Allgäuer Gründerinnen
18.12.2018 Land & Leute

Bienenwachstücher aus dem Allgäu: Diese Alternative zu Plastik solltest Du Dir anschauen

26 Millionen Tonnen Plastikmüll fallen jedes Jahr in den 28 EU-Mitgliedstaaten an. Jetzt, endlich, schreitet die Europäische Union ein und will bis 2021 alle Einweg-Plastikprodukte verbannen. Zwei Kaufbeurerin sind da schon längst weiter: Die Bienenwachstücher von Kristina Immerz (32) und Sandra Palazzolo (31) sind die umweltfreundliche Alternative zu Frischhaltefolie und Co.: handgemacht, natürlich, aber vor allem nachhaltig. An Weihnachten vor zwei Jahren kamen Kristina und Sandra auf die Idee, die Tücher in ihrem "Wabenwerk" selbst herzustellen. Wie sich seitdem ihr Leben verändert hat, erfährst Du hier.

„Ich habe seitdem nie wieder Frischhaltefolie verwendet“, meint Kristina Immerz. Was ursprünglich als Weihnachtsgeschenk gedacht war, ist heute Produkt eines erfolgreichen Kleinunternehmens. Zusammen mit ihrer Freundin Sandra Palazzolo führt Kristina „Wabenwerk Naturfolien“, stellt Bienenwachstücher zur Abdeckung von Gefäßen her. „Früher wurden Lagerkeller oder Regalböden damit ausgekleidet und natürlich Lebensmittel eingepackt“, erzählt Sandra. Die Freundinnen ließen diese Tradition wieder aufleben und sind nebenbei ein ausgezeichnetes Beispiel für Nachhaltigkeit.

Zunächst verschenkten sie die Tücher an Verwandte und Freunde. Mit deren positiver Reaktion und Unterstützung entwickelten sie die Verpackungen und nahmen mit ihrem Produkt zum ersten Mal an einem Markt teil. „Es kam einfach eins zum anderen.“ Spätestens da fiel den Freundinnen auf, dass sie mit dem Produkt den Nerv der Zeit getroffen hatten.

Mit einer Herzensangelegenheit den Nerv der Zeit getroffen

Heute sind sie Buchhalter, Vertriebler, Web-Designer und Einkäufer in einem. Neben Berufstätigkeit und Familie manchmal ein ziemlich stressiger Job, aber auch eine echte Herzenangelegenheit. 

„Als wir auf einem Markt nach einem Tag restlos ausverkauft waren, sind wir in die Werkstatt gefahren und haben in der Nacht neue Tücher hergestellt, um am nächsten Tag wieder am Stand zu stehen", erzählen sie. Mittlerweile gibt es die Naturfolien außer online auch in einigen Läden in Kaufbeuren und Umgebung.

Die Vorteile einer plastikfreien Verpackung liegen auf der Hand. Während Plastikfolie sehr lange zum Verrotten braucht oder als Mikroplastik im Meer endet, sind die Bienenwachstücher kompostierbar. Zum anderen wird auf Weichmacher oder Aluminiumpartikel verzichtet. Was bei der Produktion übrig bleibt, endet als Fackeln oder Ofenanzünder.

Zur Herstellung der Tücher wird der Baumwollstoff in heißem Bienenwachs getränkt. Das beziehen die Gründerinnen von Imkern aus der Region. Dazu kommt eine Mischung aus Kiefernharz, Jojobaöl, das die Tücher geschmeidiger macht und Propolis, welches antibakteriell wirkt und gut klebt.

Im Wachstuch länger frisch

Wenn das Bienenwachstuch abgenutzt ist, kann es im Backofen wieder eingeschmolzen werden, ansonsten genügt eine Reinigung mit Wasser. Die Haltbarkeit der Tücher ist abhängig davon, wie häufig sie genutzt werden, einige sind seit den Anfängen von Wabenwerk in Gebrauch. Feldsalat, Brot oder Käse bleiben laut Kristina und Sandra im Wachstuch länger frisch. Nur von rohem Fisch oder Fleisch sollte abgesehen werden.

Das traditionsbewusste Allgäu halten die Gründerinnen für einen guten Ort, um ihre Produkte anzubieten. Sie merken, dass Nachfrage und Bekanntheit in den letzten zwei Jahren gestiegen sind und vor allem junge Allgäuer versuchen, ökologisch zu handeln. Manche Jugendliche kaufen sich die Tücher von ihrem Taschengeld.

Über den Online-Shop werden die Produkte mittlerweile in den ganzen deutschsprachigen Raum versandt, eine Verkaufsstation befindet sich sogar auf der Nordseeinsel Pellworm. Den weitesten Weg machten die Tücher jedoch nach Alaska, als eine Kundin sie ihren Verwandten dort schickte.

Die nächste Idee der Gründerinnen ist schon geboren: Die beiden Ostallgäuerinnen könnten sich vorstellen, demnächst Bienenwachs-Lunchbeutel oder Bäckertüten anzubieten. Kristina und Sandra werden auf jeden Fall auch in Zukunft dem Plastik den Kampf ansagen.

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