JVA-Leiterin im Gespräch
05.08.2019 Hier & Heute

Beide Ausbrecher wieder gefasst - so gelang die spektakuläre Flucht in Memmingen

-UPDATE- Die Polizei hat beide am Sonntag aus dem Memminger Gefängnis geflüchteten Untersuchungshäftlinge gefasst. Nahe Frickenhausen (Unterallgäu) nahmen Beamte am Montagnachmittag den 37 Jahre alten Georgier fest. Er war unbewaffnet und habe keinerlei Gegenwehr geleistet, sagte Polizeisprecherin Johanna Graf im Gespräch mit der Allgäuer Zeitung. Offensichtlich sei er alleine unterwegs gewesen. Von seinem Komplizen fehlte zunächst jede Spur. Am Montagabend gegen 21 Uhr wurde aber auch er im Raum Lauben im Unterallgäu aufgefunden und verhaftet.

Unterdessen wurden weitere Einzelheiten zum Ablauf der spektakulären Flucht bekannt. Anja Ellinger, Leiterin des Memminger und des Kemptener Gefängnisses, spricht Klartext: „Ich konnte es kaum glauben.“ Auf dem Video einer Überwachungskamera ist zu sehen, mit welcher „unglaublichen sportlichen Höchstleistung“ (Ellinger) die beiden Untersuchungshäftlinge am Sonntag die sieben Meter hohe, oben mit Stacheldraht gesicherte Gefängnismauer überwinden und ins Freie gelangen.

Sieben Meter hohe Mauer

Ihnen werden Raub- und Eigentumsdelikte in der Region vorgeworfen. Vieles spricht dafür, dass sie sich erst im Gefängnis kennengelernt haben. Ellinger will keine Einzelheiten darüber bekannt geben, wie den beiden die Flucht gelang. „Wir wollen keine Nachahmer“, sagt sie – auch nicht in anderen Gefängnissen. Die Chefin der Justizvollzugsanstalt (JVA) stellt sich ausdrücklich hinter ihre Mitarbeiter: „Keiner hat einen Fehler gemacht“, versichert sie. Und Ellinger betont immer wieder, dass die Art und Weise der Flucht in Sekundenschnelle vorher für unmöglich gehalten worden wäre.

Rückblick: Es ist Sonntagnachmittag gegen 14 Uhr, als die Memminger Häftlinge Freigang haben. Eine Stunde im Freien steht jedem Inhaftierten pro Tag zu. So will es das Gesetz und das gilt für verurteilte Straftäter genauso wie für Untersuchungshäftlinge, die auf ihren Gerichtsprozess warten.

An diesem Nachmittag drehen auch die beiden Untersuchungshäftlinge im Hof ihre Runden.

Fast noch geschnappt

Gegen 14.15 Uhr gelingt den beiden der für unmöglich gehaltene Coup: In Windeseile überwinden sie die sieben Meter hohe und mit Stacheldraht gesicherte Mauer. Einer der beiden Männer verletzt sich am Stacheldraht, ansonsten klappt die Flucht reibungslos. Mitarbeiter der JVA nehmen umgehend die Verfolgung auf, einer der Männer wird beinahe gefasst. Doch beiden flüchtigen Untersuchungshäftlingen gelingt es, zu entkommen. Nochmals gesehen werden sie von einem Passanten gegen 15 Uhr in der Memminger Innenstadt.

Die umgehend eingeleitete Fahndung der Polizei im Großraum Memmingen und besonders im Bahnhofsbereich in unmittelbarer Nähe der JVA bleibt zunächst erfolglos. Zeugen sind sich sicher, die beiden Ausbrecher am Sonntagabend in einem Memminger Lokal gesehen zu haben.

Ein Hinweis aus der Bevölkerung führt am Montag gegen 14.45 Uhr, gut 24 Stunden nach dem Ausbruch, zur Festnahme des Untersuchungshäftlings mit georgischem Pass im Außenbereich von Frickenhausen. Das Unterallgäuer Dorf liegt etwa 20 Kilometer von Memmingen entfernt.

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