Sofort geholfen
09.01.2020 Land & Leute

Allgäuer Heldin: So rettete Sabrina (17) einem Mann in Kaufbeuren das Leben

Lebensretterin Sabrina Wirth am Bahnhof
Als ein älterer Mann am Kaufbeurer Bahnhof umkippt, handelt Sabrina Wirth sofort. Notruf, stabile Seitenlage, Wiederbelebung. Nicht selbstverständlich, weil viele bei Erster Hilfe noch immer zurückschrecken. Umso löblicher, weil Sabrina erst 17 ist! Und doch weiß die Ostallgäuerin: Wichtig ist, dass man überhaupt etwas unternimmt! Wie ihr ihr Ehrenamt bei der DLRG geholfen hat und weshalb sie nicht zum ersten Mal Leben rettete, erfährst Du hier. Chapeau, Sabrina!

Er ist ihr gleich aufgefallen. Ein älterer Mann, der schwankend zum Gleis kam, so als wäre er betrunken. Sabrina Wirth wartet an diesem Dezembertag gerade auf den Zug, der die 17-Jährige nach der Schule von Kaufbeuren nach Biessenhofen bringt. Ein Passant wird ebenfalls auf den Mann aufmerksam, fragt ihn, ob er etwas getrunken hat. Kopfschütteln. Er wirkt unbeholfen, geradezu apathisch. Und dann kippt der Mann plötzlich um. Der Moment, in dem für Wirth klar ist: Sie muss helfen.

Sofort eilt sie zu ihm, stellt fest, dass er nicht mehr ansprechbar ist, das Bewusstsein verloren hat. Derweil drückt ihr ein Zuschauer sein Handy in die Hand, die Nummer des Notrufes ist schon gewählt. Vielleicht habe er kein Deutsch gesprochen, vermutet die 17-Jährige heute. Wollte helfen, aber konnte den Notarzt selbst nicht rufen.

Danach geht alles ganz schnell. Wirth schildert am Handy kurz, was passiert ist. Den Mann haben sie und ein Passant da schon in die stabile Seitenlage gebracht. „Atmet er noch?“, will ihr Ansprechpartner bei der Integrierten Leitstelle wissen. Nein, vermutet Wirth. Denn Gesicht und Nase des Mannes sind bereits blau angelaufen. Eine schnelle Atemkontrolle gibt Gewissheit: Der Mann atmet nicht mehr. „Da habe ich angefangen, zu drücken und zu beatmen.“ Solange bis der Notarzt wenige Minuten später eintrifft. Auf dem Monitor des Rettungsdienstes sieht Wirth dann das schlagende Herz des Mannes. „Das war für mich eine Erleichterung.“

Viel zu wenige wissen, was sie tun müssen, wenn so etwas passiert.
Sabrina Wirth (17)

Als Wirth ihren Freunden und Bekannten von alldem erzählt, hört sie immer wieder Sätze wie: „Ich wäre völlig überfordert gewesen.“ Oder: „Keine Ahnung, was ich da hätte machen sollen.“ Die 17-Jährige ist geschockt. „Viel zu wenige wissen, was sie tun müssen, wenn so etwas passiert.“

Bei der DLRG gelernt

Wie man Erste Hilfe leistet, Vitalfunktionen kontrolliert und eine Herz-Lungen-Wiederbelebung funktioniert, das hat Wirth alles in vielen Ausbildungen gelernt. Mit gerade einmal vier Jahren trat sie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft bei. Ihre ganze Familie engagiert sich bei der DLRG, erzählt die Schülerin. „Das wurde einem sozusagen in die Wiege gelegt.“ Und dennoch war sie an diesem Dezembertag am Kaufbeurer Bahnhof unglaublich aufgeregt. „Als ich den Notruf absetzte, habe ich am Ende gestottert“, sagt Wirth. Danach sei sie schlicht in Routine verfallen.

Worauf kommt es bei der Ersten Hilfe eigentlich an? „Überhaupt zu helfen. Es gibt viele Leute, die einfach weggehen“, entgegnet Wirth. Angst davor, etwas falsch zu machen, brauche niemand zu haben. Die Notrufzentrale helfe einem am Telefon, erklärt auch, wie eine stabile Seitenlage aussehen muss oder die Herzdruckmassage abläuft. „Bei der Geschwindigkeit kann man sich an dem Lied ’Yellow Submarine’ orientieren“, erklärt die Schülerin – oder an 'Stayin’ Alive'.

Es ist nicht das erste Mal, dass die 17-Jährige jemandem das Leben rettet. Sie war fünf, ihr kleiner Bruder zwei, als er im Sommerurlaub im Schwimmbecken fast ertrinkt. Der Pool sei zwar nicht tief gewesen, sagt Wirth. Doch ihr Bruder ist damals umgekippt, weil er zu viel Sonne abbekommen hatte. „Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich ihn am Arm rausgezogen habe.“

Wie es dem Mann vom Kaufbeurer Bahnhof jetzt geht, weiß Wirth nicht. Er habe wohl keinen Alkohol getrunken, etwas anderes hat ihn in diese missliche Lage gebracht. Das hat sie beim Rettungseinsatz noch mitbekommen. „Es ist schade, dass ich nicht weiß, wie es ihm geht“, sagt Wirth.

Aber so gehe es Rettungssanitätern wohl Tag für Tag.

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