Redaktionsleiter schreibt
24.03.2020 Land & Leute

Brief an ...: "Liebe Senioren"

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Der „Brief an ...“ ist eine neue Rubrik der Allgäuer Zeitung. Wir möchten in diesem Format ganz persönlich Menschen loben, tadeln, ihnen Glück wünschen oder sie, wie heute, an die Kraft der Vernunft zu erinnern.

Liebe Senioren,

für viele von Ihnen ist diese Situation eine besondere Herausforderung. Sie gehören zu den „Risikogruppen“, also zu den Menschen, für die das neuartige Corona-Virus besonders gefährlich ist. Deshalb sollen Sie sehr achtsam sein, nach Möglichkeit daheim bleiben. Gleichzeitig sollen Ihre Kinder und Enkel nicht mehr zu den üblichen und für Sie so wichtigen Besuchen kommen, weil sie das Virus übertragen könnten.

Für viele ältere Menschen bedeutet das mehr Einsamkeit, und das in einer Phase, die ohnehin schon belastend ist. Die Ereignisse in der unmittelbaren Umgebung tragen nicht zur Beruhigung bei, das gilt auch für die schrecklichen Bilder aus italienischen Krankenhäusern, die seit Tagen in den Nachrichtensendungen gezeigt werden. Auch für Kinder und Enkel ist die Situation belastend, gerade, wenn die Großeltern krank sind.

Was hilft nun? Viele Kommunen und Institutionen haben Sorgentelefone eingerichtet. Diese sind eine gute Anlaufstelle für Senioren, die Fragen haben oder einfach mal mit jemandem sprechen möchten.

Wir alle können etwas tun

Wir alle können aber auch etwas tun: Die älteren Nachbarn einfach mal wieder anrufen, Hilfe anbieten und signalisieren, dass wir da sind. Viele ältere Menschen sind im Umgang mit sozialen Medien nicht so firm, dass sie darüber Kontakt halten können. Aber jedes Telefon funktioniert in zwei Richtungen: Auch Sie, liebe Senioren, müssen den Draht zu anderen suchen.

Von einem russischen Oppositionellen, der lange in Isolation leben musste, habe ich folgenden Rat gehört: „Bereiten Sie sich jeden Tag selbst eine Freude, gönnen Sie sich etwas Besonderes.“ Das möchte ich ergänzen: Machen Sie Pläne für die Zeit danach. Diese Corona-Isolation wird enden. Wissen Sie schon, was Sie danach als erstes tun?

Uli Hagemeier

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