Karl Braig
21.01.2019 Hier & Heute

Allgäuer Umweltaktivist muss ins Gefängnis - Mitstreiter bejubeln ihn

Seit Jahren nimmt Umweltaktivist Karl Braig aus Sulzberg an Demonstrationen teil - setzt sich unter anderem gegen das Bahnprojekt "Stuttgart 21" zur Wehr. Seine Sitzblockaden und ähnliches haben ihm mehrere Bußgeldbescheide eingebracht. Und weil Braig die nicht zahlen will, muss er jetzt ins Gefängnis. In Kempten trat er - begleitet von etlichen Unterstützern - den Weg zur JVA an.

Wenn Mensch und Natur in Gefahr sind, sieht er friedlichen Widerstand als seine Pflicht an, sagt Karl Braig. Und den leistet der Umweltaktivist schon seit Jahrzehnten. Mehrere Bußgeldbescheide haben ihm seine Teilnahmen an verschiedenen Aktionen bereits eingebracht, die Braig aber nicht zahlen will.

Er verweist auf sein Recht auf freie Meinungsäußerung und Demonstrationsfreiheit. Jetzt muss er für 72 Tage ins Gefängnis. Seine Mitstreiter, teilweise extra bis aus Stuttgart angereist, begleiteten ihn zur Kemptener Justizvollzugsanstalt (JVA) – und demonstrierten gegen die „Kriminalisierung von Umweltaktivisten“.

Immer wieder nimmt der in Sulzberg (Oberallgäu) lebende Braig an Demonstrationen, Sitzblockaden und Mahnwachen teil. Ohne Gewalt, wie er sagt. Auch gegen das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ ging er mehrfach vor, besetzte unter anderem einen Baukran und machte bei einer Sitzblockade an einer Baustelleneinfahrt mit. Er weiß, dass er sich mit solchen Aktionen „an der Grenze der Legalität bewegt“, wie er selbst sagt.

In seinen Augen tut er aber nichts Unrechtes.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft sieht das anders, forderte mehrfach Bußgelder von dem 63-Jährigen. Weil er nicht bereit ist zu zahlen, rückte er gestern Vormittag in die Kemptener JVA ein – begleitet von knapp 15 anderen Umweltaktivisten: „Stolz“ seien sie auf ihren Karl, dass er nicht zahle, sondern den konsequenten Weg bis ins Gefängnis gehe. „Was du getan hast, ist radikal – ach wär’s doch normal“, zitierte einer der Anwesenden den Liedermacher Walter Mossmann und erntete Applaus.

Die ganzen 72 Tage möchte Braig aber nicht absitzen, dazu sei das Leben zu schön. 21 Tage, in Anlehnung an Stuttgart 21, will er in der JVA bleiben, für die restliche Zeit will er sich freikaufen lassen. 17 Euro müssen er und seine Freunde pro Tag aufbringen. Braigs Sohn hat dafür extra ein Spendenkonto eingerichtet.

Weitere Artikel