Trauer um Fußball-Legende
23.05.2019 Sport & Action

„Der Fußball-König vom Allgäu“: Ein Nachruf auf Helmut Weihele

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Helmut Weihele prägte über Jahrzehnte den Fußball in unserer Region. Legendär sind seine Scharmützel mit Augsburger Funktionärskollegen. Jetzt ist der Kemptener mit 78 Jahren gestorben. Ein Nachruf mit den Bildern seiner Karriere:

So war er, „d’r Weihele“. Wenn ihm Versammlungen zu lange dauerten oder Nachbesprechungen in einem ewigen Blabla endeten, dann verabschiedete sich der langjährige Fußball-Spielgruppenleiter und Bezirksehrenamtsreferent aus Kempten gerne mal auf die französische Art.

Wir im Allgäu haben schon Hallenfußball gespielt, da hat Hannibal die Elefanten noch durch Augsburg getrieben.
Mit einem Augenzwinkern schaute Weihele auf die 'Datschiburger'

Er schlich aber nicht nur davon, sondern suchte und fand mit all seinem Charme noch eine Begründung für seine Verdünnisierung: „D’r Hund muass no naus“, war beispielsweise so ein letzter Satz von Weihele. Gerne aber auch mal: „D’Herta hot Geburtstag.“ Dass er diese Ankündigung von angeblichen Feierlichkeiten mit seiner Gattin mal im April und mal im August äußerte, wunderte bald niemanden mehr. Das Schlitzohr Weihele hatte diese Ausrede ja stets mit einem Augenzwinkern und einem verschmitzten Lächeln garniert – und jeder wusste, wie er dran ist.

Helmut Weihele: Seine Karriere in Bildern

1972 übernahm Helmut Weihele mit 32 Jahren die Position des Spielgruppenleiters für die A-Klasse Süd, die B-Klasse Oberallgäu sowie C-Klassen Kempten und Oberallgäu. Zuvor spielte er selbst aktiv Fußball, bis ein Schien- und Wadenbeinbruch seine Karriere zunächst beendete. Ein Intermezzo bei der Ringer-Abteilung des SV 29 Kempten dauerte nur vier Jahre. AZ-Archiv
Viele Jahre lang regierten Helmut Weihele (links) und sein Ostallgäuer Kollege Karl Kracker aus Ronsberg den Allgäuer Fußball. Liebend gerne legten sich beide mit den „Großkopferten“ aus der Bezirkshauptstadt Augsburg an, die sie liebevoll die „Datschiburger“ nannten. Mit Manfred Güller und Armin Klughammer lieferten sie sich bei den Tagungen in Irsee heiße Wortgefechte. Manfred Rapp/AZ-Archiv
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Seine Pfeife war lange das Markenzeichen von Helmut Weihele… Hermann Ernst/AZ-Archiv
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… ebenso wie seine weiße Helmut-Schön-Mütze, die jahrzehntelang sein Haupt bedeckte. „Die trag ich seit 1961, als ich in einer Baustoff-Firma gearbeitet habe“, sagte Weihele 1997, als das gute Stück schon 36 Jahre alt war. Erika Bachmann/AZ-Archiv
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Nach 33 Jahren als Spielgruppenleiter war 2006 Schluss. Weihele wurde bei seiner Verabschiedung im Kemptener Stift mit höchsten Weihe(le)n geehrt. Nachdem er landläufig als „der König vom Allgäu“ bezeichnet wurde, gab’s zum Abschied standesgemäß die Insignien der Macht: einen Umhang, ein Zepter und eine Krone. Seine Gattin Herta (links), die er gerne als „Regierung“ bezeichnete, nahm’s mit Humor. Hermann Ernst/AZ-Archiv
Ganz zurückziehen aufs Altenteil wollte sich Weihele aber nicht. Als Bezirksehrenamtsreferent des Bayerischen Fußballverbandes warb er dafür, dass die ehrenamtliche Arbeit in den Sportvereinen entsprechend honoriert wird. Weihele war Stammgast bei Jahreshauptversammlungen, wo er zahlreiche Fußball-Abteilungen mit der silbernen oder goldenen Raute auszeichnete. Hier ein Foto aus dem Juni 2008 mit dem ebenfalls vor Kurzem verstorbenen Vorsitzenden des SV 29 Kempten, Gerhard Reichert (links). Eddi Nothelfer/AZ-Archiv
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Ein „richtig großes Ding“ in der Funktionärslaufbahn von Helmut Weihele war der Bezirksehrenamtstag 2008 in Kempten. Im vollbesetzten Kornhaus zeichnete Weihele die vielen „Helden des Alltags“ aus, ohne die ein Vereinsleben nicht funktionieren würde. Das war dem gebürtigen Bobinger ein ähnlich großes Anliegen wie zuvor in den 1970er-Jahren in die Integration der sogenannten Gastarbeiter-Vereine. AZ-Archiv
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Zu seinem 70. Geburtstag lud Weihele neben dem BLSV-Kreisvorsitzenden Benno Glas (links) auch seine „langjährigen Kollegen und Widersacher aus Augsburg“ Manfred „Mandi“ Güller (Zweiter von links) und Armin Klughammer (rechts) ein. Sein Spruch „Wir haben im Allgäu schon Hallenfußball gespielt, da hat Hannibal die Elefanten noch nach Augsburg getrieben“, durfte auch an diesem Abend nicht fehlen. Michael Oswald/AZ-Archiv
BFV-Mitarbeitertagung
Bei der BFV-Mitarbeitertagung im Ostallgäuer Irsee war Weihele jahrelang der Bruder Barnabas des schwäbischen Fußballs. Am Mikrofon bewies er auch im hohen Alter, hier ein Foto aus dem September 2012, noch sein kabarettistisches Talent. Walter Brugger/AZ-Archiv
2013 ließ Helmut Weihele auch das Amt des Ehrenamtsbeauftragten ruhen. Dieses Foto aus dem Oktober 2013 bei einer Ehrung in Marktoberdorf dürfte einer der letzten offizielle Auftritte von Weihele gewesen sein. Am vergangenen Dienstag verstarb Weihele im Alter von 78 Jahren in Kempten. Klaus Sorg/AZ-Archiv
Sportliche Karriere und Funktionärslaufbahn:
Jugendfußballer in verschiedenen Vereinen
Ringer 1962-68 beim SV 29 Kempten
Jugendleiter FC Kempten
Jugendleiter SV 29 Kempten
Spielausschussvorsitzender FC Kempten, ab 1972 Spielgruppenleiter (bis 2006)
ein halbes Jahr kommissarischer Vorsitzender FC Kempten (1980)
Organisationsleiter Deutscher Sportbund und BLSV
Bezirks-Ehrenamtsreferent BFV (1997 bis 2014).
Auszeichnungen: 
BLSV-Ehrennadel in Gold mit goldenem Lorbeerblatt (2013)
Goldene Verbandsnadel des Bayerischen Fußball-Verbandes (2010)

Auch jetzt ist Weihele leise gegangen. Wie die Familie am Mittwoch der AZ bestätigte, starb Helmut Weihele am Dienstag nach einer kurzen, aber schweren Krebserkrankung im Alter von 78 Jahren. Er hinterlässt seine Frau Herta, eine Tochter, drei Enkel und vier Urenkel.

Weihele prägte den Allgäuer Fußball in den vergangenen Jahrzehnten wie kein Zweiter. 1972 übernahm er, nachdem seine aktive Fußballer-Karriere mit einem Schien- und Wadenbeinbruch und sein Ausflug ins Ringer-Metier mit einer schweren Schulterverletzung frühzeitig geendet hatten, das Amt des Spielgruppenleiters.

Damals für die A-Klasse Süd und drei weitere unterklassigen Ligen. 33 Jahre lang wertete er Spielberichtsbögen aus, erstellte Statistiken und Terminpläne und führte die Allgäuer Vereine mit harter, aber stets fairer Hand. Klubs, die beispielsweise am Sonntag keine aktuellen Ergebnisse und Berichte an die Zeitung weitergaben, belegte er mit einer Geldstrafe und besuchte zur Wiedergutmachung viele Jahre lang am Saisonende die AZ-Sportredaktion und tischte warmen Leberkäs’, frische Brezen und brandheiße G’schichten auf.

„Wie er die Vereine im Griff hatte, war sensationell“, sagte gestern der Kemptener Siegfried Irl, der als Schiedsrichter-Obmann ein langjähriger Wegbegleiter und Freund von Weihele war. Unvergesslich sind für Irl die vielen humorigen Stunden mit Weihele.

Der gebürtige Bobinger, der schon im Alter von fünf Jahren nach Kempten kam, später in einer Baustoff-Firma und dann lange als Hausmeister an einer Kemptener Schule arbeitete, hatte sich in seiner Funktionärslaufbahn viele hohe Verbandsauszeichnungen erworben.

Richtig stolz aber war er auf den Titel „Fußball-König vom Allgäu“, den ihm seine „hoch geschätzten Verbandskollegen aus der Bezirkshauptstadt Augsburg“ mal verpassten. Fürwahr, mit den „Datschiburgern“ legte sich Weihele verbal gerne an.

Wegen seiner Scharmützel bei der alljährlichen Mitarbeiter-Tagung im Kloster Irsee wurde er gar „Bruder Barnabas des schwäbischen Fußballs“ genannt. Weihele bewies großes komödiantisches Talent. Legendär bleibt sein Ausspruch: „Wir im Allgäu haben schon Hallenfußball gespielt, da hat Hannibal die Elefanten noch durch Augsburg getrieben.“ Ja, so war er, „d’r Weihele“.

Die Trauerfeier findet am Dienstag, 28. Mai, um 14.30 Uhr auf dem Friedhof in Kempten-Sankt Mang statt. 
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