Bei Kampf am Bodensee
16.09.2019 Land & Leute

Betreuer von Gegner trägt Nazi-Parole auf T-Shirt: Das sagt "Allgäu Ali" zum Box-Eklat

Diese Szene sorgte für einen Sturm der Entrüstung: Ein Betreuer des "Germanen Boxstall" aus Kiel stieg nach dem deutschen Titel-Kampf im Halbmittelgewicht zwischen Ali Celik und Islam Ashabov in Friedrichshafen mit einem T-Shirt mit dem Schriftzug "Kraft durch Freude" in den Ring. "Kraft durch Freude“ war zwischen 1933 und 1945 eine politische "Freizeit"-Organisation der Nazis. Für den "Germanen Boxstall" trat Ashabov an. Die Polizei ermittelt. Was Celik zu dem Skandal sagt, erfährst Du hier.

Viele Zuschauern in der ZF Arena in Friedrichshafen konnten den Schriftzug vermutlich nicht entziffern. Doch eine Nahaufnahme im Livestream der Pro7-Sat1-Plattform "ran Fighting" offenbarte es eindeutig: Ein Betreuer des "Germanen Boxstall" trug ein T-Shirt mit der Parole "Kraft durch Freude" und trug damit seine Gesinnung offen zur Schau. 

Laut Medienberichten soll es sich um den Gründer der Kampfsport-Vereinigung handeln. Schockiert zeigte sich der alte und neue deutsche Meister Ali Celik, der im Nachinhein von dem umstrittenen T-Shirt erfuhr: "Ich hatte es selbst zunächst nicht gesehen. Nach einem Kampf ist so viel Trubel, da ist es unmöglich, jedes Detail wahrzunehmen. Aber die Bilder zeigen es ja eindeutig. Ich kann es einfach nicht verstehen. Wer solche T-Shirts trägt oder irgendwelche Nazi-Sprüche bringt, hat in unserem Sport nichts verloren und gehört ausgeschlossen", fordert Celik.

Peinlich berührt ist man bei "ran Fighting." In einer Stellungnahme weist das Portal darauf hin, dass Ashabov als "kurzfristiger Ersatzgegner" eingesprungen war (wir berichteten). "Der Kämpfer sowie sein Trainer wurden vom Veranstalter SES-Boxing wie üblich vorab überprüft. Im Anschluss an den Kampf hat sich bedauerlicherweise ein Betreuer aus dem 'Germanen Boxstall Kiel' in den Ring begeben und ein T-Shirt mit rechtsradikalen Parolen getragen." Die Plattform bedauere den Vorfall und distanziere sich in aller Deutlichkeit von extremistischem Gedankengut.

Alle Aufnahmen von der Veranstaltung seien unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls gelöscht worden und sind über die Plattform nicht mehr abrufbar. Gegenüber den Kieler Nachrichten sagte der Germanen-Betreuer zu den Vorfällen: „Ich habe das T-Shirt geschenkt bekommen. Hätte ich das gewusst, hätte ich es nicht angezogen."   

Es ist nicht das erste Mal, dass der "Germanen Boxstall" in unserer Region negativ auffällt. Bereits im Herbst des Vorjahres traten Mitglieder der Vereinigung bei einem Kampfsport-Turnier in Waltenhofen (Oberallgäu) an und sorgten für Irritationen. "Schon die Ästhetik des Boxstall erinnert stark an Rechte. Zumindest ein Teil des Personals bekundet online Sympathien für deren Ideen", schrieb der Blog  Allgäu ⇏ rechtsaußen damals.    

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