Historiker erklärt
28.10.2019 Wissen & Quizzen

Der Neuschwanstein-Code: 6 Gründe, warum alle Welt unser Allgäuer Märchenschloss liebt

Schwabenfoto: Schloss Neuschwanstein im Herbst
Gibt es so etwas wie den Neuschwanstein-Code? Also eine Erfolgsformel, warum das Märchenschloss in aller Welt gleichermaßen bekannt wie beliebt ist? Geht es nach dem Historiker Marcus Spangenberg, dann ja. Er hat sechs Gründe für die Erfolgsstory des Bauwerks in Hohenschwangau ausgemacht und glaubt, damit das Rätsel seiner Berühmtheit entschlüsselt zu haben. Welche Ursachen das sind, hat er jetzt bei einem Vortrag im Museum der Bayerischen Könige erläutert...

1. Fake-News:

Nicht erst seit Donald Trump gibt es gezielte Falschinformationen. Auch zur Zeit von Ludwig II. wurden Unwahrheiten in Sachen Neuschwanstein verbreitet. „1883 wurde etwa in einer bayerischen Zeitung vermeldet, dass in Neuschwanstein eine Waffen- und Münzsammlung samt Bibliothek entsteht“, sagt Spangenberg. „Außerdem hieß es, der König würde in seinem Arbeitszimmer Marmorbüsten besonderer Persönlichkeiten aufstellen – das war natürlich alles Quatsch.“

Die Ursache für diese Falschmeldung sei aber letztlich der König selbst gewesen, indem er sein Schloss von der Öffentlichkeit abschirmte und so die Gerüchteküche befeuerte. „Diese abgeschottete Baustelle zog dann natürlich Neugierige an, die Informationen haben wollten“, erklärt Spangenberg. Der Mythos Neuschwanstein war geboren.

2. Die Lage:

Als „wie in der Luft schwebend“ bezeichnete Hugues Krafft, ein aus Reims stammender Franzose, Neuschwanstein, als er es 1886 als einer der ersten Touristen besichtigte. „So wie er heben zahlreiche weitere Autoren die Lage des Schlosses hervor“, sagt Spangenberg. Der Platz an einem Höhenrücken vor den Alpen, über einer Schlucht und stehend auf einem Felsensockel habe etwas Monumentales, Denkmalhaftes. „Neuschwanstein wurde auf diese Weise ein Sehnsuchtsbild.“

3. Verschmelzen von Kunst und Natur:

König Ludwig hat mit dem Bau des Schlosses die Natur gewissermaßen zu seinem Bühnenbild gemacht, meint der Experte. „Ihm wird attestiert, mit Neuschwanstein ein Bauwerk geschaffen zu haben, das wie kein zweites eine so intensive Verbindung zu seiner Umgebung, zur Natur, eingeht“, sagt Spangenberg. Für Bauten wie den Kölner Dom etwa sei die Umgebung weniger relevant, Neuschwanstein ohne die Berge oder den Alpsee – das sei hingegen kaum denkbar. Laut dem Historiker der Ursprung für den märchenhaften Touch des Schlosses.

4. Die Farbe:

Das Schloss ist bekanntermaßen weiß. Und das genügt schon, um einem weiteren Grund seiner Berühmtheit auf der Spur zu sein. „Die Farbe steht für Unschuld, Reinheit und auch eine historische Unbelastetheit“, sagt Spangenberg. Dass es sich damit farblich von den dunklen Wäldern ringsum abhebt, erzeuge eine „Harmonie in der Wirkung“ und bewirke eine besondere Ausstrahlung.

150 Jahre Schloss Neuschwanstein

Heimatminister Füracker besucht Schloss Neuschwanstein
Finanz- und Heimatminister Albert Füracker besuchte Schloss Neuschwanstein. Benedikt Siegert
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Finanz- und Heimatminister Albert Füracker besuchte Schloss Neuschwanstein. Benedikt Siegert
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Finanz- und Heimatminister Albert Füracker besuchte Schloss Neuschwanstein. Benedikt Siegert
Heimatminister Füracker besucht Schloss Neuschwanstein
Finanz- und Heimatminister Albert Füracker besuchte Schloss Neuschwanstein. Benedikt Siegert
Heimatminister Füracker besucht Schloss Neuschwanstein
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Finanz- und Heimatminister Albert Füracker besuchte Schloss Neuschwanstein. Benedikt Siegert
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Finanz- und Heimatminister Albert Füracker besuchte Schloss Neuschwanstein. Benedikt Siegert
Heimatminister Füracker besucht Schloss Neuschwanstein
Finanz- und Heimatminister Albert Füracker besuchte Schloss Neuschwanstein. Benedikt Siegert

5. Die Medien:

Spangenberg behauptet: „Wäre das Schloss 50 Jahre früher entstanden, hätte es nicht diese Ausstrahlung bekommen.“ Er begründet das mit der Entstehung des Mediums der Ansichtskarte. „Das fällt zeitlich genau zusammen.“ Besonders im Kaiserreich blühte das Versenden solcher Illustrationen sehr schnell auf und brachte dem Schloss in Windeseile visuelle Bekanntheit. Mitunter waren darunter auch stark verfälschte Ansichten, wie eine, die Ludwig II. in der Venusgrotte zeigt (Linderhof), im Hintergrund ist aber Neuschwanstein zu sehen.

Den Platz der Ansichtskarte hat laut ihm heute das soziale Netzwerk Instagram eingenommen. Es zählt derzeit 357.000 Beiträge unter dem Hashtag #Neuschwanstein.

6. Schicksalsort:

„Das ist der alles entscheidende Faktor“, sagt Spangenberg und meint damit die besondere Rolle, die Neuschwanstein als der letzte frei gewählte Ort von Ludwig II. für dessen Schicksal hatte. Denn dort wurde er in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1886 festgenommen. „Nirgends sonst ist das Schicksal eines Bauherrn auf so brisante Weise mit dem Bauwerk verbunden“, sagt Spangenberg. Und selten seien auch Höhe und Fall so nah beieinander als im Fall Ludwig II. Spangenberg ist überzeugt: „Wäre eine größere zeitliche Distanz gewesen zwischen der Absetzung des Königs und dessen Tod – Neuschwanstein hätte nicht diese Bedeutung bekommen.“

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