles gut!

Am kommenden Samstag, 9. Dezember, kommt das kommt das spontan-schräge Bauerntheater - Der ImproStadl in die Kultbox. Beginn um ist 20 Uhr. Karten kannst Du hier kaufen. Unser Reporter hat schon mal einen Auftritt der WendeJacken besucht. Seine Kritik zum Impro-Tatort liest Du hier

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