Landrat dafür
06.11.2019 Hier & Heute

Bus und Bahn: Kommt das 100-Euro-Jahresticket im Oberallgäu?

Ein neues Zeitalter des öffentlichen Verkehrs soll nächstes Jahr für die Menschen im Oberallgäu anbrechen. Landrat Anton Klotz hält an dem Ziel fest, der Landkreis-Bevölkerung ein 100-Euro-Ticket anzubieten, das ein Jahr lang für Bus- und Bahnfahrten im Oberallgäu gilt. Am Donnerstag (7.11.) soll der Kreistag darüber entscheiden.

Klotz ist optimistisch. In seinen zwölf Jahren als Landrat und Vize habe er bei keinem Kreisprojekt im Vorfeld so viel Zustimmung erfahren – parteiübergreifend und aus der Bevölkerung. Nicht in diesem Boot sitzen derzeit noch die Kemptener.

Dennoch will Klotz „den großen Wurf wagen“ und sagt zugleich, dass es nur ein erster Schritt ist. Weitere sollen folgen, um den öffentlichen Verkehr zu stärken. Der erste Schritt soll ein grundlegendes Problem anpacken: die Vielfalt der Ticketarten. Aktuell gibt es etwa ein Dutzend wie etwa Job-, Einzel-, Schüler- und Monatstickets. Man wolle ein einfaches, günstiges Angebot, das überall im Oberallgäu gilt.

Die Hoffnung: So lassen sich auch mehr Gelegenheitsfahrer motivieren, öfter das Auto stehen zu lassen. „Die Erfahrung zeigt, dass weit mehr Menschen in Bus und Bahn umsteigen, wenn es deutlich günstiger wird“, sagt Klotz. Dabei hat er ähnliche Angebote im Blick, die freilich alle nicht so weit gehen wie das Oberallgäuer Vorhaben.

Die Erfahrung zeigt, dass weit mehr Menschen in Bus und Bahn umsteigen, wenn es deutlich günstiger wird.
Landrat Anton Klotz

Gutachten: Im Oberallgäu könnten laut Gutachter 80 Prozent der Nutzer von Wochen- und Monatstickets aufs neue Ticket umschwenken. Bei Kunden mit Einzel- und Tageskarten dürfte es die Hälfte sein. Unterm Strich erwartet er bei Erwachsenen bis zu 30 Prozent mehr Fahrgäste, 2.900 neue Abonnenten und damit etwa 600.000 zusätzliche Fahrten.

Projektstart: Vorausgesetzt, der Kreistag spielt mit: Eingeführt wird das 100-Euro-Ticket wohl erst zum 1. April 2020. Laut Klotz sind noch viele Gespräche und Feinabstimmungen nötig. Beispielsweise ist zu klären, wie das bei Busfahrten läuft, die über die Landkreisgrenze hinaus führen. Wobei der Laie das einfach lösen würde: Das Ticket gilt halt bis zur letzten Haltestelle im Landkreis.

Wer kriegt’s: Kaufen können das Ticket laut Landrat alle Oberallgäuer. Die Jahreskarten werden personalisiert und sind nicht übertragbar. Dass das Kemptenern stinken könnte, die öfter ins südliche Oberallgäu fahren, ist Klotz bewusst. Er geht davon aus, dass sich nach dem ersten Schritt auch mit Kempten eine Lösung findet. Denn eigentlich hätte das 100-Euro-Ticket ja zusammen mit Kempten viel mehr Sinn. Deshalb habe er das bereits im April im Aufsichtsrat der Mobilitätsgesellschaft „Mona“ angesprochen, sagt Klotz. Doch Kemptens OB Thomas Kiechle setzt auf eine größere Lösung, die das Ostallgäu einbindet (alles dazu hier).

Finanzierung: Klotz rechnet damit, dass das 100-Euro-Ticket unterm Strich den Landkreis etwa 1,5 Millionen Euro pro Jahr kostet, denn man müsse ja Einnahmerückgänge bei Busunternehmern und Bahn ausgleichen. Der Betrag errechnet sich aus gesunkenen Verkaufserlösen für bisherige Ticketvarianten, Schülerverkehr und Bahn – abzüglich der Erlöse für das neue Ticket. Unterstützung gibt es da auch außerhalb der CSU: Die Kreistagsfraktion der Freien Wähler hat beantragt, einen Punkt der von den Gemeinden zu zahlenden Kreisumlage für den öffentlichen Verkehr bereitzustellen. Das wären nächstes Jahr 1,75 Millionen Euro. 200.000 Euro davon sollen für ein zusätzlich gesponsortes Kombi-Ticket zur Ski-WM dienen. Mittelfristig sieht Klotz den Freistaat gefordert, das Oberallgäu zu unterstützen.

Mehr Busse: Sollte der Landkreis nicht erst mehr Busse auf die Strecken schicken? Man müsse im ersten Schritt mit dem neuen Ticket die fahrenden Busse vollmachen, in denen oft viel zu wenig Passagiere sitzen, findet der Landrat. Die Busse im Oberallgäu brächten es auf 4,5 Millionen „Nutzwagen-Kilometer“ im Jahr und bedienten 780 Haltestellen. Gleichwohl will Klotz zudem eine Strategie für attraktivere Fahrpläne. Auch das solle der Kreistag am Freitag beschließen.

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