Sebastian Gschwend
29.11.2019 Sport & Action

Der Allgäu-Lewandowski: Vier Tore in 15 Minuten? Basti braucht dafür nur fünf!

Ja, das war schon außergewöhnlich für alle FC Bayern-Fans: Quasi im Alleingang erlegte Torjäger Robert Lewandowski unter der Woche Roter Stern Belgrad in der Champions League: In nicht einmal 15 Minuten schoss der Pole vier Tore - Rekord in der Königsklasse. Und dennoch sagen wir Allgäuer da: Pffff - wir haben unseren eigenen Allgäu-Lewandowski! Sebastian Gschwend vom TV Hindelang traf in der A-Klasse-Partie gegen den FC Immenstadt II vier Mal in nur fünf Minuten - und schoss in der Partie noch drei weitere Tore. Auch die sonstigen Statistiken des 31-Jährigen sind so beeindruckend, dass wir Dir den Allgäu-Lewy hier vorstellen.

Schon Kommentator Werner Hansch hatte so seine Probleme mit Zahlen. „Ja, Statistiken. Aber welche Statistik stimmt schon? Nach der Statistik ist jeder vierte Mensch ein Chinese, aber hier laufen 22 Spieler rum und keiner ist Chinese“, hatte die TV-Legende einst erleuchtet erkannt. Nun haben FC-Bayern-Stürmer Robert Lewandowski und Sebastian Gschwend vom TV Hindelang nachweislich keine asiatischen Wurzeln. Und doch dürften beide dieser Tage sehr stark an Zahlen und Statistiken hängen.

Mit seinem Viererpack am vergangenen Champions League-Spieltag bei Roter Stern Belgrad hat Robert Lewandowski einmal mehr Geschichte geschrieben. Für die vier Tore in der serbischen Hauptstadt hat der 31-jährige Pole exakt 14:31 Minuten benötigt – eine Bestmarke in der Königsklasse. „Dass Lewy vier Tore gemacht hat, wäre außergewöhnlich, wenn es nicht öfter vorkommen würde, dass er viele Tore schießt“, sagte Teamkollege Thomas Müller nach dem Belgrad-Spiel. Nun hatte Lewandowski für seinen berühmten Fünferpack im September 2015 gegen den VfL Wolfsburg bekanntlich nur neun Minuten gebraucht.

Und doch wurde der siebenmalige Fußballer des Jahres Polens vor zwei Wochen von einem Ostrachtaler Urgestein überholt.

Sebastian Gschwend vom TV Hindelang traf in der A-Klasse-Partie gegen den FC Immenstadt II gar sieben Mal und schnürte einen Viererpack zwischen der 44. und 49. Minute innerhalb von nur fünf Minuten – Halbzeitpause außen vor.

Der Vergleich - Gschwend vs. Lewandowski: eine Kiste Bier vs. 20 Millionen Euro
Basti Gschwend
>> Geburtsdatum: 7. Dezember 1988
>> Größe/Gewicht: 1,77 m/73 kg
>> Bisherige Vereine: TV Hindelang (seit 1994)
>> Statistik beim TVH: 166 Tore in 161 Spielen
>> Teamprämie pro Tor: Eine Kiste Bier für jeden Dreierpack und für jedes „Foto in der Zeitung“; keine Torprämie vom Verein
Robert Lewandowski
>> Geburtsdatum: 21. August 1988
>> Größe/Gewicht: 1,84 m/80 kg
>> Profivereine: Z. Pruszkow (2006 bis 2008), L. Posen (2008 bis 2010), Bor. Dortmund (bis 2014), FC Bayern (seit 2014)
>> Statistik beim FCB: 218 Tore in 262 Spielen
>> Gehalt: 20 Millionen Euro (brutto Jahresgehalt)
*Quellen: transfermarkt.de; fupa.net

Freilich, Bundesliga-Star Lewandowski und A-Klasse-Torjäger Gschwend trennen spielerisch neun Ligen – auch nur so eine Ziffer – die Zahlen des 31-jährigen Hindelangers sind allerdings außergewöhnlich: Traf Gschwend noch in der Vorsaison in 26 Spielen 27 mal, so kommt er heuer nach 14 Partien auf satte 30 Tore – zusätzlich zu 13 Assists. „Es läuft brutal zur Zeit, aber man muss es auch einordnen können. Es stimmt viel im Moment, die Jungs arbeiten für mich, ich schieße alle Elfmeter und wir treffen viel gegen zweite Mannschaften“, sagt Gschwend. Den Vergleich mit Lewandowski scheut er bescheiden: „Ich bin beeindruckt von dem, wie Lewandowski körperlich drauf ist – er ist eine Maschine und hat einen wahnsinnigen Torriecher.“

Ich bin beeindruckt von dem, wie Lewandowski körperlich drauf ist – er ist eine Maschine und hat einen wahnsinnigen Torriecher.
Basti Gschwend über seinen Torjäger-Kollegen

Dabei ist Gschwend gelernter Verteidiger – unter Trainer Fritz Blanz wird er beim TV Hindelang, bei dem er seit seinen ersten Dribblings im Alter von sechs Jahren alle Jugendmannschaften durchlaufen hat, meist im Mittelfeld eingesetzt. „In der Jugend war ich Verteidiger, bin aber nach und nach über den Vorstopper immer mehr nach vorne gerückt“, erzählt der junge Familienvater. „Vor ein paar Jahren hätte ich mich als Flügel gesehen, aber ich fühle mich wohl, wenn ich direkt vorne spiele.“ Das sieht Trainer Fritz Blanz, mit dessen Amtsübernahme vor fünf Jahren erstaunlicherweise auch Gschwends Höhenflug begann, etwas anders.

Einmal Hindelanger, immer Hindelanger

„Basti ist unglaublich variabel einsetzbar. Zur Zeit startet er oft als Stürmer, aber ich kann ihn immer zurückziehen, dorthin, wo ich ihn brauche“, sagt der 64-jährige Blanz. „Er geht wahnsinnig weite Wege und vor allem geht er immer dorthin, wo es weh tut. Als Kapitän und als Typ, ist er Gold wert für unsere Mannschaft. Aber er steht abseits des Platzes total ungern im Mittelpunkt.“

Bodenständig, selbstkritisch, bescheiden, durch und durch Hindelanger. „Einmal TVH, immer TVH“, beantwortet Gschwend die Frage danach, ob er sich jemals berufen gefühlt hätte, für einen höherklassig spielenden Verein aufzulaufen – und stellt die Gegenfrage: „Außerdem: Welcher Verein sucht einen Ü30-Spieler mit dem Antritt von Per Mertesacker?“

Übrigens: Exakt 108 Tage trennen den etwas älteren Bayern-Lewandowski vom dreieinhalb Monate jüngeren Allgäu-Lewandowski – ebenso weit, nämlich 108 Kilometer, liegt der Hindelanger Ortskern Luftlinie von der Säbener Straße, Trainingsstätte des FCB entfernt. Doch genug der Zahlenspiele – so handhabt es nämlich auch der Ostrachtaler Torjäger bei der Frage nach dem weiteren Verlauf seiner fußballerischen Laufbahn. „Ich sage zu meiner Frau immer: Ich spiele so lange, ich Spaß mit den Jungs habe und so lange, wie es mein Körper mitmacht“, sagt Sebastian Gschwend im Frühherbst der Karriere. „In welchem Alter ich dann bin, spielt keine Rolle.“ Richtig, das Alter ist ja auch nur eine Zahl.

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