So schützt Du Dich!
26.11.2019 Sport & Action

Auch im Allgäu: Aus Umkleidekabinen wird immer häufiger geklaut

Das ist doch wirklich das Allerletzte! Im Sport geht es immer um ein Miteinander, um Fair-Play. Doch während die Sportler, Schiedsrichter und Ehrenamtlichen ihr Bestes geben, nutzen Kriminelle die Situation schamlos aus: In den vergangenen Wochen häuften sich auf Allgäuer Sportplätzen Diebstähle aus Kabinen. Hier spricht ein Betroffener - und die Polizei verrät, wie man sich am besten gegen die Langfinger schützt.

Irgendwann während dieser 90 Minuten muss es passiert sein. Maximilian Wagner vom SV Heiligkreuz leitete die Partie zwischen dem TSV Kimratshofen und dem TSV Sulzberg. Ein ganz gewöhnliches Spiel der Kreisklasse. 50 Zuschauer, 2:1 für die Gäste. Überwiegend fair, ein Elfmeter in der Schlussminute, sonst kaum nennenswerte Vorkommnisse. Trotzdem wird der 21-jährige Schiedsrichter diesen Tag nicht so schnell vergessen: Ein Dieb war unbemerkt in seine Umkleidekabine, nicht weit vom Spielfeld entfernt, eingedrungen und hatte Bargeld gestohlen. „Um die 200 Euro“, sagt Wagner.

Der Unparteiische war nicht das einzige Opfer. Auch einige Spieler wurden beklaut. Im Bericht der Polizei hieß es später, der Unbekannte habe Fahrzeugschlüssel aus den Kabinen entwendet, um in den Autos nach Geld zu suchen. Am selben Wochenende wurden solche Diebstähle auch von anderen Sportplätzen im Allgäu gemeldet. Etwa aus Obergünzburg, Niedersonthofen und Kempten.

Tipps der Polizei
>> Bei Sport und Training Mobiltelefone, Fahrzeugschlüssel und Geldbeutel gesichert aufbewahren (möglichst nahe am Körper) oder erst gar nicht mitnehmen.
>> Im geparkten Auto niemals Wertgegenstände offen herumliegen lassen – auch wenn man den Wagen nur kurzzeitig verlässt.
>> Die Wertgegenstände im Mannschaftskreis noch in der Kabine einsammeln und eine Vertrauensperson benennen, die während des Spiels darauf aufpasst.
>> Der beste Schutz vor Diebstählen ist es nach wie vor, Wertgegenstände – wenn möglich – gemeinsam mit der Kleidung in der Umkleidekabine oder einem Spind zu versperren.

25 Diebstähle seit Beginn des Jahres

Beim Polizeipräsidium Schwaben Südwest in Kempten sieht man dennoch keine besondere Häufung solcher Fälle. Seit Beginn des Jahres wurden im Ober-, Ost- und Unterallgäu mit den kreisfreien Städten Kempten, Memmingen und Kaufbeuren 25 Diebstähle in Umkleidekabinen von Sportanlagen registriert. Darunter fallen, erklärt Polizei-Sprecherin Johanna Graf, aber nicht nur Fußballplätze, sondern auch Turn- und Eissporthallen sowie Fitnessstudios. „Es sind also auch öffentlich zugängliche Umkleidekabinen dabei, die von Verantwortlichen nicht versperrt werden können“, sagt sie.

Die Diebe bekommen mitunter zu oft mühelos Gelegenheiten für ihr kriminelles Tun. Das kennen Polizei wie Sportfunktionäre allzu gut. Meistens haben sich die Eindringlinge aus Sportstätten und deren Umfeld spezialisiert. Zugeschlagen haben sie im Lauf des Jahres zum Beispiel auch in Ottobeuren, Markt Rettenbach oder Rieden bei Kaufbeuren. Die Beute: Bargeld, Schmuck, Handys und Kleidung. „Auf den Gängen in Vereinsheimen und Sportanlagen herrscht oft reger Publikumsverkehr. Mögliche Zeugen gehen oftmals nicht von einem Verbrecher aus, sondern von einem Berechtigten“, sagt Graf.

Mit Autoschlüsseln, die sie in Kabinen finden, haben die Räuber ohnehin leichtes Spiel: Mithilfe der funkgesteuerten Schließtechnik sowie aufblitzenden Blinkern lassen sich die gesuchten Wagen einfach orten – und öffnen sowieso. Diskutiert wird bei Vereinen über Gegenmaßnahmen schon seit Jahren.

Videoüberwachung an Sportstätten?

Benno Glas, Vorsitzender des Oberallgäuer Kreisverbands im Bayerischen Landessportverband (BLSV), bestätigt das und erzählt: „Mir ist das als Schiedsrichter in den Achtzigerjahren selbst schon passiert. Mein Geldbeutel wurde später aus der Wertach gefischt. Leer natürlich.“ Von Videoüberwachung an Sportstätten hält er wenig. Das sei für die meisten Vereine eine Kostenfrage.

Von Räubereien bleiben auch Europas Spitzenteams nicht verschont, die sich teure Überwachungssysteme leisten können. Nach einem Training des FC Chelsea in London fehlten sechs Geldbörsen, neun Mobiltelefone und wertvolle Uhren der Spieler.

Beim Champions-League-Duell zwischen Bayern München und Real Madrid im April 2012 klaute ein dreister Dieb sogar die Fußballschuhe und das Trikot von Top-Star Cristiano Ronaldo.

Schiri Wagner hat seine Lehren gezogen: „Ich habe mir vorgenommen, dass ich künftig ein Spiel erst anpfeife, wenn ich einen Schlüssel für meine Kabine bekommen habe.“

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