"Kauft's regional!"
25.07.2019 Land & Leute

Allgäuer Jungbäuerin ist entsetzt über Tierskandal  - und wird für emotionales Video gefeiert

Für ein emotionales Video zum Tierskandal in Bad Grönenbach wird die Allgäuer Jungbäuerin Barbara Mägdefrau im Netz gefeiert. Die 22-Jährige zeigt sich schockiert über die mutmaßliche Tierquälerei auf einem Großbetrieb im Unterallgäu. Gleichzeitig appelliert sie an die Verbraucher, kleine Bauern zu unterstützen, die ihre Tiere "mit Respekt und Dankbarkeit" behandeln. Hier siehst Du das Video, das bereits über 80.000 Mal angeklickt wurde, und erfährst weitere Hintergründe.

"Sie traut sich was - und ist definitiv nicht auf den Mund gefallen." So beschrieb allgaeu.life vor einem Jahr Barbara Mägdefrau. Damals war bekannt geworden, dass es die gelernte Tierarzthelferin, die auf dem elterlichen Hof mithilft, als Fotomodell in den Jungbäuerinnen-Kalender geschafft hatte. Auf die feschen Fotos ließ sie im Interview mit Daniel Halder schlagfertige Antworten folgen.  

Von ihrer wütenden, aber auch nachdenklichen Seite zeigt sich Barbara Mägdefrau nun in einem Video, das unter kuriosen Umständen auf Facebook gelangte - und innerhalb von wenigen Tagen 80.000 Mal angeklickt wurde.

Darin geht die Jungbäuerin im Oberallgäuer Dialekt scharf ins Gericht mit dem Inhaber eines Großbetriebs in Bad Grönenbach, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt. Anlass sind brutale Video-Bilder, die die "Soko Tierschutz" in Umlauf gebracht hatte und die (nicht nur im Allgäu) seit Tagen für heftige Diskussionen sorgen.  

"Die Bilder sind so grausig, dass einem normalen Menschen das Herz blutet. Wir sind alle schockiert", sagt Barbara Mägdefrau und dürfte damit vielen Bauern aus der Seele sprechen. Über den Betreiber des Großbetriebs sagt sie: "Das hat mit einem Landwirt absolut nichts mehr zu tun."   

Sie appelliert an die Verbraucher, kleine Bauern zu unterstützen, die ihre Tiere als "vollwertiges Lebewesen" und nicht als "Nummer" betrachten:  "Kauft's regional. Informiert Euch, wo Eure Lebensmittel herkommen. Im Interesse von Euch und im Interesse vom Tier." 

Zu ihrer klaren Ansage wird Junbäuerin Barbara Mägdefrau von vielen beglückwünscht.

"Du sprichst mir aus der Seele", schreibt eine Userin.

Ich empfand eine seltsame Mischung aus Wut und Trauer. Barbara Mägdefrau über die Schock-Bilder des Tierskandals in Bad Grönenbach  

Ein Nutzer fühlt sich durch das Video bestärkt: 

"Bravo. Wir müssen die Tierquäler unter den Bauern aufzeigen. Und die guten und ehrlichen Bauern unterstützen."

Ob die Verbraucher dauerhaft ihr Verhalten ändern, bezweifelt indes ein weiterer Kommentarschreiber:

"Jetzt heulen alle rum. In zwei Wochen ist wieder alles vergessen und jeder Dritte (...) holt sich Rindfleisch, Schweinefleisch, Hähnchenfleisch für 4€/kg."  

Barbara Mägdefrau findet Diskussionen wie diese wichtig. Mit ihrem Video will sie dazu beitragen, speziell die kleinen Höfe im Allgäu zu erhalten. Als sie vom Tierskandal in Bad Grönenbach erfuhr, machte sie sich sofort ans Werk. "Ich empfand eine seltsame Mischung aus Wut und Trauer. Einerseits brach es mir das Herz, die Tiere so leiden zu sehen. Andererseits bekomme ich bei solchen Bildern Zorn auf Menschen, die Andere - sei es Mensch oder Tier - so minderwertig und qualvoll behandeln."  

Das Video drehte sie weitgehend alleine. "Nur bei ein paar Szenen, die ich nicht alleine filmen konnte, halt mir meine Mama geholfen", erzählt Barbara Mägdefrau. Ihre Eltern betreiben einen Hof mit sieben Kühen, fünf Jungtieren, vier Kälbern und 40 Schafen. Von kleinauf begeisterte sie sich für Tiere. Nach einer Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten macht sie derzeit eine weitere Ausbildung zur Vermessungstechnikerin. 

Ob sie den landwirtschaftlichen Kleinbetrieb der Familie einmal übernehmen wird? "Ja", antwortet sie. "Allerdings wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen, wie wir das gestalten." 

Vom Erfolg ihrer dreiminütigen Botschaft wurde sie übrigens buchstäblich überrascht: "Ich wusste gar nicht, dass es öffentlich zu sehen ist! Ich hatte es nach dem Dreh nur Freunden per Whatsapp geschickt und gefragt, wie sie es finden." Offenbar gefiel es derart gut, dass es weiter verbreitet wurde. Am 14. Juli luden es schließlich die Betreiber eines Gästehauses im Oberallgäu auf ihrer Facebook-Seite hoch. Von dort wurde es über 800 Mal geteilt.       


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