Mountainbike
10.08.2018 Sport & Action

Bravissimo! Italienische Fans feiern Nadine Rieder bei Sieg über 100 Kilometer

Nadine Rieder deklassiert beim Alta-Valtellina-Marathon in Bormio die Konkurrenz. Die Sonthoferin absolviert über die Hälfte der Strecke in einer furiosen Solofahrt. Welches Ziel sich die 28-Jährige deshalb nun steckt, erfährst Du hier.

Sie kann’s auch auf der „Langen“. Auf der Zielgeraden der Saison hat Mountainbikerin Nadine Rieder ihre Top-Form wieder erlangt – und dabei richtig langen Atem bewiesen. Die 28-jährige Sonthoferin hat den 10. Alta-Valtellina Bike-Marathon in Bormio gewonnen und wurde fünf Tage später auch noch Dritte beim dreitägigen „Ironbike-Festival“, einem UCI-Etappenrennen in Ischgl.

In Bormio hatte die Athletin von „AMG-Rotwild“ nach 100 Kilometern und über 3200 Höhenmeter triumphiert – und dabei die Konkurrenz vorgeführt: „Ich bin so glücklich, dass ich bei diesem Rennen so klar gewonnen habe“, sagt Rieder: „Die Strecke ist bekannt für viele lange Anstiege – direkt nach dem Start geht es 10 Kilometer in eine Steigung mit fast 800 Höhenmetern. Da verändert sich in der Luft durch die Höhe sehr viel.“ Rieder scheint das nichts ausgemacht zu haben.

Denn die Sonthoferin, die 2016 nach drei Stunden eingebrochen war und im Vorjahr wegen einer Verletzung nicht starten konnte, hat gelernt. „Ich habe mir vorgenommen, dass ich viel esse, nur auf meinen Rhythmus schaue, sodass ich konstant durchfahren kann“, erzählt Rieder. Nach dem ersten Anstieg war sie schon Zweite und nach der ersten Abfahrt lag die zweimalige deutsche Meisterin im Eliminator-Sprint sogar in Führung – und das nach 30 Kilometern. Das sollte sich bis ins Ziel nicht mehr ändern.

„Ich habe nur versucht, wie geplant mein Tempo zu halten – und plötzlich war niemand mehr hinter mir. Da habe ich gemerkt, dass es an diesem Tag gut geht“, sagt Rieder. Es folgte ein wahres Meisterstück der Ausnahme-Fahrerin – mit einem furiosen Soloritt ab Kilometer 50 bis ins Ziel.

Dabei habe ihr die tropische Hitze am Fuße der Alpen nichts ausgemacht, wie Rieder erzählt. „Mir ging es sogar gut, weil ich alleine war. So musste ich mich nicht an anderen orientieren. Ich war nur auf mich fixiert und habe die Hitze überhaupt nicht gespürt. Ich habe es einfach genossen“, sagt die Sonthoferin: „Höchstens ein paar Männer habe ich mal gesehen, die ab und zu geschoben haben.“ Für den Rest des Husarenrittes aber war Rieder alleine.

„Es war ein unglaubliches Gefühl, mehr als die halbe Strecke vorne zu fahren. Alle Zuschauer haben mir mit „Prima Donna“ zugejubelt und das hat extra motiviert“, freute sich Rieder. Umso schöner war das Gefühl, als sie nach 5:26 Stunden mit acht Minuten Vorsprung im Ziel in „ihrer Stadt“ eingefahren ist – immerhin ist die 28-Jährige offizielle Botschafterin von Bormio. „Die Atmosphäre und Organisation ist perfekt. Für mich fühlt es sich jedes Mal wie ein Abenteuer an, mitten in der Saison solch lange Kurse zu absolvieren. Die Landschaft ist einfach umwerfend“, schwärmte Rieder von dem Rennen unter 2800 Athleten.

Dass die Sonthoferin zweieinhalb Monate nach ihrem Schlüsselbeinbruch im schweizerischen Solothurn Anfang Mai wieder in derartiger Top-Verfassung ist, überrascht dabei allerdings nicht. Immerhin holte die 28-Jährige jüngst bereits Bronze bei der deutschen Meisterschaft im Eliminator-Sprint. Und nur vier Tage nach dem „Coup von Bormio“ legte sie nach.

Beim dreitätigen Etappenrennen in Ischgl holte sie im Nachtsprint nach 7,5 Kilometer und 1000 Höhenmeter Rang fünf, ebenso wie beim Massenstart am zweiten Tag im 25-Minuten-Rennen. Am Schlusstag arbeitete sie sich beim Rennen über 75 Kilometer und 3700 Höhenmeter letztlich noch auf Rang drei vor – und das im Feld unter Welt- und Europameisterinnen.

"Die Pause hat meinem Körper gut getan." Nadine Rieder über die Genesung nach ihrem Schlüsselbeinnbruch

Und während ein Großteil der Konkurrenz allmählich die Strapazen der Saison spüren dürfte, fühlt sich Rieders Körper „komischerweise total gut und fit an.“ Grund könnte mitunter die unfreiwillige Pause nach dem Schlüsselbeinbruch im Mai gewesen sein. „Der Formaufbau war ja abgeschlossen und diese Pause hat meinem Körper sicher gutgetan. Auch vom Kopf her fühle ich mich richtig frisch, also hatte es auch Vorteile“, sagt Rieder. Davon kann sie noch in diesem Sommer zehren.

Während sie am Wochenende bei der deutschen Enduro-Meisterschaft und am 25. August noch einmal bei einem Weltcup im französischen La Bresse angreift, wartet noch ein Höhepunkt: Ab 15. September steht die Marathon-WM im italienischen Auronzo di Cadore an. Für die Sprintexpertin eine unverhoffte Medaillenchance? „Auf einmal ja“, sagt Nadine Rieder lachend und fügt an: „Ich habe jetzt gesehen, dass ich auch auf der Langstrecke gut unterwegs sein kann."

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