Hintersteiner Mächler
30.01.2019 Sehen & Hören

Bevor es im Sperrmüll landet: Dieser Allgäuer baut aus Altholz gefragte Bilderrahmen

Das Material findet er im Sperrmüll. Seine Kunst ziert Wohnzimmer und Büroräume. Christian Müller (34) aus Hinterstein (Bad Hindelang) fertigt aus Altholz urige Bilderrahmen. Vor einem Jahr begann der Hobby-Handwerker damit in seiner eigenen Werkstatt. Mittlerweile hat er einen Online-Shop und Kunden weit über das Allgäu hinaus. Wie er auf seine nachhaltige Idee kam und zum Kleinunternehmer wurde, erfährst Du im allgaeu.life-Interview hier.

Wie bist Du darauf gekommen, aus Altholz Bilderrahmen zu schaffen? 

Christian: Das hat sich so ergeben. Ich komme eigentlich aus dem Metall-Bereich und bin gelernter Verfahrensmechaniker. Aber Holz hat mich immer interessiert. Vor einem Jahr konnte ich mir einen Kindheitstraum verwirklichen und durch einen Umbau eine Werkstatt im eigenen Haus einrichten. Da meine Partnerin und ich sehr gerne fotografieren, habe ich angefangen für den privaten Gebrauch Bilderrahmen zu bauen. Das hat mir riesigen Spaß gemacht...

... und wie wurde daraus ein Geschäft?  

Christian: (lacht) Ich hatte irgendwann so viele Rahmen gebaut, dass ich einige spaßeshalber auf eBay gestellt habe. Überraschenderweise gingen die total schnell weg. Da wurde mir klar: Offenbar gefallen solche Rahmen auch anderen Menschen. Ich hab das Herstellungsverfahren weiter verbessert und mich zum Beispiel von Youtube-Videos inspirieren lassen. Dann habe ich eine eigene Homepage mit dem Titel Altholz Kreativ samt Online-Shop ins Netz gestellt. Auch das war ein spannender Lernprozess. Von IT hatte ich bis dato keine Ahnung.

Wie waren die Reaktionen? 

Christian: Sehr gut. Innerhalb weniger Monate haben ich viele Bestellungen und tolles Feedback bekommen. Pro Woche gehen etwa zehn Rahmen in unterschiedlichen Größen weg: von 10 x 10 cm bis hin zu Sondermaßen von 1,20 m x 1,50 m. Auf Wunsch liefern meine Freundin und ich auch eines unserer Landschafts- oder Tierfotos dazu.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Dich? 

Christian: Das ist mir sehr wichtig. Ich verwende nur Altholz, das woanders auf dem Müll landen würde. Fündig werde ich zum Beispiel, wenn irgendwo eine Hütte oder ein Hof abgerissen wird. Das ist mühsam, aber es lohnt sich. Das Holz hat einen besonderen Stil.

Welche Sorten verwendest Du? 

Christian: Sehr viel Fichte, die bei Bauten im Allgäu häufig verwendet wurde. Besonders gut eignen  sich handgehauene Holzbalken oder sonnenverbrannte Schirmbretter.

Wie verarbeitest Du das Material?   

Christian: Ich muss es erst aufbereiten, also bürsten und schauen, dass kein Holzwurm drin ist. Ich verwende keinen Lack und keine Beize. Bis auf den Leim ist alles Natur. 

Wenn ein gebürtiger Hintersteiner als gelernter Metaller erfolgreich Holz bearbeitet und obendrein auch noch am Computer fit ist, muss man wohl von einem Allgäuer Mächler 4.0 sprechen. Kannst Du mittlerweile davon leben? 

Christian: Nein, das will ich auch gar nicht. Ich arbeite als Berufssoldat und fühle mich sehr wohl in meinem Job. Das Tüfteln in der Werkstatt ist und bleibt für mich ein Ausgleich. Dass die Ergebnisse anderen gefallen, ist natürlich umso schöner. 

Am 10. März 2019 stellt Christian Müller beim "Hinterstuinar Mächlarmarkt" seine Produkte erstmals auch auf einem Markt aus. Mit dabei sind viele andere einheimische Kleinhandwerker. Die Veranstaltung findet von 10 - 17 Uhr in der Festhalle in Hinterstein statt.

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