Roll on Franz!
16.10.2019 Sehen & Hören

Allgäuer Original: Harley-Fan Franz Greiter und der Sound der Freiheit

AZ
„Hauptamtlicher Harley-Biker“ steht auf der Visitenkarte. „Das passt einfach zu meinem Image“, sagt Franz Greiter aus Sonthofen und lacht. Der 61-jährige Gitarrist und Sänger ist eine Marke für sich. Er spielte schon mit Udo Lindenberg, Mungo Jerry oder Roberto Blanco. Mehr über das Allgäuer Original liest Du hier.

Mit neun Jahren erlernte er klassische Gitarre. Doch schon bald wechselte er das Genre. Dazu nahm er damals mit dem Tonband die Lieder von der Hitparade auf, spielte sie nach und schrieb die Texte ab. Mit 13 hatte er seine erste eigene Tanzband, die „Black Stones“. Gespielt wurde was das Publikum verlangte und das waren damals Rock’n Roll, Jazz, Schlager, aber auch Tanzmusik, Swing oder Standarttänze. Da alle vier Bandmitglieder unter 18 waren kutschierte sie der Papa zu den Auftritten und holte sie auch wieder ab“.

Nachts machte er Musik, tagsüber arbeitete er als Autoverkäufer

Motorrad ist Franz Greiter schon immer gefahren. Auch als er den Beruf des Feinmechanikers und Werkzeugmachers bei Bosch erlernte. Die Motorräder mussten damals nur eines: „schnell sein“. Eine Honda Boldor zum Beispiel. „Das war das Schnellste, was es damals auf dem Markt gab“, erzählt der Kenner. Nachts machte er Musik und tagsüber arbeitete er als Autoverkäufer bei Fiat Besserer in Immenstadt. Natürlich wurde es dabei oftmals spät und das frühe Aufstehen am nächsten Morgen viel schwer. Da der Chef Elmar Besserer gleichzeitig auch der Bandleader der „Black Stars“ war, hatte der dafür Verständnis. Spielte er doch selbst gemeinsam mit Franz Greiter in der Band.

Nach dem Tod des Bandleaders löste sich die Gruppe 1982 auf. Greiter machte daraufhin allein oder auch mit anderen Musikerkollegen weiter erfolgreich Musik und spielte in unterschiedlichen Formationen mit.  Die Auftritte wurden immer mehr und schon bald war klar, dass sich Beruf und Musik machen nicht mehr länger miteinander vereinbaren lassen. „Ab da habe ich dann nur noch Musik gemacht“. Da war er gerade mal 23 Jahre alt.

Da fährst du einfach langsamer, gemütlicher und ruhiger
Franz Greiter über seine Harley Davidson

Als ein guter Kumpel mit dem Motorrad tödlich verunglückte - das war 1995 -  war das für  Franz Greiter wie eine Warnung des Schicksals. „Wir sind alle immer ziemlich rasant gefahren“ und da grenzt es fast schon an ein Wunder, dass ihm selbst nie etwas passiert ist. Auf das Motorrad fahren wollte er dennoch nicht ganz verzichten und so verwirklichte er seinen Traum von der eigenen Harley Davidson. „Da fährst du  einfach langsamer, gemütlicher und ruhiger“, beschreibt er sein Gefühl. Mit seinen Kumpels und auch Musikerkollegen besuchte er fortan Harley-Davidson- und andere Motorrad-Treffen wie Free Willy Run, Davos Ralley, Easy Livings Party, Motorrad Messe Friedrichshafen. Dort waren sie gern gesehene Gäste, da ihr erdiger Blues und Rock ein jedes Bikerherz höher schlagen lässt. 

Franz Greiter spielte als Profi-Musiker unter anderem mit in der Joe William Group (Mindelheim und München) und in der österreichischen Band Robert Rinner Austria Ensemble. Mit vielen Künstlern hatte Franz Greiter schon Gelegenheit zu jammen unter anderem  mit Max Greger sen., Max Greger jun., Stefen Becks, Charly Augschöll, Steve Hooks L.A., Wolfang Schmitt (Klaus Doldingers Passport), Hubert Tubbs (Tover of Power), Heini Altbart (Österreichs Show Drummer Nr. 1), Gruppe Wind, oder Eddie Taylor (Peter Maffay). Es folgten viele weitere Fernsehauftritte und Arrangement auf dem Kreuzfahrtschiff MS Deutschland mit Udo Lindenberg, Mungo Jerry oder Roberto Blanco. Immer wenn sich eine Band auflöste, dann kam etwas Neues um die Ecke. Dabei bereiste er die ganze Welt. Alles in allem ein sehr unstetes, aber freies Leben. Geheiratet und eine Familie gegründet hat der Vollblutmusiker daher nie: „Beides geht leider nicht gut“.

Heute ist Franz Greiter besser bekannt als „Dr. G-Point & the groove Injectors“. Er spielt entweder alleine (Gitarre und Gesang) oder gemeinsam mit Werner Freiwald (Schlagzeug) und Anton Renic (Bass). Die musikalische Bandbreite erstreckt sich von Eric Clapton, Joe Cocker, John Denver, James Brown, Keb Mo, Chris Rea bis hin zu Rock-Klassikern wie Deep Purple, Rolling Stones, Jimmy Hendrix sowie Eigenkompositionen.

Im Gitarrenzimmer im Obergeschoss des Hauses stehen rund 150 verschiedene Gitarren. Die restauriert er auch noch nebenbei und behält sie dann meist. Am liebsten mag er nach wie vor die „ehrliche, handgemachte Musik“ mit Gitarre, Keyboard und Mundharmonika – "bei mir gibt es kein Playback, alles ohne viel Technik oder Musik vom Band."  Wenn Franz Greiter im Wohnzimmer an seiner Röhrenorgel sitzt und spontan in die Tasten greift und man selbst direkt vor dem Leslie-Lautsprecher steht, spürt man, was er meint. Der Funke springt direkt über und seine gute Laune ist ansteckend. Auch heute noch steckt der 61-Jährige mehr denn je voller Ideen. Sein neuestes Projekt heißt „HOLLA!...da spielt sich was!“ Der Bandname steht für bodenständige Experimetierfreudigkeit. Fünf kreative Musiker aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen haben ihre Begabungen zu einer  neuen, frechen Formation vereint. Der „Sound der Freiheit“ lässt Franz Greiter eben nicht los. 

Weitere Artikel