"The Voice Senior"-Sieger
08.01.2019 Sehen & Hören

Dan Lucas im allgaeu.life-Interview: Ich bleibe "Helter Skelter" treu!

AZ
Über ihn spricht das Allgäu: Sänger Dan Lucas (64), der mit bärenstarken Auftritten die TV-Castingshow "The Voice Senior" gewonnen hat. In unserer Region ist der kernige Rocker seit langem als einer der Frontmänner der Band "Helter Skelter" bekannt. Die Classic-Rock-Combo um Gründer Peter Schreiner (Memmingen) und Saxofonistin Andrea Emser (Oberstaufen) gilt als eine der besten deutschen Coverbands. Erst an Weihnachten spielten sie ein ausverkauftes Konzert im Memminger Kaminwerk, am 13. April steht eine Show in der Big Box in Kempten an. Mit Dan Lucas? Bleibt der sympathische Sänger nach seinem großen TV-Erfolg an Bord? Darüber hat er mit allgaeu.life gesprochen...

Frage: Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Sieg! Hast Du ihn rockstarmäßig gefeiert?

Dan Lucas: Natürlich! (lacht) Wir haben bis morgens um halb vier in der Hotel-Lobby einen draufgemacht. In Berlin-Adlershof, wo die Sendung aufgenommen wurde, ist nicht viel los. Also sind wir zurück ins Hotel und haben dort gefeiert. Meine Familie war dabei, Sängerin Angelika Mann, die mich zur Teilnahme an der Show überredet hatte, und aus dem Allgäu mein Bandkumpel Peter Schreiner mit seiner Frau.

Was sagen Deine "Helter Skelter"-Kollegen zu Deinem Triumph?

Dan Lucas: Na, was denkst Du denn, was die sagen...? Die haben alle mitgefiebert und freuen sich riesig für mich! (Das Telefon klingelt, Dan entschuldigt sich und unterbricht das Interview kurz) ... So, das war gerade das Seniorenmagazin aus Hamburg. (lacht) Seit Freitag ist bei mir die Hölle los!

Zur Person: Dan Lucas kam 1954 in der ehemaligen DDR als Lutz Salzwedel zur Welt. Anfang der 1980er-Jahre war er Sänger der populären DDR-Band Karussell und nutzte 1985 ein Konzert in Westdeutschland zur Flucht. Sein Song "Heart of America" wurde in den 90ern für eine McDonalds-Werbung verwendet. Mit bekannten Gastmusikern (Robin Beck, Michael Landau u.a.) nahm er in Kalifornien das Album "2000!" auf. Seit 2011 ist er Sänger und Gitarrist bei der Allgäuer Band "Helter Skelter", die Classic Rock der späten 1960er, der 1970er und der frühen 1980er Jahre spielt. Lucas lebt in Dachau bei München. 

Hast Du schon Angebote von Produzenten und anderen Musikern bekommen?

Dan Lucas: Ja, unter anderem von einem Musical-Agenten und von zwei Produzenten aus Holland. Ich werde das jetzt alles in Ruhe sortieren und mir überlegen, was ich mache. Schließlich nimmt "Helter Skelter" auch 2019 viel Zeit in Anspruch.

Da müssen sich die Fans also keine Sorgen machen? Gerade in unserer Region haben einige befürchtet, dass Du nach Deinem "The Voice"-Erfolg nicht mehr viel Zeit für die Band hast...

Dan Lucas: Nein, nein, da ist alles sicher, unsere "Helter Skelter"-Tour 2019 (u.a. mit Terminen in Ulm, Kempten, Oberstaufen, Erolzheim, Memmingen) ist safe - da habe ich schon dafür gesorgt! Die Band ist seit über sieben Jahren ein wichtiger Lebensbestandteil und Herzensache von mir. Das läuft alles parallel weiter und wird nicht unter anderen Projekten leiden.

Du hast in Deiner Karriere viel erlebt, unter anderem Deine Flucht aus der DDR 1985 und musikalische Erfolge in Nordamerika mit Kooperationen mit Sängerin Robin Beck oder Produzent Desmond Child. Welchen Stellenwert hat dieser Sieg bei "The Voice Senior" für Dich?

Dan Lucas: Einen sehr hohen Stellenwert. Bei mir wird ja alles immer ein bisschen auf meine DDR-Zeit mit "Karussell" (hier ein Video aus dem Jahr 1983) und auf die Zeit mit "Karo" nach meiner Flucht reduziert. Aber ich habe in den 90ern auch in Kanada und den USA Musik gemacht und in Los Angeles das Album "2000!" aufgenommen, das für mich sehr wichtig ist. Jetzt, nach "The Voice Senior", bekomme ich wieder viele schöne Reaktionen.

Dan Lucas & Helter Skelter: "Boys of Summer" live

Nach dem Finale gab es viel Fan-Kritik, weil beim Live-Entscheid kaum noch Publikum und vor allem auch die Jury nicht mehr anwesend war. Wie hast Du das empfunden?

Dan Lucas: Das ist blöd gelaufen und hätte vom Sender anders rübergebracht werden müssen. Die hätten schon im Vorfeld sagen müssen, dass es gar nicht anders geht. Mein Coach Sasha beispielsweise hatte am Wochenende Geburtstag. Der ist aus allen Wolken gefallen und hat gedacht, er tickt nicht mehr richtig, weil er in den sozialen Netzwerken plötzlich von einigen übel beschimpft wurde, weshalb er nicht beim Finale war...

Zwischen Euch ist aber alles gut? 

Dan Lucas: Natürlich! Er tut mir deshalb auch ein bisschen leid. Früher hat man sich so was auf der Straße oder in der Kneipe ins Gesicht gesagt, heute findet das alles anonym im Internet statt. Das finde ich nicht gut. Ich habe Sasha am Wochenende zu seinem Geburtstag gratuliert und er mir zu meinem Sieg. Gerade vorher haben wir wieder telefoniert. Ich darf nicht zu viel verraten, aber wir bleiben in Kontakt und werden eines Tages auch gemeinsam auf der Bühne stehen!

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