Mit Handy und Heugabel
05.02.2019 Land & Leute

Bio-Bauer Franz: "Warum ich aus meinem Allgäuer Kuhstall blogge!"

Sein Handy ist ihm so wichtig wie die Heugabel! Bio-Bauer Franz Kinker (53) aus Roßhaupten bloggt, filmt und postet aus dem Kuhstall. Mit seinen Social-Media-Beiträgen will er zu einer größeren Wertschätzung der Landwirtschaft beitragen. Obendrein macht es ihm tierisch Spaß mit seinen Followern auf Insta, Facebook  oder Youtube zu kommunizieren. Was dem kreativen Kopf wichtig ist und wie er seine Kühe zu TV-Stars machte, erfährst Du hier.

Stalltür öffne Dich - und schon kann das Abenteuer beginnen. Die Kühe breschen nach draußen und toben mit "ihrem" Bauern Franz im meterhohen Schnee. Lustige Szenen inmitten einer wunderbaren Allgäuer Winterlandschaft. Wenig später landen sie auch schon im Netz. Der Sohn von Franz hat sie mit dem Handy gefilmt und mit einem Live-Kommentar versehen. "Die Leute mögen es, wenn sie miterleben, was bei uns alles passiert", sagt Bauer Franz Kinker, der mit dem Beitrag ein Stück Wirklichkeit auf seinem Hof dokumentiert. Seine Kühe kommen im Winter fast täglich eine Stunde raus an die frische Luft. "Die Tiere brauchen Sonne und Bewegung. Genau wie wir Menschen", ist der Landwirt (30 Milchkühe, 20 Jungrinder, 3 Kälble) überzeugt. 

Fast täglich postet der veheiratete Vater von zwei erwachsenen Kindern Beiträge über Menschen, Tiere und das Leben auf dem Berghof Kinker, einem über 300 Jahre alten Bauernhof, mit herrlichem Blick auf Ammergauer Alpen, Forggensee und Königsschlösser. In Sachen Neue Medien ist Bauer Franz, dessen Familie seit 1970 "Urlaub auf dem Bauernhof" anbietet, ein Profi. Sein Engagement geht weit über die obligatorische Homepage eines Allgäuer Ferienhofes hinaus. Er ist er viemehr auch auf FacebookInsta und Youtube aktiv. Sein erfolgreichstes Video (übers Silieren) hat knapp 25.000 Aufrufe.

Obendrein schreibt der Querdenker einen Blog, aus dessen Beiträgen ein Buch entstand: "Glücksgefühle to roll on." Über den Roten Teppich lief er mit seiner Frau Irmi auch schon. 2016 schaffte es Kinker in der Kategorie "Biolandwirt des Jahres" bis ins Finale des "Ceres Awards".     

"Mir liegt das Thema Öffentlichkeitsarbeit sehr am Herzen", sagt der Franz Kinker. "Uns Bauern hilft es, wenn wir in den Medien zeigen, was wir tun, und warum wir es tun. Das dient dem Vertrauen zueinander und der Wertschätzung unseres Berufes."

Statt auf Jammern setzt er auf Transparenz und positive Botschaften: "Mir macht meine Arbeit einfach Spaß", sagt er und fügt augenzwinkernd an: "Und ich bin für jeden Blödsinn zu haben." Zum Beispiel für eine winterliche Abfahrt auf einem Heuballen. Oder für ein Video über "Agro-Fitness". Urlaubsgäste, bevorzugt Städtler, toben sich bei Turnübgungen an Agrar-Geräten aus.  "Ist an der frischen Luft doch besser als in einem Studio", sagt Kinker schelmisch. 

Schon vor 21 Jahren hat die Familie auf "bio" umgestellt. Bereut hat sie diesen Schritt nie. "Wir stehen voll dahinter", sagt Franz Kinker. Er kämpft für eine nachhaltige Landwirtschaft mit regionalen Produkten und fairen Preisen. Aber nicht mit Belehrungen, sondern mit Begeisterung für die "saubere Sache". Sein Einfallsreichtum hilft dabei. Statt Chemie setzt der Bauer schon mal Urlaubsgäste zum Unkrautstechen auf der Weide ein: "Die genießen Natur und Gemeinschaftsgefühl. Und ich freu mich über die Hilfe. Das ist für alle eine Win-Win-Situation."   

Kurios auch diese Idee:  Bauer Franz vermietet seine zahmen Kühe für TV-Produktionen! Sie traten schon im Krimi "Mord im Königswinkel" auf oder in Werbespots für Hipp oder Hochland. Für seine Kuhstars hat er sogar eine eigene Internetseite ("TV-Kühe") eingerichtet. Die Zukunft im Blick hat er mit seiner neuesten Errungenschaft: Als einer der ersten Ferienhöfe in Deutschland bietet er eine Tesla-Ladestation für E-Autos an. Und der nächste Coup ist auch schon in der Pipeline: Bauer Franz will sich inmitten der Diesel-Diskussion das Siegel "feinstaubfreie Milch" patentieren lassen.   

Doch auch die Schattenseiten des Alltags thematisiert Bauer Franz: "Wenn zum Beispiel eine Kälble-Geburt schief geht, ist man als Bauer echt fertig." Er will, dass seine Follower ein realistisches Bild bekommen. "Wenn die Leute wissen, wieviel Arbeit in ihrem Essen steckt und wie viel wir Bauern investieren, sind sie bereit einen g'scheiten Preis dafür zu zahlen." 

Als Blogger sieht sich Franz Kinker übrigens durchaus in der Tradition der Allgäuer Mächler. So werden in unserer Region Leute bezeichnet, die mit Hingabe und Geschick ihr Handwerkszeug einsetzen, um neues zu schaffen.

Zum Handwerkszeug im Jahre 2019 gehören für ihn die digitalen Medien.    

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