25 Stücke im Mai!
08.11.2019 Sehen & Hören

Bayerische Theatertage 2020! Memmingen wird zur großen Bühne

Landestheater Schwaben: Bayerische Theatertage
Das Landestheater Schwaben organisiert 2020 die Bayerischen Theatertage. Die beiden Leiterinnen wollen gesellschaftspoltische Themen aufgreifen und ein neues Konzept umsetzen

Die Stadt Memmingen wird im kommenden Frühjahr zwölf Tage lang zur Theaterhauptstadt des Freistaats: Das Landestheater Schwaben richtet dort die Bayerischen Theatertage aus – zum zweiten Mal nach 2006. Von 20. bis 31. Mai 2020 sind rund 25 Stücke auf großen und kleinen Bühnen zu sehen; außerdem wird es ein umfangreiches Beiprogramm geben. „Wir möchten den Menschen in der Stadt und in der gesamten Region ein tolles Theaterfest bieten“, sagt Intendantin Kathrin Mädler. Als Motto haben die Gastgeber den Slogan „Wir können auch anders!“ gewählt – was den gesellschaftspolititischen Anspruch spiegelt, den Intendantin Mädler und Projektleiterin Katja Hofmann mit dem Festival verbinden. „Visionen, Utopien und Zukunftsentwürfe sind gefragt“, erklärt Hofmann.

Sie ist seit Mai in Memmingen, um ein umfang- und facettenreiches Festival vorzubereiten. Dabei muss sie auch ein neues Konzept etablieren. Die Intendanten des Bühnenvereins in Bayern haben sich – nach kontroversen Diskussionen – erstmals für ein Auswahlverfahren entschieden. Die einzelnen Theater entsenden nicht wie bisher eine Produktion, sondern können verschiedene Inszenierungen vorschlagen.

Inzwischen haben sich 27 Bayerische Theater mit insgesamt 93 Stücken beworben. Etwa 25 von ihnen werden in fünf Programmreihen aufgeführt. Die Auswahl für die fünf Schienen treffen Kuratorinnen und Kuratoren. „Dies ist ein Versuch“, sagt Kathrin Mädler. Welche Inszenierungen beim Festival zu sehen sind, steht erst im Dezember fest; danach werden die Vorstellungen terminiert, und der Karten-Vorverkauf kann starten.

Die Theatertage möchten vor allem – aber nicht nur – Stücke präsentieren, die den Blick auf die Gegenwart mit all ihren Problemen richten. Sie sollen, so der Wunsch von Mädler und Hofmann, Gesellschaft und Politik in der „gegenwärtigen Umbruchzeit“ thematisieren. Damit meinen sie vor allem die drohende Klimakatastrophe sowie den Populismus und Rechtsradikalismus. Eine Programmschiene heißt folglich (und in Anspielung auf die Me-Too-Debatte) „Bavaria Too (Widerständiges Bayern)“. In einer weiteren Reihe sollen Ur- und Erstaufführungen mit Gegenwartsbezügen gezeigt werden.

Eine der fünf Programmschienen widmet sich Geschlechterfragen, Religion und Sexualität. Titel: „Divers“. Bedeutende Werke der Theatergeschichte finden ebenfalls einen Platz beim Festival – sie sollen aber auf ihre Bedeutung für die Gegenwart abgeklopft werden; „Klassiker für Heute“ heißt diese Reihe. Außerdem ist eine Serie von Aufführungen für Kinder und Jugendliche geplant.

Die beiden Chef-Organisatorinnen schreiben sich Dialog und Austausch auf ihre Fahnen und möchten Menschen anlocken, die eigentlich nicht ins Theater gehen. Das soll nicht nur durch die Präsenz der Ensembles und die Aufführungen geschehen, sondern auch mittels Vorträgen, Matineen, Einführungen, Nachgesprächen und Podiumsdiskussionen. Eine weitere Neuerung sind Akademien für Theaterschaffende: Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Studierende können sich für Workshops bewerben. Die Theatertage sollen also auch ein Branchentreff sein.

Daneben möchten Hofmann und Mädler Memmingen zur Bühne machen. Sie planen zusammen mit der Stadt theatrale Aktionen und Performances auf Straßen und Plätzen. Und zu guter Letzt soll gehörig gefeiert werden. Dazu wird ein Festivalzelt aufgebaut, und abends spielen Bands auf Plätzen und in Kneipen.

Rund 500.000 Euro werden die Theatertage, die „eine Riesen-Anstrengung“ fürs Landestheater sind, kosten. Gut 100 000 Euro stellt der Landesverband Bayern des Deutschen Bühnenvereins zur Verfügung. Beim Freistaat rechnen Hofmann und Mädler im Moment mit einer Förderung von 300.000 Euro durch das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Die fehlenden 100.000 Euro sollen lokale Sponsoren und Förder beisteuern.

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