Contra Corona-Blues
17.03.2020 Sehen & Hören

Aus der Redaktion der Allgäuer Zeitung für Sie: Das sind unsere Songs für die Krise

Okay, wir singen nicht so schön wie Italiener und Spanier von ihren Balkonen. Aber wir haben Lieder, die uns begleiten, motivieren und bestärken in einer Zeit, in der sich die Welt im Ausnahmezustand befindet. Hier stellen unsere Redaktionsmitglieder ihre ganz persönlichen Songs gegen den Corona-Blues vor.

Benjamin Schwärzler (Redaktion Weiler): "Keine Angst" , Casper feat. Drangsal.

Casper hat für jede Lebenslage die passende Punchline parat. Schlaue Zeilen für das Poesiealbum oder das nächste Tattoo. Lebensmut für die Verzweifelten, Hoffnung für die Verängstigten. So wie hier. "Keine Angst! Denn das, was du jetzt bist, ist nicht, was du für immer sein wirst." So hart uns die Einschränkungen derzeit treffen: Es wird ein Leben nach der Krise geben. Und wenn alle zusammenhalten, wird es auch wieder so schön wie zuvor. Keine Angst!

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Uli Hagemeier (Redaktionsleitung): "The Last Great Washington State", Damien Jurado.

Das Stück habe ich zufällig vor zwei Jahren in einem Café in Amsterdam gehört. Einerseits ist es eine schöne Erinnerung an einen unbeschwerten Sommer, andererseits trifft die Musik gut das, was ich seit einigen Tagen fühle – alles ist etwas unwirklich, wie in Watte gepackt. Bei der Arbeit sind viele Kollegen im Home Office, das Gewirr vertrauter Stimmen aus dem Nachbarbüro fehlt, auf dem Weg zum Medienzentrum gibt es keinen Stau, und die, die noch auf den Straßen sind, fahren gefühlt langsamer als sonst, als müssten auch die Autos plötzlich mehr Abstand halten … Es ist ein bisschen wie in Trance, und dieses Gefühl trifft Damien Jurado.

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Tobias Schuhwerk (Teamleiter allgaeu.life): "La Vida Tombola", Manu Chao.

Jahrelang nicht mehr gehört, mit einem Schlag wieder da. Manu Chao überrascht die gefallene Fußball-Ikone Diego Maradona im Dokumentarfilm "Maradona by Kusturica" mit einem Ständchen auf offener Straße. Gut, man muss dem Text jetzt nicht in Gänze folgen ("Wenn ich Maradona wäre, würde ich leben wie er" etc.). Das einzig richtige und wichtige in Corona-Zeiten ist aber der Refrain: "Das Leben ist eine Tombola." Und ganz egal, wie tief unten man sich wähnt, es gibt nur eine Richtung: "Arriba!" "Auf!" 

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Leonie Küthmann (Redaktion Weiler): "The Show must go on", Queen.

The show must go on
I'll face it with a grin
I'm never giving in
On with the show
Das Lied spiegelt sicher die Gefühle all derer, die als Pflegekräfte, Lkw-Fahrer und Verkäufer draußen arbeiten, müde und überlastet sind. Sie bleiben trotz des Chaos freundlich, lächeln und geben alles, denn: Das Leben muss weitergehen, the show must go on.

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Jana Moog (Redaktion Kaufbeuren): "Take it Easy", Kytes

Besser könnte ein Songtitel zur aktuellen Lage nicht passen. Egal in welcher Situation man sich befindet, man sollte das Beste daraus machen, was allerdings nicht bedeutet, etwas runter zu spielen. Abgesehen von dem Song hilft einem die Band auf Instagram über die Corona-Zeit hinweg, in dem sie auf ihrem Kanal Wohnzimmerkonzerte veranstaltet.

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Sascha Borowski (Redaktionsleitung): "Times like these", Foo Fighters.


Ein Song der Foo Fighters, der so treffend ist jetzt, wo Selbstverständliches plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist. Wo einerseits Hektik herrscht in den Intensivstationen und andererseits Stille in den Einkaufsmeilen. Wo viele Menschen beginnen, sich wieder auf die wichtigen Dinge des Lebens zu besinnen. "Es sind Zeiten wie diese, in denen du wieder zu leben lernst", singen die Foo Fighters. "Es sind Zeiten wie diese, in denen du wieder und wieder gibst." Und auch: "Es sind Zeiten wie diese in denen du wieder zu lieben lernst." 

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Simone Härtle (Redaktion Allgäu Rundschau): "See you later Alligator", Bill Haley & His Comets.

Wenn einem im Home-Office die Decke auf den Kopf fällt, ist es definitiv Zeit für ein Tänzchen. Und was eignet sich da besser als ein bisschen  Rock-’n’-Roll? Wer noch dazu laut mitsingt, kann so auch all den Lieben, die man gerade nicht sehen darf, kann oder soll eine Nachricht zukommen lassen: See you later! Nach der Krise wird wieder gemeinsam getanzt! 

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Jochen Sentner (Redaktion Kempten): "Teach your children", Crosby, Stills, Nash & Young.

Ein Zuckerl aus 1970: Die eingängige Melodie ist was fürs Herz, wenn auch am Ende einigermaßen verkitscht. Im Text ging es schon damals um das gegenseitige Verständnis der Generationen füreinander. Zeitlose Familienhymne. Teach well, Eltern in Isolation!

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Stephan Michalik (Digitalredaktion): "I Was A Prayer", The Revival Tour live.

Gerade in Zeiten von Krisen brauchen Menschen etwas, woran sie sich festhalten können. Worauf sie sich freuen. Für mich ganz persönlich sind das: Konzerte. Dave Hause verpasste ich Anfang des Jahres durch Sturmtief Sabine. Ob Brian Fallon Anfang Mai in München spielt? Wir werden sehen. Die Karten für das Chuck-Ragan-Konzert im Dezember liegen schon seit letztem Jahr in der Schublade.
Bei folgendem Konzert stehen diese drei gemeinsam mit weiteren Szenegrößen auf der Bühne. Und wenn ich C'Mon Kid (Hause), Boxer (Fallon) oder I Was A Prayer(Alk3/Ragan) höre, weiß ich. Es wird wieder aufwärts gehen. Und es wird schön. 

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David Specht (Redaktion Memmingen): "Happy Together", The Turtles.

"Zusammen sind wir glücklich" singen die Turtles in ihrem Lied aus dem Jahr 1967. Klar, die Gruppe um Howard Kaylan meint damit zunächst einmal die Stunden mit dem/der Liebsten. Aber in Zeiten von Social Distancing und #ichbleibezuhause erinnert der Song einen auch daran, die Zeit mit den Menschen zu genießen, die man trotz Einschränkungen noch sehen kann: Partner, Familie, Mitbewohner...  Und vielleicht steigt durch "Happy together" die Vorfreude darauf, die Menschen wiederzusehen, mit denen man aktuell nur telefonisch oder vielleicht gar keinen Kontakt hat - denn es kommt auch eine Zeit nach Corona, in der man wieder glücklich mit ihnen zusammen sein kann.

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Stephan Schöttl (Sportredaktion): "Keine Panik", Bosse.

Da war dieser Mann hinter mir an der Supermarktkasse. Den Einkaufswagen vollgestopft bis oben. Mehl, Dosentomaten, Nudeln. All das Zeug, was eben gerade tonnenweise gebunkert wird. Und ich hatte sofort diesen einen Song von Bosse im Kopf. Aus den Zeiten, als der Musiker noch wild und weniger melancholisch war. „Keine Panik!“ Eine Nummer aus seinem Debütalbum aus dem Jahr 2005. 15 Jahre ist das jetzt her – doch der Text passt auf das Hier und Heute wie die Faust aufs Auge: „Mach bitte keine Panik. Das wird schon. Man muss nur einmal kurz durchdrehn, dann ist es auch schön hier. Eure Angst bringt Überforderung.“ Und ein paar Zeilen weiter fragt Bosse „Was ist wirklich wichtig?“ Ja, was ist denn wirklich wichtig? Wir werden gerade regelrecht dazu gezwungen, uns über diese Kernfrage des Lebens Gedanken zu machen. Aber bitte bloß keine Panik!

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Daniel Halder (Digitalredaktion): "Gimme Shelter", The Rolling Stones.

Hach, die Stones im Londoner Hyde Park 2013 - gemeinsam mit 65.000 anderen. Damals, als Massenveranstaltungen noch erlaubt waren. "Gimme Shelter" passt aber auch wegen der Lyrics wieder prima in diese Zeit. "War, it's just a shot away..." Wer hätte gedacht, dass Krise, Drama im März 2020 plötzlich wieder so nah sind? Aber eben auch "Love - just a kiss away" ... Liebe, Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft, alles nur einen desinfizierten Handkuss entfernt. Übrigens, zum Thema "war": Passend zum Song einer der besten Sprüche auf Social Media dieser Tage: "Unsere Großeltern wurden damals in den Krieg gerufen. Wir werden dazu aufgerufen, auf dem Sofa zu bleiben." Das schaffen wir doch, oder?

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Jessica Stiegelmayer (Redaktion Kaufbeuren): "Island in the Sun", Weezer. 

Einmal kurz durchatmen nach einem chaotischen Arbeitstag im Krankenhaus, im Supermarkt oder in der Apotheke, nach einem weiteren, schier endlosen Tag in der Quarantäne, oder nach der nächsten beunruhigenden Nachricht, die man gerade gelesen hat. Einmal „Island in the Sun“ von Weezer. Einmal kurz dem Alltag entfliehen und mit einem Lächeln im Gesicht zurückkehren.

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Markus Raffler (Redaktionsleitung): "Max", Paolo Conte.

„Max“ von Paolo Conte, seit 25 Jahren einer meiner Lieblingssongs. Da steckt Melancholie drin, noch viel mehr aber  Leichtigkeit und italienisches Sommergefühl  - das können  wir gerade jetzt gut brauchen!


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