Corona-Pandemie
25.03.2020 Hier & Heute

Allgäuer Kliniken: Freiwillige Helfer dringend gesucht

Die Allgäuer Krankenhäuser brauchen Personal. Sie starten Aufrufe im Internet, Verwaltungs-Chefs durchforsten Listen von Mitarbeitern im Ruhestand und in Elternzeit. Manche Menschen melden sich auch von selbst, darunter sogar Metzger. Wo sich Freiwillige melden können. 

In der ganzen Region bereiten sich die Krankenhäuser auf eine drohende Welle von Corona-Infizierten vor: Vier Westallgäuer Kliniken treffen Absprachen, wie sie im Notfall zusammenarbeiten können, die Kemptener Geriatrie macht Betten für jüngere Patienten frei. Doch was nützen mehr Betten, wenn das Personal fehlt, um die Kranken zu versorgen? Woher nehmen die Kliniken die zusätzlich benötigten Mitarbeiter?

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Um an freiwillige Helfer zu kommen, wirbt der Klinikverbund Oberallgäu über verschieden Kanäle, sagt Pressesprecher Christian Wucherer: „Neben der Presseveröffentlichung in regionalen Medien sollen auch soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram sowie Messenger-Dienste eingesetzt werden.“
Aber auch ohne Werbung bekomme der Klinikverbund bereits Anfragen von Freiwilligen. Das seien aber nicht nur Ärzte oder Pfleger im Ruhestand, sondern auch beispielsweise Metzger, die bei der Essensversorgung unterstützen wollen. Auch Helfer für die Patientenbegleitung seien unter den Bewerbern zu finden.

Dass jede Hilfe gebraucht wird, zeigt auch der Aufruf auf der Internetseite des Klinikverbunds: „Egal ob Sie Ärzte, Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger, Medizinische Fachangestellte, Medizinstudierende sind oder über eine andere Ausbildung in medizinischen Berufen verfügen. Auch alle anderen Helferinnen und Helfer sind herzlich willkommen“, heißt es dort.

Über www.klinikverbund-allgaeu.de sollen sich Freiwillige an die Koordinierungsstelle wenden. Klickt man den Aufruf an, erscheint ein Anmeldebogen mit Fragen zu Personalien, Infektionsrisiko, der Qualifikation und wann man an welcher Klinik unterstützen könnte.

Mitarbeiter sichten Wucherer zufolge die Anmeldungen und verteilen die Aufgaben – je nach Bedarf und Qualifikation. Wer fürchtet, darauf nicht vorbereitet zu sein, den beruhigt Wucherer: „Die Helfer erhalten im Vorfeld Einweisungen und Schulungen.“

Ärzte und Pfleger aus dem Ruhestand holen?

Auch das Klinikum Memmingen ist schon dabei, Hilfsangebote zu sammeln. „Wir freuen uns über jeden, der helfen möchte“, sagt Vorstand Maximilian Mai. Wer sich freiwillig meldet, hinterlässt seine Kontaktdaten bei der Personalabteilung. Die Ärztliche Direktion und die Pflegedirektion planten dann, wer gegebenenfalls an welcher Stelle eingesetzt wird.

Aktuell sehe die Lage an den Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren noch gut aus, sagt Vorstand Andreas Fischer: „Momentan können wir die Patienten optimal mit unserem aktuellen Personal versorgen.“ Wie es weitergeht, hänge maßgeblich davon ab, wie sich die Anzahl der Infektionen in den nächsten Wochen entwickelt – beziehungsweise „wie stark die Maßnahmen der Regierung greifen“.

Dennoch überlege man, wie man einer Infektionswelle entgegentreten könne. „Wir schauen intensiv auf die Liste unserer Ärzte und Pfleger im Ruhestand und unserer Mitarbeiter, die sich gerade in Elternzeit befinden“, sagt Fischer. Wie in Immenstadt hätten auch bei ihm viele Ärzte und Pfleger, die schon in Rente sind, von sich aus ihre Hilfe angeboten.

Fischer ist dankbar, dass er notfalls auf solche Angebote zurückkommen kann. Eine weitere Möglichkeiten seien theoretisch Medizinstudenten. Diese könnten Aufgaben wie den Patiententransport von einer Station auf die andere übernehmen. Ansonsten arbeiten ohnehin schon Studenten in Kliniken. Dort sammeln sie Erfahrungen im Rahmen ihres planmäßigen Praxisjahres.


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