Landwirtschafts-Lehrlinge
19.12.2019 Wissen & Quizzen

An die Zitzen, fertig, los: So läuft's beim Bezirksentscheid im Melken ab

Selbstversuch Melken
Eine gute Ausbildung ist alles: Auf dem Spitalhof in Kempten traten acht Landwirtschafts-Lehrlinge beim Bezirksentscheid im Melken gegeneinander an. Wichtigstes Kriterium: nicht Schnelligkeit, sondern der richtige Umgang mit den Kühen! Unser Reporter René Buchka ließ sich alles genau zeigen und hat sich auch selbst ans Euter gewagt. Dabei lernte er, was das Tierwohl für die Milchqualität bedeutet...

Einen Kompromiss zwischen Geschwindigkeit und Sorgfalt finden – darum geht es beim Bezirkswettbewerb im Melken. Sechs Kühe sind jedem der acht Auszubildenden zugeteilt. Übersicht, Gewandtheit und Organisation spielen genauso eine Rolle wie der Umgang mit den Tieren.

Letzteres sei in jüngster Zeit durch Tierskandale immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, sagt Schulleiter Carsten Antholz. „Der Umgang ist das A und O.“

In einem Lehrsaal des Spitalhofs in Kempten sitzen acht Landwirtschafts-Lehrlinge. Durch gute Noten in Theorie und Praxis haben sie sich für den Bezirksentscheid qualifiziert. Die drei Besten von ihnen werden das Allgäu beim Landesentscheid vertreten. Am ersten Vormittag geht es um den Ablauf und um die Frage: Wie beurteilt die Jury? „Schnelligkeit allein ist nicht das Hauptkriterium“, sagt Carsten Antholz, Schulleiter des Lehr-, Versuchs-, und Fachzentrums für Molkereiwirtschaft in Kempten. Er betont, wie wichtig der richtige Umgang mit den Kühen ist. Dieser spiele für die Milchqualität eine große Rolle. „Und wer das nicht weiß, hat im Stall nichts verloren.“

Richtig ansprechen will gelernt sein

Beurteilt wird dabei unter anderem, ob der Teilnehmer die Kuh so anspricht, dass sie nicht erschreckt. „Der Umgang mit dem Tier soll über den gesamten Melkprozess bewertet werden“, heißt es im Handbuch des Wettbewerbs.

Die ersten Teilnehmer sind am Nachmittag an der Reihe. Noch bevor sie sich den Kühen zuwenden, stellen die Prüflinge ihr Wissen unter Beweis: Sie kontrollieren das Melkgerät und stellen etwa sicher, dass die Schläuche weder verdreht noch beschädigt sind. Ein Lehrling streichelt dem ersten Tier über die Hinterläufe. Dabei benutzt er den Handrücken – „aus hygienischen Gründen“, erklärt Antholz. Ab jetzt laufen die Stoppuhren. Um die Gesundheit der Kuh zu überprüfen, melken die Teilnehmer zuerst per Hand aus jeder Zitze in einen Becher hinein.

Kraft und Koordination gefragt

Alleine dieser sogenannte „Faustgriff“ ist für Laien eine komplizierte Angelegenheit, wie der Selbstversuch unseres Reporters zeigt: Der Zeigefinger klemmt die Milch ab, Mittelfinger, Ringfinger drücken sie der Reihe nach raus – ohne die Zitze nach unten zu ziehen. Hier sind Kraft und Koordination gefragt. Erst nach mehreren Anläufen bekommt der Anfänger einen Milchstrahl zustande.

Das Melkzeug anzubringen, klappt dagegen gut. Mit einem saugenden Geräusch heften sich die Geräte an die Euter. Milch strömt in den Sammelbehälter. Der Schulleiter kritisiert: Der Melker hält seinen Kopf zu dicht am Tier. Tritt die Kuh aus, zucke er zurück und schlage sich den Kopf womöglich an den Metallstangen an. Die Maschinen schalten sich automatisch ab, wenn zu wenig Milch durchläuft. Mit einem Klacken fallen die Geräte nacheinander ab. Ob der Euter wirklich leer ist, zeigt ein Kontrollgriff – locker und entspannt sollen sie sich anfühlen. Um Keime abzuhalten, tunken die Lehrlinge und der Reporter die Zitzen in ein Pflegemittel. Damit ist die Prüfung beendet.

Im Februar wird sich herausstellen, ob der Wunsch von Antholz in Erfüllung geht: „Mindestens einen Allgäuer würde ich gern in den Bundeswettbewerb schicken.“

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