allgaeu.life-mystery
12.12.2018 Land & Leute

Das seltsame Rasenkreuz in Meggen

Es ist 3,30 Meter lang, 1,60 Meter breit - und sieht aus wie ins grüne Gras gebrannt: das Rasenkreuz in Meggen (baden-württembergisches Allgäu) ist seit über vierzig Jahren ein mysteriöser Ort. Die einen sehen das seltsame Bodenbild als himmlisches Zeichen und pilgern zur dortigen Kultstätte. Andere sind sich sicher, dass das Rasenkreuz einen irdischen Urpsprung hat. In der Serie allgaeu.life-mystery haben wir den Ort besucht.

Ein Fußweg führt zum Rasenkreuz auf einer idyllischen Wiese bei Meggen. Pilger nutzen die letzten Meter bis zum angeblichen Wunder-Ort zur inneren Einkehr. Sie beten drei Ave Maria. An manchen Tagen kommen über 100 Gläubige, berichten Anwohner. Längst ist um das Rasenkreuz eine Kultstätte mit Andachtsraum, Blumenschmuck und Votivtafeln entstanden. Wie ernst es den Anhängern der Wunder-Theorie ist, stellt ein stählerne Tafel klar: "Das ist ein Heiliges Kreuz und ein Heiliger Boden." 

Dahinter ist das Rasenkreuz - geschützt durch Gitterstäbe - zu erkennen. Zentimeter tief ist es in den Boden gefurcht. Die Maße (3,30 m lang, 1,60 m breit mit einer Balkenbreite von 20 cm) interpretieren die Verehrer als besonderes Zeichen. "Aus römischen Akten weiß man, dass  die Hinrichtungskreuze damals genau die Maße zeigten (...)", behaupten die Anhänger in einer Broschüre.

Doch wie kam das Kreuzzeichen in den Allgäuer Boden?

Hier gehen die Meinungen krass auseinander. Für die Anhänger der Wunder-Theorie hat alles mit einer Prophezeiung zu tun. So habe der bekannte Allgäuer Pfarrer Augustinus Hieber kurz vor seinem Tod 1968 vorhergesagt, dass nach seinem Tod in der Pfarrei Merazhofen (wozu Meggen gehört) ein Wunder geschehen werde.

Als vier Jahre später ein Allgäuer Bauernbub das Rasenkreuz beim Aufstellen von Mausefallen entdeckte, schien der Beweis erbacht. Das angebliche Wunderkreuz lockte schon bald scharenweise Neugierige und Pilger an. "Da kamen ganze Busse voll", erinnert sich ein Anwohner. Viele Besucher erhoffen sich bis heute Heilung und geistige Inspiration an diesem mysteriösen Ort.

Mit Vehemenz verteidigen sie bis heute das angeblich göttliche Zeichen gegen jeglichen Widerspruch. Und der rührte sich schon bald. Das Rasenkreuz wird von der zuständigen Diözese Rottenburg-Stuttgart nämlich nicht als Wunder anerkannt. Von einer ganz und gar irdischen Erklärung war damals stattdessen der Schwäbischen Zeitung zu lesen.

Eine Bodenprobe im Auftrag des zuständigen Dekans soll im Oktober 1972 ergeben haben, dass das Erdreich auf den Linien des Kreuzes überdüngt war. Mit anderen Worten: Es konnte dort kein Gras mehr wachsen. 

Doch wer war dann der Verursacher des Kreuzes? Ein Scherzbold? Oder etwa ein streng Gläubiger, der ein Zeichen setzen wollte? Oder war am Schluss gar die Erdstrahlung beteiligt? Im Ort jedenfalls erinnert man sich an einen Wünschelrutengänger, der diese Theorie ins Spiel brachte, nachdem er den umstrittenen Ort abgelaufen war.

Fragt sich nur: Was weiß der Junge, der das Kreuz damals als Erster sah? Kann er sich an irgendwelche weiteren Spuren erinnern? allgaeu.life spürte den Entdecker auf. Er lebt mittlerweile an einem anderen Ort. Mit Reportern will er nicht sprechen, sagt er am Telefon. Nur so viel: "Man kann nicht alles zwischen Himmel und Erde erklären. Was man glaubt, bleibt jedem selbst überlassen." Als ich ihn frage, ob er es für denkbar hält, dass Rasenkreuz in den Boden gemäht wurde, beendet er das Gespräch.

Die Spekulationen über das Rasenkreuz von Meggen gehen dagegen weiter.

Weitere Artikel